„Grüne“ Inlandsflüge: Dieser Flieger hebt mit Bratfett ab
Wer von der dänischen Großstadt Aalborg nach Kopenhagen fliegt, kann sein Klima-Gewissen entlasten. Oder genauer gesagt: teilentlasten. Denn mit der norwegischen Airline Norwegian fliegt man jetzt zu 40 Prozent mit Biokerosin – sprich: mit gebrauchtem Speiseöl.
Damit ist Dänemark das erste Land in Europa, das Inlandsflüge teils mit diesem nachhaltigen Kraftstoff betreibt. „Wir reduzieren die CO2-Emissionen um 3.000 Tonnen pro Jahr, sodass es ein Schritt in die richtige Richtung ist“, sagt Sara Neergaard, Norwegian-Managerin in Dänemark. Die Idee für die „Fritten-Flieger“ kommt von der Regierung in Kopenhagen. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen kündigte bereits in ihrer Neujahrsrede 2022 „grüne Inlandsflüge“ an.
Und das ist Frederiksen viel Geld wert. Umgerechnet 107 Mio. Euro will der dänische Staat bis 2029 in Flüge mit dem nachhaltigen Kraftstoff stecken. Die Gelder wiederum bekommt er aus einer Steuer, die er auf Flugtickets erhebt. Zum Glück für die Passagiere: Der Ticketpreis ist gleich geblieben. Der umweltverträglichere Kraftstoff ist jedoch sieben- bis achtmal teurer als herkömmliches Kerosin.
EU schreibt die Verwendung von Biokerosin schon seit 2025 vor
Schon seit 2025 schreibt die EU für das Betanken von Flugzeugen in Europa zwei Prozent Biokerosin (Sustainable Aviation Fuel - SAF, Anm.) vor. Dieser Wert soll im Laufe der Zeit erhöht werden. Damit ist Biokerosin per se nichts Neues. Und: Ein erster Speiseöl-Testflug fand bereits 2009 durch die Air New Zealand statt.
Dennoch: Die vergleichsweise junge Technologie ist noch nicht ganz ausgereift. Als Problem gilt neben den hohen Kosten auch seine begrenzte Menge – und damit verbunden ein hoher Aufwand in der Beschaffung. So wird im Falle des Inlandflugs in Dänemark das gebrauchte Bratöl europaweit gesammelt, ins schwedische Göteborg gebracht, dort bei hohen Temperaturen raffiniert und schließlich nach Aalborg verschifft.
Dass auch das aktuelle Projekt in Dänemark umstritten ist, belegt die Abwesenheit von Frederiksen bei der Premiere des ersten nachhaltigen Inlandflugs in Aalborg. Denn die Sozialdemokratin, die mit ihren politischen Ansagen gerne rigoros nach vorn prescht, hatte versprochen, die Linienflugzeuge würden zu 100 Prozent mit dem nachhaltigen Kraftstoff betrieben. Dies ist nicht nur teuer, sondern auch wegen der derzeitigen internationalen Rechtslage nicht möglich – Biokerosin darf bei Flügen nur bis zu 50 Prozent verwendet werden. Selbst die norwegische Fluglinie mag darum den Treibstoff nicht „grün“ nennen, „um die Verbraucher nicht in die Irre zu führen“.
Umweltschützer kritisieren den Sprit aus gebrauchtem Speiseöl
Und auch Umweltschützer üben Kritik. „Der grüne Teil des Kraftstoffs wird nicht nachhaltig produziert“, kritisiert etwa Jannick Schmidt, Nachhaltigkeitsprofessor an der Universität Aalborg. Er erklärt, dass bei der Herstellung des primär verwendeten Palmöls Regenwälder abgeholzt würden. Kurze Inlandsflüge werden von Umweltschützern generell kritisch betrachtet.
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