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Wirtschaft
09/10/2021

Stronachs „Frankomobil“ made in Steiermark

Der Austro-Kanadier will nahe Graz ein neues Elektrogefährt namens Sarit bauen lassen. Es soll um rund 4.000 Euro erhältlich sein und eine Reichweite von 80 Kilometern haben.

von Robert Kleedorfer, Kid Möchel

Frank Stronach is back. Der Austro-Kanadier ließ einige Jahre nichts von sich hören, seit er sich operativ aus dem von ihm gegründeten Autozulieferer Magna zurückgezogen hatte. Seine wirtschaftlichen Aktivitäten in Österreich hat er großteils verkauft, wie etwa den Pferdesportanlage Magna Racino.

Umso überraschender ist nun sein Comeback. Stronach, der am Montag seinen 89. Geburtstag feierte, will ins Geschäft mit Elektroautos einsteigen, wie er am Freitag bei einer Pressekonferenz in Graz verkündete. Unter der Marke Sarit soll es zunächst ein Mopedauto für maximal zwei Insassen zum Preis von rund 4.000 Euro auf den Markt kommen. Im Gespräch mit dem KURIER sprach er aber bereits von einem weiteren Modell. Die Reichweite des E-Autos gibt er mit 80 Kilometern an. „Es ist ein Zweckauto, von Zuhause zur Arbeit und wieder zurück“, sagt Stronach. Weniger als ein Euro koste eine Vollladung.

Produktion ab März

Hergestellt werden soll der Sarit zunächst in zwei Werken, eines in Kanada sei bereits im Entstehen und soll im März den Betrieb aufnehmen; das zweite soll in der Steiermark beheimatet sein, wo auch Stronach herstammt. Das 13 Hektar große Grundstück dafür im Laßnitzthal hat Stronach schon vor mehr als einem Jahrzehnt erworben.

Geplant sei, dass in den Werken vorwiegend die Teile, die von Zulieferbetrieben kommen sollen, zusammengebaut werden. In Österreich würden dafür rund 100 Mitarbeiter benötigt. Landeshauptmann Hermann Schützenhofer sprach sogar von zumindest 500 neuen Jobs.

Sollte sich der Sarit gut verkaufen – geplant ist zunächst eine jährliche Stückzahl von 120.000 – könnten weitere Werke in Nordamerika und Europa mit „Tausenden Mitarbeitern“ entstehen, so Stronach. Investieren will er vorerst 30 bis 40 Mio. Euro. Gebaut wird der Sarit von der Stronach International, die er zu 100 Prozent besitzt. 30 Prozent des Profits will er reinvestieren, 40 Prozent sollen seine Enkelkinder erhalten, der Rest soll an Manager, Mitarbeiter und Sozialprojekte gehen.

Apropos Werk: Nicht vorab informiert wurde Christoph Stark (ÖVP), Bürgermeister von Gleisdorf, zu dessen Stadtgemeinde Laßnitzthal gehört. Stark ist hoch erfreut über Stronachs Pläne. „Es ist für eine Stadt immer eine gute Nachricht, wenn weitere Arbeitsplätze entstehen, auch wenn wir in einer Region leben, die momentan Vollbeschäftigung hat“, sagt Stark zum KURIER. „Es ist toll, wenn hier technologisch auf dem Sektor E-Mobilität Akzente gesetzt werden.“ Das Grundstück liegt an der Autobahn A 2 und es gibt dort eine Betriebsausfahrt der Straßenmeisterei der Asfinag. „Es gab vor vielen Jahren zwischen der Asfinag, dem Land Steiermark und der damaligen Gemeinde Laßnitzthal, die mit Gleisdorf fusioniert wurde, eine Vereinbarung, wenn sich dort wirtschaftlich etwas tut, dass die Betriebsausfahrt zu einem Autobahn-Halbanschluss umgewandelt werden kann“, sagt Stark. Ein Halbanschluss bedeutet, dass man in eine Richtung auf- und abfahren kann. „Wenn Herr Stronach hier einen Technologie-Standort baut, werden wir alles tun, was wir möglich machen können wie zum Beispiel rasche Verfahren“, so Stark.

„Es ist ernst“

Stronach glaubt an den breiten Durchbruch der Elektromobilität in den nächsten fünf Jahren. Die Idee für den Sarit sei dem Milliardär vor wenigen Jahren im Stau stehend am Weg nach Toronto gekommen: „Das ist ja eine Vergeudung von Energie und in 95 Prozent der Autos war nur der Fahrer. Das kann ja nicht sein.“ Er ist überzeugt, dass die kleinen Fahrzeuge die Zukunft seien.

Für die Konzeption des Sarit habe er sich viel mit dem Thema Treibhausgase und Umweltauswirkungen beschäftigt: „Es ist ernst“, mahnte er. Und kritisierte auch zu viele Stellplatzflächen.

Sein E-Auto sei nur 1,10 Meter breit und 2,30 Meter lang: So könnten vier Sarit auf einem normalen Pkw-Parkplatz abgestellt werden, skizziert Stronach. Zwei seiner Mikro-Fahrzeuge könnten parallel auf der Straße fahren. Für Schnellstraßen und Autobahnen sei seine Innovation aber nicht ausgelegt.

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