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Wirtschaft
09/26/2019

Thomas Cook: Österreich-Tochter droht Liquidation, Gläubigern Totalverlust

Insolvenzverwalter rät Pauschalreisenden, Forderungen nicht kostenpflichtig im Konkursverfahren, sondern kostenlos beim Abwickler AWP anzumelden.

von Kid Möchel, Simone Hoepke, Dominik Schreiber

Die Mega-Pleite des britischen Tourismuskonzerns Thomas Cook und diverser Tochtergesellschaften (unter anderem in Deutschland) schlägt nun auch auf Österreich durch. Heute, Donnerstag, wurde über die Thomas Cook Austria AG ein Konkursverfahren eröffnet. Das Wiener Tochter-Unternehmen der insolventen deutschen Thomas Cook Touristik beschäftigt 57 Mitarbeiter und sitzt laut dem Gläubigerschutzverband Creditreform auf 37,9 Millionen Euro Schulden. Der Österreich-Ableger tritt auch unter Marke Neckermann-Reisen (www.neckermann-reisen.at) auf und soll liquidiert werden.

    „So wie es ausschaut, wird es einen Antrag auf Schließung des Unternehmens geben“, sagt Insolvenzverwalter Günther Hödl im Gespräch mit dem KURIER. „Nach den ersten Informationen und der Sichtung der Unterlagen wird es wahrscheinlich am Ende keine oder nur eine sehr geringe Quote für die Gläubiger geben.“ Hödl bemühte sich noch am Donnerstag den Geschäftsführer von Thomas Cook Austria zu erreichen. Hödl meint, "die Strukturen von Thomas Cook Austria" hätten sich bereits aufgelöst. Tatsächlich wurde der angemietete und 1350 Quadratmeter große Büro-Sitz in der Wiener Ungargasse längst geschlossen. Am Flughafen Wien hatte das Reisebüro eine Art größeres "Besenkammerl" angemietet.

    Bankguthaben?

    Zwar hat die Österreich-Tochter auf dem Papier Vermögen in Höhe von zumindest 41,6 Millionen Euro, doch dabei handelt es sich um offene Forderungen gegen Konzerngesellschaften. Rund 37 Millionen Euro sollen alleine auf die insolvente deutsche Thomas Cook entfallen. Daher dürfte die Österreich-Tochter bei einer Rückforderung weitgehend durch die Finger schauen. In der Kassa sollen gerade einmal 11.000 Euro liegen und die Büroausstattung wird rund 5.000 Euro geschätzt. Angeblich hat Thomas Cook Austria bei Banken Guthaben in Höhe von mehr als einer Million Euro. Ob diese Guthaben mit Pfandrechten belastet sind, ist derzeit unklar.

    Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren kostet 22 Euro

    Aufgrund der katastrophalen Lage rät Masseverwalter Hödl Pauschalreisenden, ihre offenen Forderungen nicht im Konkursverfahren, sondern direkt beim Thomas-Cook-Abwickler AWP P&C S.A. (thomascook.at@allianz.com) bzw. unter der österreichischen Telefonnummer 01 - 525 03 6853 anzumelden.

    Denn eine einzelne Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren kostet 22 Euro. Geld werden diese Reise-Kunden trotzdem kaum sehen. Mehr als 10.000 sollen betroffen sein. Indes soll der Entschädigungstopf der AWP mit 22 Millionen Euro gefüllt sein.

    Bei ihren Lieferanten steht Thomas Cook Austria mit 33,57 Millionen Euro in der Kreide, darunter sind viele Beherbergungsbetriebe. „Den Hoteliers kann man eh nicht helfen, sie müssen ihre Forderungen im Insolvenzverfahren anmelden“, sagt Hödl zum KURIER.

    Prekäre Situation

    Laut den Angaben der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) ist so gut wie jedes dritte Spitzenhotel in Österreich von der Insolvenz betroffen. Die Rede ist von 350 Häuser, eines davon ist das Salzburger Wanderhotel Gassner. „Wir haben Außenstände von 12.000 Euro, die wir wohl auch nicht mehr bekommen werden“, sagt Sonja Gasser.

    Wer glaubt, dass Hoteliers bereits das Geld vom Reiseveranstalter am Konto haben, wenn die Gäste im Haus sind, irrt. „Wir bekommen die Rechnungen erst im Nachhinein überwiesen. Die jetzt offenen Rechnungen beziehen sich auf Gäste, die im August und September bei uns waren.“ Zum Glück habe sie nur kleine Kontingente bei Thomas Cook gehabt, „andere haben Außenstände von 100.000 Euro“.

    Urlauber, die für die nächsten Wochen oder gar schon für die Wintersaison über Thomas Cook gebucht haben, würden zum Teil dennoch anreisen. Gassner: „Sie zahlen dann direkt bei uns, den Voucher können wir ja nicht mehr annehmen.“

    Bisher haben sich laut Tourismusobfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher rund 250 Hoteliers an die Wirtschaftskammer gewendet. „Wir sind uns sicher, dass da noch einiges daherkommen wird“, so die Obfrau gegenüber Ö1. Die Schadenssumme pro Hotel schätzt sie auf 10.000 bis 70.000 Euro, in Einzelfällen auch bedeutend höher. „Wir müssen verhindern, dass gute Betriebe ins Straucheln kommen, weil ein anderer schlecht gewirtschaftet hat“, warnt ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer vor weniger Umsatz und damit weniger Mitarbeitern in den Hotels. „Da geht es um viele Arbeitsplätze.“ Der Masseverwalter müsse rasch klarstellen, dass die Hoteliers über diese Kontingente frei verfügen können, so die Interessenvertretung.

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