Wirtschaft
30.10.2018

Tourismusindustrie hofft auf starken Winter, Experten warnen

Die Branche sieht sich für die kommende Wintersaison gut aufgestellt, für den Skifahrer-Nachwuchs wird aber immer noch zu wenig getan

Österreich Werbung (ÖW) und der Fachverband der Seilbahnen Österreichs läuten den Start in die neue Wintersaison mit viel Optimismus ein, den manche Experten allerdings nicht teilen. Mit einem Umsatz von 14,1 Milliarden Euro und 71,9 Millionen Nächtigungen wurden in der vergangenen Wintersaison Höchstwerte erzielt, die Voraussetzungen sind auch für heuer gut, sagt Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung. „Die Ferien sind kurz und kompakt, auch die Feiertage liegen gut.“ Nur Ostern würde das Bild etwas trüben, da das Fest nächstes Jahr spät, nämlich Mitte April, falle. Dadurch werde die Saison verlängert, was für die Betriebe höhere Kosten bedeute.

Die Top-Herkunftsmärkte sind nach wie vor Deutschland, Österreich und Niederlande, doch bleibt auch Osteuropa, vor allem Tschechien und Polen, wichtig. Die ÖW hat inzwischen auch Süd-Ost-Asien entdeckt. Für diese Gäste gehe es weniger um Skifahren als um Weihnachtsmärkte und „sanfte Schneeerlebnisse“, wie Spazieren im Schnee.

Große Skigebiete am beliebtesten

Die Seilbahnen sehen sich gut aufgestellt und international konkurrenzfähig. „Wir investieren pro Jahr 600 Millionen Euro, also den halben Umsatz, in Sicherheit, Komfort, Beschneiung, Energie-Effizienz und den Austausch von Schneeanlagen“, sagt Franz Hörl, Obmann des Fachverbands der Seilbahnen. Mehr Möglichkeiten für Langläufer und Rodler sollen das Angebot komplettieren.

Am wichtigsten ist den Gästen die Größe des Skigebiets, zitiert Erik Wolf, Geschäftsführer des Fachverbands der Seilbahnen, eine aktuelle Umfrage. Weiters wollen die Urlauber abwechslungsreiche Pisten und eine gute Schneelage. Der Preis spielt laut Wolf eine untergeordnete Rolle. Das Alter der Skifahrer sei konstant, ein Drittel der Gäste käme mit Kindern unter 18 Jahren, was wichtig für den Ski-Nachwuchs sei.

Exodus im Osten

Tourismusexperte Peter Zellmann ist einer jener, die die Situation weniger rosig sehen: „Der Ausstieg aus dem Skifahren findet in Ostösterreich bereits statt.“ Große Skigebiete müssten sich um kleine im Osten kümmern, etwa durch Patronanzen, die Absicherung betriebswirtschaftlicher Abgänge oder Marketing. Dadurch würde Skifahren als Alltagsfreizeitaktivität erhalten bleiben und für Nachwuchs sorgen. „Vor 25 Jahren gab es in Ostösterreich 40 Prozent Nicht-Skifahrer. Heute sind es 63 Prozent“, so Zellmann. Wenn die Tourismusindustrie nicht reagiere, werde ihr das Problem auf den Kopf fallen. Thomas Pressberger