Trotz des Iran-Krieges: Reiselust ist ungebrochen

Wegen hoher Preise und internationaler Unsicherheit buchen viele Österreicher kurzfristig und bleiben lieber innerhalb Europas.
Ein Flugzeug hebt von einer Landebahn ab, umgeben von gelben Landebahnlichtern und unscharfem Hintergrund.

Der Krieg im Iran und seine Folgen wirken sich seit Beginn auch stark auf den internationalen Tourismus aus. In den vergangenen Wochen gingen Geschichten von gestrandeten Urlaubern durch die Medien, die wegen gesperrter Lufträume und gestrichener Flüge tagelang auf ihre Heimreise warten mussten. 

Auch jetzt noch ist der Flugverkehr eingeschränkt. Wichtige Drehkreuze wie die Flughäfen in Dubai oder Abu Dhabi werden weiterhin nur eingeschränkt angeflogen. Die deutsche Lufthansa und ihre Tochter Austrian Airlines fliegen bis einschließlich 28. März nicht in die Region. Die Flüge nach Tel Aviv und Teheran wurden sogar bis in den April hinein gestrichen.

Flüge könnten um neun Prozent teurer werden

Zu dieser Verunsicherung gesellen sich nun steigende Flugpreise, die die Reiselust dämpfen. Wegen der beeinträchtigten Ölversorgung bekommen die Fluggesellschaften einen starken Anstieg bei den Kerosinpreisen zu spüren. 

Der Weltluftfahrtverband IATA warnt, dass die Kosten für Flugtickets um bis zu neun Prozent steigen könnten, wenn der Konflikt anhält. „Es wird dabei keine Gewinner geben“, sagt IATA-Chef Willie Walsh. Die globale Nachfrage sei derzeit noch robust, aber höhere Ticketpreise könnten sie dämpfen. Sollte der Konflikt andauern und zu Engpässen bei Kerosin führen, dürften Fluggesellschaften zudem ihre Kapazitäten kürzen.

Auch bei Dertour geht man von steigenden Kosten für zukünftige Buchungen aus. Der nach eigenen Angaben größte deutsche Reiseveranstalter in der Nahost-Region beobachtet derzeit eine Verschiebung bei den Buchungen. „In der betroffenen Region sehen wir Stornierungen, Umbuchungen und eine gewisse Verunsicherung“, sagt Dertour-Chef Christoph Debus

Die Reiselust der Europäer ist trotz der Krise ungebrochen

Insgesamt bleibe die Nachfrage jedoch stabil: „Die Reiselust der Europäer ist ungebrochen.“ Viele klassische Warmwasserziele seien für Touristen austauschbar. Viele Urlauber wichen auf andere Ziele aus. 

Auch die Österreicher wollen sich den Badeurlaub nicht nehmen lassen. Einer Studie der Johannes-Kepler-Universität in Linz zufolge planen 65 Prozent der Befragten heuer im Sommer zu vereisen.  Der Großteil möchte dafür ins europäische Ausland – vor allem an die Mittelmeerküste. Ein Fünftel plant, in Österreich zu urlauben.

Dass Österreich nicht nur bei inländischen Gästen von den Folgen des Iran-Kriegs touristisch profitieren kann, hält auch Susanne Kraus-Winkler, Obfrau der Bundessparte Tourismus in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), für möglich. 

„Wir gehen davon aus, dass aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage viele Gäste bewusst auf sichere und gut erreichbare Reiseziele setzen werden. Dadurch könnte Urlaub in Österreich heuer noch stärker nachgefragt werden.“ Denn das Alpenland gilt im internationalen Vergleich als besonders sicher. Im Weltfriedensindex liegt Österreich aktuell auf Platz vier.

„Unsicherheiten und eingeschränkte Erreichbarkeit führen derzeit zu verzögerten Buchungen.“

von ÖW-Chefin Astrid Steharnig-Staudinger

Urlaube werden zögerlicher und kurzfristiger gebucht 

Astrid Steharnig-Staudinger, Geschäftsführerin der nationalen Tourismus-Marketingorganisation Österreich Werbung (ÖW), beobachtet vor allem ein verändertes Buchungsverhalten: „Unsicherheiten und eingeschränkte Erreichbarkeit führen derzeit zu verzögerten Buchungen“, sagt sie dem KURIER. 

Grund zur Sorge sieht die ÖW-Chefin nicht. Der Tourismusstandort Österreich sei „sehr stabil aufgestellt und breit diversifiziert“. Man lege einen starken Fokus auf europäische Herkunftsmärkte sowie auf die wichtigen Fernmärkte USA und China. 

Auf Gäste aus der Golfregion werde man zumindest in Teilen verzichten müssen. Hier habe es bereits Stornierungen gegeben, erzählt Martin Stanits, Sprecher der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV), dem KURIER.

Das Fehlen der arabischen Touristen werde man etwa in Destinationen wie Zell am See, Wien oder der Stadt Salzburg spüren. Und dort vor allem in der hochpreisigen Qualitätshotellerie. Denn die arabischen Gäste geben mit durchschnittlich rund 460 Euro pro Gast und Tag im Österreich-Urlaub mehr Geld aus als die Besucher aller anderen Herkunftsmärkte.

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