Grünes Kerosin: Fluglinien wollen EU-Vorgabe loswerden
Zusammenfassung
- Airlines fordern eine Lockerung der EU-Vorgaben für synthetisches Kerosin (eSAF) wegen hoher Kosten und knapper Verfügbarkeit.
- Der Branchenverband A4E warnt vor Strafzahlungen und Wettbewerbsnachteilen für europäische Airlines, während Umweltorganisationen vor einer Verschiebung warnen.
- Synthetische Kraftstoffe sind klimafreundlicher, aber deutlich teurer als Biokraftstoffe und aktuell kaum verfügbar.
Airlines wollen die EU zu einem Lockern der Vorschriften zum Einsatz klimafreundlichen synthetischen Kerosins (eSAF) drängen.
Die ab 2030 geplante Beimischungsquote von 1,2 Prozent eSAF solle wegen hoher Kosten und knapper Verfügbarkeit verschoben oder aufgehoben werden, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Dienstag zu Reuters. Die Forderung soll am Donnerstag auf einer Konferenz des Branchenverbands Airlines for Europe (A4E) erhoben werden.
Spohr: "Green Deal muss reformiert werden"
Dem Verband gehören unter anderem die AUA-Mutter Lufthansa, Air France-KLM und Ryanair an. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte kürzlich erneut eine Kurskorrektur und eine bessere ökonomische Balance der EU-Klimaschutzvorschriften für die Luftfahrt gefordert. Denn diese benachteiligten europäische Airlines gegenüber Konkurrenten wie den Golf-Airlines. "Der Green Deal muss reformiert werden, und zwar dringend", sagte Spohr bei der Lufthansa-Bilanzpressekonferenz Anfang März.
Der Verband A4E erklärte, die erwartete Produktion des mit erneuerbarer Energie hergestellten eSAF werde 2030 nur 0,7 Prozent des Bedarfs decken. Es käme dann zu Strafen von 7 bis 9 Mrd. Euro, die von den Treibstofflieferanten zu zahlen wären, über die Airlines letztlich aber bei den Passagieren landen würden. Die Umweltorganisation Transport and Environment (T&E) warnte hingegen vor einer Verschiebung. "Wenn wir das aufschieben, werden eSAF-Start-ups sterben und Europa wird seinen Vorsprung als Vorreiter verlieren", sagte T&E-Expertin Camille Mutrelle.
eSAF teurer, aber klimafreundlicher als Biokraftstoffe
Synthetische Kraftstoffe werden mithilfe von erneuerbarem Strom aus Wasserstoff und abgeschiedenem Kohlendioxid (CO2) hergestellt. Sie gelten als klimafreundlicher als Biokraftstoffe, die meist aus Altspeiseöl oder tierischen Abfällen gewonnen werden, sind jedoch in der Herstellung deutlich teurer. Biokraftstoffe machen derzeit nur 0,3 Prozent des weltweiten Kerosinverbrauchs aus und kosten drei- bis fünfmal so viel wie herkömmliches Kerosin. Insgesamt müssen die Airlines in Europa seit 2025 zwei Prozent SAF (Sustainable Aviation Fuel) tanken und ab 2030 sechs Prozent, die eSAF-Vorgabe ist darin eingeschlossen. Interessensvertreter wollen die teuren und kaum verfügbaren synthetischen Treibstoffe (eFuels) auch anstelle von Benzin und Diesel in Autos einsetzen.
Die Luftfahrtbranche steht wegen des Iran-Krieges bereits unter Druck durch Flugausfälle und höhere Treibstoffkosten. Im vergangenen Jahr hatte bereits die Autoindustrie eine Abschwächung des für 2035 geplanten Verbots für Neuwagen mit Verbrennungsmotor erreicht.
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