Wirtschaft
31.01.2018

Mini-Kraftwerke profitieren vom Bitcoin-Boom

Private Energieerzeuger ziehen Bitcoin-Miningfarmen als Mieter an – Betreiber reiben sich die Hände.

Alles fließt: Die Bitcoin-Mania hat nicht nur risikoaffine Anleger erfasst. Auch die Betreiber von Kleinwasserkraftwerken, die wegen des tiefen Strompreises kaum Geld verdienen, reiben sich die Hände. Der Grund sind lukrative Untermieter: Miningfarmen, die Bitcoin und Co. schürfen.

50 bis 100 solche Rechenzentren dürften es inzwischen sein, schätzt der Verband der Kleinwasserkraft-Betreiber. "Ich erhalte jede Woche eine Anfrage", sagt Geschäftsführer Paul Ablinger. Die Farmen zahlten fast den doppelten Marktpreis.

Dazu muss man wissen: Kryptowährungen fressen viel Strom. Jede Überweisung von Bitcoins und Co. muss mit komplexen Computer-Berechnungen bestätigt werden. Weil als Belohnung neue Coins winken, rittern weltweit Miningfarmen darum, wer mehr Rechenpower für das Schürfen virtueller Währungen einsetzen kann.

Lärm und heiße Luft

So wie Nadine Damblon. Noch vor zwei Jahren hat die junge Unternehmerin mit ihrer Schwester zu Hause am Computer Bitcoins geschürft. Doch wenn rund um die Uhr die Rechner surren, produziert das viel Lärm und heiße Luft. Und irgendwann beginnen die Stromleitungen zu glühen. So entstand die Idee, sich an der Quelle einzumieten. Dadurch zahle man nur 4 bis 6 Cent pro Kilowattstunde, sagt Damblon. Zum Vergleich: Ein Privathaushalt muss inklusive Netzgebühr und Abgaben mit 25 Cent rechnen.

Hydrominer hat sein erstes Rechenzentrum in ein Kleinwasserkraftwerk bei Waidhofen/ Ybbs verfrachtet, das zweite entsteht bei Schönberg am Kamp. Das geht ins Geld: Ein Container, vollgepackt mit aufs Mining spezialisierten Grafikkarten, kostet an die 250.000 Dollar.

Weil der Bitcoin-Hype aktuell aber kein Halten kennt, wird jungen Kryptofirmen das Geld förmlich nachgeschmissen. Gleich im ersten Anlauf konnte Hydrominer bei Anlegern 8600 "Ether" ( Ethereum ist eine ähnliche Währung wie Bitcoin) einsammeln. Die waren im November 3,5 Mio. Dollar wert; aktuell wären es dank des Kurssprunges bereits 9,8 Mio. Dollar.

Wohin mit so viel Geld? Das sei "schon alles investiert. Die Hardware ist extrem teuer", sagt Damblon. Die Hydrominer-Investoren mussten sich bisher freilich in Geduld üben: Für sie geht das Schürfen erst im Februar los.

Hydrominer denkt unterdessen schon weiter: Eine zweite Finanzierungsrunde soll einen "zweistelligen Millionenbetrag" einspielen. Nicht schlecht für ein Team von zehn Mitarbeitern und ebenso vielen Beratern, das nicht einmal eine eigene Büroadresse hat. "Brauchen wir auch nicht", sagt Damblon. Als Anschrift reiche ein Coworking-Café in Wien aus. Die Ambitionen kennen dafür kaum ein Limit: Hydrominer schwebt sogar ein Börsegang in London, im Segment für alternative Investments (AIM), vor.

Keine Aufsicht

Auch die Konkurrenz scharrt schon in den Startlöchern: So will das in Malta registrierte Unternehmen Rocket Chain ein Wasserkraftwerk bei Ybbs zum Schürfen nutzen. Derzeit wirbt das Team, an dem Österreicher federführend beteiligt sind, intensiv um Geldgeber. Neben der Miningfarm will Rocket Chain nämlich auch gleich eine Kryptobank samt Kreditkarte und eine Investmentberatung gründen. Die nötige Konzession soll die tschechische Nationalbank liefern.

So richtig abgehoben hat die Bitcoin-Goldgräberei im Oktober. Seither wurden rund 20 Krypto-Start-ups mit Plänen für Finanzierungsrunden bei der Finanzmarktaufsicht (FMA) vorstellig. Diese schaut sich auf Wunsch an, ob die Geschäftsmodelle der Aufsicht unterliegen oder konzessionspflichtig sind. Im Regelfall sind sie das nicht: Bitcoin und Co. gelten in Österreich weder als Finanzinstrument noch als Zahlungsmittel. Dennoch warnt die FMA vor Risiken bis zum Totalverlust.

Nachzahlungen drohen

Auch die Stromnetzbetreiber betrachten die Krypto-Geschäfte mit Argusaugen: Die Miningfarmen ersparen sich nämlich die Netzgebühren, wenn sie direkt am Kraftwerk hängen. Für die Notstromversorgung sind aber die Netzfirmen zuständig. Sollte diesen der Krypto-Betrieb nicht gemeldet worden sein, droht eine saftige Nachzahlung.

Kryptowährungen sind ein Schmäh, der Leute verführt

In den Depots der Vermögenden dieser Welt sind Bitcoin & Co höchstens eine Mini-Randerscheinung. Die meisten meiden solche Investments. "Ich habe keine einzige Anfrage von meinen Kunden zu Kryptowährungen bekommen", bestätigt auch Wolfgang Habermayer, Geschäftsführer der Wiener Vermögensverwaltung Merito. Er glaubt, dass diese spekulativen Geschäfte tendenziell Menschen ansprechen, die wenig Geld haben. Bei den Kryptowährungen wisse man nicht, was dahinter stecke, man könne weder einen Wert noch eine Tendenz der Kursentwicklung ableiten. Von solchen Geschäften könne man daher nur abraten. "Bitcoin & Co sind in Wahrheit ein Schmäh, mit dem die Leute verführt werden", sagt Habermayer. Ein gutes Geschäft seien Kryptowährungen nur für die Anbieter. Für die Anleger sei es nichts anderes als Geld ins Casino zu bringen. "Es ist schon seltsam, dass die Österreicher furchtbare Angst vor Aktien haben, aber in Bitcoin Geld stecken", meint der Vermögensverwalter.