Tumpel-Gugerell: "EU-Gipfel muss nachhaltige Lösung bringen"

Begrüßenswert ist eine Rating-Agentur der EU: Tumpel-Gugerell
Foto: KURIER/Gruber

Interview - Die ehemalige EZB-Direktorin Tumpel-Gugerell ist gegen eine Umschuldung Griechenlands.

Acht Jahre gehörte Gertrude Tumpel-Gugerell dem Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) an. Ende Mai schied sie aus, nach einer Amtsperiode gibt es keine Verlängerung mehr.

Nach EZB-Regeln sollte die Ökonomin ein Jahr lang nicht im Finanzsektor aktiv sein. Aufsichtsratsmandate in der FIMBAG (Finanzmarktbeteiligung Aktiengesellschaft des Bundes) und der Wien-Holding hat sie angenommen. Weiters ist sie im Bereich Arbeitsmarktförderung tätig. Sie gilt als Favoritin für die Nachfolge von Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny. Im KURIER nimmt sie zum Griechenland-Streit Stellung.

KURIER: Frau Tumpel-Gugerell, für Griechenland gibt es mehrere Optionen. Bringt der EU-Gipfel eine Lösung?
Gertrude Tumpel-Gugerell:
Wichtig ist: Die künftige Finanzierung Griechenlands und die Beteiligung des Privatsektors muss geklärt werden. Es wird alles getan, um die Krise zu beenden.

Sind Sie dafür, dass der Privatsektor beteiligt wird?
Die EZB will Unsicherheiten auf den Finanzmärkten vermeiden. Man sollte auch Verträge nicht abändern.

Manche Ökonomen sagen, die EZB breche Verträge und kaufe Ramsch-Anleihen.
Das ist falsch. Die EZB handelt vertragskonform. Die Aktion war eine erfolgreiche Aktion. Das sehe ich so.

Zwischen Euro-Ländern und EZB kracht es ziemlich. Schadet das dem Euro?

Jeder muss seine Aufgabe erfüllen. Beide suchen eine gemeinsame Lösung.

Wäre eine Umschuldung nicht das Beste für Athen?
Man muss die Folgewirkungen auf die anderen Finanzmarktteilnehmer berücksichtigen. Die Position der EZB ist unverändert.

Was braucht Griechenland - außer Geld?
Ruhe und die Unterstützung aller. Budgetkonsolidierung, Strukturreformen und die Erhöhung der Steuereinnahmen sind notwendig.

Spanien und Portugal zahlen täglich höhere Zinsen, in Spanien sind vorgezogene Wahlen für November geplant. Krisen-Symptome nehmen zu. Versagt die EU?

Der EU-Gipfel muss eine nachhaltige und glaubwürdige Lösung bringen.

Was empfehlen Sie den EU-Regierungschefs?
Eine klare Entscheidung.

Welche Effekte hat die US-Schuldenkrise auf die EU?
Jeder Währungsraum muss seine fiskalpolitischen Probleme nachhaltig lösen.

Sind Sie für eine europäische Rating-Agentur?
Das wäre begrüßenswert. Es muss jemand investieren, Daten sammeln und eine Expertise aufbauen.

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(kurier) Erstellt am
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