Trotz massiver Teuerung: Beim Urlaub sparen die Österreicher kaum

Ein Pärchen genießt seinen Urlaub am Strand.
2.209 Euro wollen die Österreicher für Urlaub ausgeben. Stranddestinationen sind beliebt. Urlaub im eigenen Land ist hingegen weniger interessant.

Von Marlene Liebhart und Moritz Bach

Nach der Kältewelle, die das Land seit Jahresbeginn überrollt hat, sehnen sich viele Österreicher nach Sonne, Strand und Meer. Und auch die Teuerung scheint die urlaubsreifen Menschen nicht aufzuhalten. "Die Reiselust ist ungebrochen groß", so Michele Fanton, Geschäftsführer des Tourismuskonzerns Verkehrsbüro, zu dem auch die österreichweit 68 Ruefa-Reisebüros gehören.

Während andere Branchen wie der Handel oder die Gastronomie über eine anhaltende Konsumzurückhaltung und Sparsamkeit klagen, bekommen die heimischen Reiseveranstalter diese kaum zu spüren. Neun von zehn Österreichern wollen heuer verreisen, so eine Befragung von Ruefa. Damit würde die Branche heuer wieder das Niveau aus den Jahren 2015 und 2016 erreichen, sagt Verkehrsbüro-Vorständin Birgit Wallner.

2.209 Euro geben die Österreicher im Schnitt aus

Dabei wollen sie durchschnittlich pro Person mit 2.209 Euro um 136 Euro mehr ausgeben als im Jahr zuvor. "Ein Sinnbild, welchen Stellenwert das Reisen für die Österreicherinnen und Österreicher hat", kommentiert Wallner das Umfrageergebnis. 

Die höheren Ausgaben würden an den immer längeren Aufenthalten liegen, die die Österreicher planen. Mit durchschnittlich 21 Tagen urlauben diese nämlich heuer um einen Tag länger als 2025. 

Zudem würde ein Sommerurlaub aufgrund der Teuerung heuer um rund drei bis vier Prozent mehr kosten als noch 2025, sagt Wallner dem KURIER. Wie stark die Preise in den einzelnen Urlaubsländern tatsächlich gestiegen sind, sei aber unterschiedlich und von der wirtschaftlichen Situation vor Ort abhängig.

Von höheren Kosten und Unsicherheiten will sich ein großer Teil der Befragten die Reiselust aber ohnehin nicht vermiesen lassen. 43 Prozent geben an, dass dies keinen Einfluss auf die heurige Urlaubsplanung hat. 15 Prozent sparen in anderen Lebensbereichen, aber nicht beim Reisen. Diejenigen, die doch Kosten reduzieren möchten, tun das am liebsten durch Frühbucher-Angebote oder buchen in der günstigeren Nebensaison.

All-Inclusive und Last-Minute-Angebote im Trend

Daneben seien auch All-inclusive- und Last-Minute-Angebote relevant. "Das sind die Themen, auf die die Menschen schauen", berichtet Wallner. Generell zieht es die meisten Österreicher ans Meer. Badeurlaube stehen besonders hoch im Kurs, gefolgt von Städtetrips und Wellnessaufenthalten

Immer beliebter werden auch Aktiv- und Sporturlaube. Neben Wander- und Golfaufenthalten werden auch Laufreisen zu internationalen Marathons bei Ruefa vermehrt nachgefragt. Unter die klassischen Destinationen wie Tokio, London und New York reihen sich dabei immer exotischere Laufstrecken etwa in Grönland oder Bhutan.

Und auch andere Sportevents, wie etwa die Formel-1 oder die Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika, an der auch die heimische National-Elf teilnimmt, ziehen heimische Urlauber an.

Die meisten Österreicher reisen ins europäische Ausland. Dabei haben die Mittelmeer-Klassiker Italien, Kroatien und Griechenland die Nase vorn. Dazwischen gesellt sich auch das Nachbarland Deutschland, das nicht nur als Reiseziel für Städtetrips interessant ist. Wegen des milden Klimas und der flachen Sandstrände ziehen vor allem die Ostsee-Regionen immer mehr Sommerurlauber aus Österreich an.

Thailand immer beliebter, Buchungen in die USA brechen ein

In der Ferne landet heuer Thailand auf dem ersten Platz und verdrängt damit die USA von der Spitze. Das Verkehrsbüro verzeichnet bei den aktuellen Buchungszahlen ein Minus von 20 Prozent zum Vorjahr. Und dieses "wird sich auch heuer tendenziell fortsetzen - innerhalb von wenigen Jahren werden sich die USA-Umsätze bis 2027 gegenüber 2024 halbieren", sagte Fanton.

Ob dieser Rückgang auf die die Politik von US-Präsident Donald Trump zurückzuführen ist, will Fanton nicht kommentieren.

Neben den USA ist auch das Inland für die Österreicher als Reisedestination heuer weniger interessant. Urlaub in Österreich boomte wegen gesetzlicher Einschränkungen vor allem während der Corona-Pandemie und verliert seither immer mehr an Beliebtheit. Laut Umfrage erwägen heuer 66 Prozent einen Urlaub in der Heimat, ein Minus von sechs Prozentpunkten zum Vorjahr. 

Das Preisniveau in Österreich ist vielen Urlaubern zu hoch

"Das hängt mit dem Wetter zusammen und das Preisniveau wird sich mittlerweile auch auswirken - das sind die Gründe, die ich dahinter vermute", fasst Wallner zusammen.

Unter den Bundesländern ist wiederholt die Steiermark an der Spitze im Ranking der beliebtesten Urlaubsregionen, gefolgt von Kärnten und Salzburg. Die Schlusslichter bilden Niederösterreich und Vorarlberg.

Kommentare