Wirtschaft
09.01.2017

Umstrittener Nutzen von Bio-Essen

Bio ist nicht gesünder und schmeckt auch nicht besser – aber es hilft der Umwelt, sagen Experten.

Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln steigt kontinuierlich. In Österreich werden für Bioprodukte jedes Jahr mehr als eine Milliarde Euro ausgegeben. Europaweit sind es mittlerweile rund 24 Milliarden Euro. Ein Verkaufsargument ist allerdings mehr als umstritten: Bioprodukte sind zwar teurer, aber angeblich auch gesünder als konventionelle Lebensmittel. Das wird immer wieder behauptet.

2012 wurde eine Zusammenfassung von insgesamt 223 Studien zu diesem Thema veröffentlicht. Das Ergebnis hat für Aufregung gesorgt. Es gibt bezogen auf die gesundheitlich relevanten Inhaltsstoffe keine wesentlichen Unterschiede zwischen Biolebensmitteln und konventionellen Lebensmitteln.

Seither wurde in mehreren Studien versucht, das Gegenteil zu beweisen. Allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Es gibt Studien, nach denen Biolebensmittel etwas mehr ungesättigte Fettsäuren sowie sogenannte Antioxidantien enthalten. Diese Verbindungen sollen gut für das Herz-Kreislauf-System sein und die Abwehrkräfte im Körper stärken.

Nicht relevant

Die Mehrheit der Wissenschaftler geht aber davon aus, dass die Unterschiede gesundheitlich nicht relevant sind. "Es gibt nicht den geringsten Hinweis darauf, dass Menschen, die sich nur Bio ernähren, weniger oft krank sind", betont Univ.-Prof. Wolfgang Kneifel vom Institut für Lebensmittelwissenschaften der Universität für Bodenkultur. Zumal ja die Vorgaben für die Lebensmittelsicherheit sowohl für Bio als auch für konventionelle Lebensmittel gelten.

Dazu kommt, dass die Inhaltsstoffe der pflanzlichen Lebensmittel sehr stark davon abhängen, wo, wie und bei welcher Witterung angebaut und geerntet wurde. "Hier gibt es eine extrem hohe Variabilität", verweist Kneifel auf diverse Untersuchungsergebnisse.

Generell ist die Lebensmittelsicherheit in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Jährlich gibt es in Europa etwa 100 Tote als Folge von Lebensmittelvergiftungen. Im Straßenverkehr sterben im selben Zeitraum etwa 26.000 Menschen. Wobei die Todesursachen infolge von Lebensmittelvergiftungen fast nur auf Hygienemängel und nicht auf Pflanzenschutzmittel zurückzuführen sind.

Wenn Bio schon nicht gesünder ist, dann schmeckt es doch sicher besser. Doch auch dafür gibt es keinen Beleg. Prof. Klaus Dürrschmid vom Institut für Lebensmittelwissenschaften weiß, was schmeckt, nämlich "das, was man kennt". Da die große Mehrheit der Lebensmittel aus konventioneller Produktion stamme, seien die meisten Konsumenten an den Geschmack von konventionellen Lebensmitteln gewöhnt: "Konventionelle Produkte werden häufig als reiner im Geschmack und milder im Aroma wahrgenommen, sagt Dürrschmid. "Bei Bio nehmen Konsumenten öfter ungewohnte Geschmacksnoten wahr, die als Fehlgeschmack interpretiert werden können."

Wenn also Bio nicht gesünder ist und auch nicht besser schmeckt, warum soll man es dann kaufen? Kneifel und Dürrschmid sind sich einig: Es ist aus ökologischen Gründen sinnvoll, für Biolebensmittel mehr Geld auszugeben.

Dass die Werbung das Gesundheitsargument bevorzugt, wundert Dürrschmid nicht. Der ökologische Vorteil sei für viele keine ausreichende starke Motivation zum Kauf von Bio-Produkten. "Das ist viel zu wenig Ich-bezogen."

Wenn Essen Kunststoff enthält

2016 wurden von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) 34 Lebensmittel und ein Kinderlebensmittel zurückgerufen. Vor dem Verzehr eines Produktes wurde gewarnt. Zehn Produkte wurden aus dem Verkehr gezogen, weil sie Fremdkörper wie Kunststoffteilchen enthielten. Auch die Falschdeklaration von Inhaltsstoffen kommt öfter vor. Es fehlen die Angaben für den Gehalt von Soja, Sesam, Mandeln oder Haselnüssen – oder die angegebenen Mengen werden nicht erreicht.
Eine größere Gruppe sind auch Rückrufe wegen Salmonellen, Listerien, Keimen oder sonstigen bakteriellen Verunreinigungen. Es gab keinen Rückruf wegen einer zu hohen Belastung durch Pflanzenschutzmittel.
Auch Bio-Produkte werden immer wieder zurückgerufen. Gründe waren Salmonellen, Verunreinigungen, Falschdeklaration und Alkaloide. Alkaloide im Mutterkorn haben vor allem im Mittelalter zu Vergiftungen geführt.