Schanigarten

© Kurier / Franz Gruber

Wirtschaft
12/10/2021

Tourismus: Ärger über 23 Uhr Sperrstunde zu Silvester

Das Weihnachtsgeschäft ist zum Teil gelaufen. Doch der Tourismus erholt sich traditionell schnell von Krisen.

von Simone Hoepke

Während sich Tirols Tourismusobmann Mario Gerber zum bevorstehenden Saisonstart über "sehr positive Rückmeldungen aus den Kernmärkten" freut, herrscht unter den Wiener Hoteliers Tristesse.

Vera Kremslehner ist gleich mehrfach vom Lockdown betroffen. Sie hat vier Hotels in Wien samt Seminargeschäft, mehrere Restaurants, das Catering für mehrere Theater in der Stadt. Kurz, derzeit genau null Geschäft, aber 220 Mitarbeiter (vor Ausbruch der Pandemie waren es noch 280) und jede Menge Kosten, die unbeirrt weiterlaufen.

"Wir waren am 19. November, als der Lockdown begonnen hat, ausgebucht und mussten alle Gäste von einem Tag auf den anderen nach Hause schicken." Auch nächstes und übernächstes Wochenende wären ihre Hotels ausreserviert gewesen, ärgert sich die Unternehmerin über die verschärften Maßnahmen in Wien.

Am 20. Dezember wieder die Pforten zu öffnen, sei für den Hotelbetrieb "quasi umsonst". Schließlich hätte so kurz vor Weihnachten kaum jemand Zeit für einen Städtetrip. Auch was das Silvester-Geschäft angeht, bleibt sie skeptisch, obwohl ihre Stadthotels laut jetzigem Stand zu 80 Prozent gebucht sind. "Ich fürchte, dass Silvester ohne Silvesterpfad und mit einer Sperrstunde um 23 Uhr für Touristen nicht gerade attraktiv sein wird." Dann komme der Jänner und Februar, also zwei Monate mit traditionell wenig Geschäft in der Stadthotellerie.

(Anmerkung: Die derzeitige Verordnung, welche ein Sperrstunde von 23 Uhr vorsieht, gilt derzeit bis 21.12. Für Weihnachten und Silvester müsste sie verlängert werden.)

Aus Sicht von Michaela Reitterer, Sprecherin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), wäre eine Lösung wie in der Schweiz auch für Österreich wünschenswert gewesen. Dort durften die Hotels auch in der vorigen Wintersaison offen halten, samt Gastronomie, allerdings nur für Hausgäste.

Strengere Kontrollen

Währenddessen hat die Regierung angekündigt, die Einhaltung der Corona-Regeln künftig strenger zu kontrollieren. Bei Verstößen droht den Betrieben eine Rückzahlung der geleisteten Hilfszahlungen. Es müsse endlich ein Ende der "augenzwinkernden Wurschtigkeit" geben, sagt Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein am Marienfeiertag. Dieser Ansicht ist auch Kremslehner. "Wir sind teilweise ausgelacht worden, weil wir die Impfpässe nicht nur kontrolliert, sondern auch gescannt haben." Das einzig Positive sei, dass der Tourismus erfahrungsgemäß schnell anspringt, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. "Touristen aus Frankreich, Italien oder Spanien waren schnell wieder da, als sich die Lage in ihrem Land normalisiert hatte."

Auch die Österreicher sind im Sommer wieder verstärkt verreist. "Beim Sommerurlaub gab es heuer ganz viel Nachholbedarf", sagt Tobias Thomas, Generaldirektor der Statistik Austria. Zwischen Juli und September haben die Österreicher demnach 8,3 Millionen Reisen (inklusive Verwandten- und Bekanntenbesuche) unternommen und damit mehr als noch vor Ausbruch der Corona-Pandemie.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.