Mit desaströser Zinswette wurde viel Geld verbrannt

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625-Millionen-Prozess
10/11/2016

Swap-Affäre: Gerichtsgutachter dürften sich verrechnet haben

Im Streit mit der Bawag um die verlustreiche Zinswette fährt die Stadt Linz mit zwei Privatgutachten schwere Geschütze auf.

von Kid Möchel

Im Zivilprozess zwischen der Stadt Linz und der Bawag um die verlustreiche Zinswette "Swap 4175" war gestern, Montag, eine wichtige Deadline. Beide Streitparteien mussten ihre Stellungnahmen zu jenem Gutachten abgeben, das Handelsrichter Andreas Pablik bei zwei deutschen Sachverständigen bestellt hatte.

Die Stellungnahme der Stadt Linz um Bürgermeister Klaus Luger birgt viel Sprengstoff. Zur Erinnerung: Linz wollte 2007 mit dieser Zinswette eine 195 Millionen schwere Franken-Anleihe optimieren, sprich absichern.

Doch die Wette entpuppte sich als Desaster. Mittlerweile wird inklusive Verzugszinsen um rund 625 Millionen Euro gestritten.

"Die Gerichtsgutachter haben festgestellt, dass der Swap unter gewissen Prämissen für das Linzer Finanzportfolio optimierend wirken kann", sagt Lukas Aigner, Anwalt der Stadt Linz. Nämlich dann, wenn man bereit ist, zusätzliches Risiko zu akzeptieren und wenn man den Swap mit einer Stop-Loss-Order kombiniert.

"Komische Zahlen"

"Die Berechnungen im Gutachten haben für uns viele Fragen aufgeworfen und sie kamen uns komisch vor", sagt Aigner zum KURIER. In der Folge hat die Stadt Linz zwei Privat-Gutachten in Auftrag gegeben: bei der deutschen Sachsen Asset Management (SAM), die finanzwissenschaftliche Expertisen erstellt, und bei einem Experten-Team der Technischen Uni-Wien und der Wirtschaftsuniversität.

"Diese sind unabhängig voneinander draufgekommen, dass bei den Berechnungen durch die Gerichtsgutachter ein schwerer Fehler programmiert wurde", sagt Aigner. "Im Endeffekt ist mit dem Franken-Wechselkurs multipliziert statt dividiert worden." Dieser Fehler habe gravierende Auswirkungen auf die Zinswette - zum Nachteil der Stadt Linz.

83 Millionen Differenz

"Nach der Korrektur der Fehler fällt das Zeugnis für den ‚Swap 4175‘ überaus vernichtend aus, von einer bankfachlichen Optimierung der Anleihe kann keine Rede sein", sagt Aigner. "So schneidet die Franken-Anleihe allein nach der Korrektur bei den Risiko-Kennzahlen viel besser ab, als die Anleihe plus dem Bawag-Swap – nämlich um 83 Millionen Euro." Nachsatz: "Der Vorteil des Swaps war minimal, das Risiko überbordend." Der Bawag müsse schon 2007 bekannt gewesen sein, dass der Swap nicht optimierend wirkt.

Bawag mit Gutachten zufrieden

Indes hat die Bawag am Gutachten nichts auszusetzen. "Der ‚Swap 4175‘ wurde von der Stadt Linz beauftragt, war seriös, marktüblich, erfolgreich und hat der Stadt bis 2009 erkleckliche Gewinne gebracht", kontert Bawag-Jurist Alexander Schall. "Linz hat durch Nicht-Handeln und Vertragsbruch einen hohen Schaden verursacht. Dafür muss die Stadt einstehen, und diesen Betrag fordern wir auch vor Gericht ein."

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