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Wirtschaft
02/17/2020

Tesla-Werk treibt Umweltschützer auf Barrikaden und Bäume

Die Rodung von Bäumen auf dem Gelände der geplanten Fabrik des US-Elektroautobauers Tesla in Berlin steht still.

von Wolfgang Unterhuber

Die Rodung von Bäumen auf dem Gelände der geplanten Fabrik des US-Elektroautobauers Tesla in Deutschland steht vorerst still.

Das Oberverwaltungsgericht hat die Rodungen nach Protesten der Umweltschützer vorerst gestoppt, da die Vegetationsperiode schon begonnen habe

Die Brandenburger Landesregierung zeigt sich optimistisch für die Fortsetzung der Rodungen. "Wir lassen uns davon erst mal nicht unter Druck setzen", sagte der deutsche Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) am Montag in Potsdam.

Trotz des Rodungsstopps besetzten Umweltschützer nach eigenen Angaben Bäume auf dem Gelände.

Zunächst hätten sich zwei Aktivistinnen auf Bäumen befunden, sagte eine Sprecherin am Montag.

"Platz für Bedenken"

"Wir fordern, dass der Wald nicht abgeholzt wird, es gibt wegen der übereilten Rodung keinen Platz für Bedenken."

Eine Umweltschützerin sei inzwischen von einem Baum heruntergeklettert, wie ein Polizeisprecher sagte.

Das Landesumweltamt Brandenburg hatte den vorzeitigen Beginn der Rodung des Geländes am vergangenen Donnerstag genehmigt. Endgültiges grünes Licht steht aber aus.

Der Umweltverband Grüne Liga Brandenburg und der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern versuchten danach mit Eilanträgen beim Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder), die Fällung von Bäumen zu stoppen.

Das OVG Berlin-Brandenburg stoppte dann die Rodung von zunächst rund 90 Hektar auf dem Tesla-Gelände.

Zukunftsinvestition in die Elektromobilität

Deutschlands Umweltministerin Svenja Schulze (Grüne) kommentierte den Fall bei Twitter.

"Ich wünsche mir, dass es rasch Rechtsklarheit zu den Arbeiten am #Tesla-Standort in #Grünheide gibt, damit die Zukunftsinvestition in die Elektromobilität in Brandenburg gelingen kann", schrieb sie.

"Dabei bin ich sehr zuversichtlich, dass der Eingriff in den Naturhaushalt vollständig und gut ausgeglichen werden kann. Energiewende und Naturschutz müssen zusammen gelingen können!"

Ab Juli 2021 will Tesla die Produktion in Grünheide (Kreis Oder-Spree) bei Berlin starten und 500.000 Fahrzeuge im Jahr vom Band laufen lassen.

Bisher war geplant, dass das Waldstück möglichst bis Ende Februar gerodet werden soll.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Steinbach geht davon aus, dass das OVG die Weichen für die weitere Rodung stellen wird. Aber: "Sollte ich mich irren (...), dann verlieren wir (Zeit) in der Größenordnung von drei, vier Wochen", sagte er.

Das sagt das Gericht

Das OVG hatte erklärt, es sei nicht davon auszugehen, dass das Begehren der Grünen Liga von vornherein offensichtlich aussichtslos sei.

Nach der Entscheidung vom Samstag könnten bis zu diesem Dienstag zunächst Einwendungen gemacht werden, sagte Christiane Scheerhorn, Sprecherin des Oberverwaltungsgerichtes.

Dann werde das Gericht zeitnah entscheiden. Einen genauen Zeitpunkt nannte sie nicht.

Scharfe Kritik

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, kritisierte überzogene Hürden.

"Der Fall Tesla ist symptomatisch für eine überbordende, ineffiziente und selbstgefällige Bürokratie, die immer häufiger eine Bremse für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist", sagte Fratzscher dem "Handelsblatt".

"Nicht nur Tesla, sondern viele deutsche Unternehmen klagen seit langem über zu hohe Hürden für Investitionsprojekte."

Der Vorsitzende der Grünen Liga Brandenburg, Heinz-Herwig Mascher, versicherte: "Wir wollen aber Tesla nicht verhindern." Allerdings sollte das Unternehmen nicht anders als andere behandelt werden.

Steinbach wies zurück, dass es eine Sonderbehandlung für Tesla gebe. "Genehmigt werden wird nur das, was (...) den Spielregeln entspricht."

 

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