Iran-Krieg: Steht der Dubai-Tourismus vor dem Aus?
Aus Berlin
Der Krieg am Golf ist für beliebte Reiseziele in der Region wie etwa Dubai, Abu Dhabi oder Katar ein Schock. Reisewarnungen und Flugausfälle bringen die Milliardenbranche an ihre Grenzen. Steht der Tourismus in den arabischen Raum vor dem Kollaps? Und was bedeutet die Krise für die Branche in Österreich? Ein Stimmungsbild von der weltweit größten Reisemesse, der ITB:
Im Berliner Messezentrum sind die Auswirkungen der Krise über mehrere Hallen hinweg spürbar. Israel hatte seine Teilnahme bereits im Vorfeld abgesagt. Auch dort, wo der Iran ausgestellt hätte, stehen stattdessen nur weiße Wände.
Vielen anderen Ausstellern und Fachbesuchern ist die Anreise wegen der eingeschränkten Flugverbindungen unmöglich. Neben den Vertretern aus den Golfstaaten betrifft das auch viele Besucher aus Asien, Afrika und der Pazifik-Region, die über die Drehkreuze Dubai oder Doha (Katar) anreisen.
Die iranischen Vertreter haben den Messebesuch abgesagt. Die gemietete Fläche blieb deswegen leer.
Emirates-Chefs konnten nicht nach Berlin reisen
Von Emirates konnte wegen des gesperrten Luftraums von Dubai kein Vertreter der Führungsebene anreisen, wie eine Sprecherin am Stand der Fluglinie mitteilt. Zwar wirbt man auf der ITB mit Luxus-Sitzen aus der ersten Klasse, die Stimmung wirkt aber allgemein getrübt.
Das gilt auch für den Etihad-Stand direkt daneben. Auch die Airline aus Abu Dhabi hat vorerst alle kommerziellen Flüge gestrichen. Wie sich die Krise bisher auf Buchungen und Stornierungen ausgewirkt hat, könne man noch nicht sagen, heißt es auf Nachfrage.
Auch beim Stand des Landes Katar versucht man dem Thema aus dem Weg zu gehen. Die Mitarbeiterinnen am Stand wimmeln Fragen zur aktuellen Situation höflich ab. Es sei niemand da, der diese beantworten kann, heißt es.
Die Fluglinie Emirates wirbt trotz des gesperrten Luftraums über Dubai mit Luxus-Sitzen für die erste Klasse.
Optimismus im Oman und in Saudi-Arabien
Optimistischer zeigt man sich am Stand des Oman. Der Flughafen in der Hauptstadt Maskat wird weiterhin normal von vielen Fluglinien angeflogen, heißt es. Auch die Vertreter Saudi-Arabiens, das seit mehreren Jahren stark auf internationale Touristen setzt, zeigen sich zuversichtlich. Der saudische Luftraum ist bisher von keinen Sperren betroffen. „Wir werden sehen, ob das so bleibt. Wir warten selbst gerade, wie sich die Lage entwickelt“, so eine Sprecherin.
Auch für den heimischen Tourismus hat der Krieg im Iran Auswirkungen, etwa auf Reiseentscheidungen und Preise. „Momentan ist es so, dass wir uns in einer akuten Krisenphase befinden“, so Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner(ÖVP) zum Auftakt der ITB. Wie lange diese anhält, sei momentan nicht abzuschätzen.
Arabische Gäste geben im Urlaub besonders viel Geld aus
„Derzeit setzen wir weiterhin auf Gäste aus dem arabischen Raum“, sagt Zehetner. Denn diese seien sehr kaufkräftig. Mit durchschnittlichen Ausgaben von rund 460 Euro pro Gast und Tag geben sie mehr aus als Touristen aus allen anderen Herkunftsländern. Zum Vergleich: Die durchschnittlichen Tagesausgaben aller Gäste in der Sommersaison liegen bei 187 Euro, teilt die Österreich Werbung mit.
Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) spricht von einer "akuten Krisenphase".
Mengenmäßig machen die Gäste aus dem Nahen Osten nur einen kleinen Teil der Touristen in Österreich aus, teilt Manfred Katzenschlager, Geschäftsführer des Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), dem KURIER mit.
Mit 2,5 Millionen Nächtigungen seien 2025 nur 1,6 Prozent aller Gäste-Übernachtungen auf diese Herkunftsmärkte entfallen, der Großteil davon auf Israel (rund eine Million Nächtigungen), gefolgt von Saudi-Arabien und den Emiraten.
Fehlende arabische Gäste werden durch andere Märkte substituiert
Wenn die Krise anhalte, werde Österreich in den kommenden Monaten auf betroffene Märkte verzichten müssen, sagt Zehetner. „Im Sommer wird uns dann der eine oder andere arabische Gast fehlen. Wir werden das aber durch Besucher aus anderen Herkunftsmärkten substituieren können.“
Denn als neutrales Land würde Österreich als Reiseziel auch von der internationalen Krise profitieren, wenn „nach sicheren Destinationen Ausschau gehalten wird“. Immerhin liegt die Alpenregion im Weltfriedensindex aktuell auf Platz vier, wie Zehetner betont.
Redaktioneller Hinweis: Die Reise zur ITB-Messe erfolgte auf Einladung der Österreich Werbung.
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