Wirtschaft
04.12.2018

Strompreise schnellen weiter hoch

Seit Oktober ist die Stromeinfuhr aus Deutschland beschränkt. Die Kunden spüren das schon.

Anfang Oktober schoben die Deutschen dem bis dahin freien Stromhandel mit Österreich einen Riegel vor: Die Importkapazitäten wurden auf 4900 Megawatt reduziert. Eigentlich ist die grenzüberschreitende Leitung auf bis zu 10.000 MW Leistung ausgelegt. Weil aber österreichische Stromhändler viel billigen Wind- und Sonnenstrom in Deutschland orderten und so die innerdeutschen Leitungen bis an die Belastungsgrenze strapazierten, wurde eine Stromgrenze künstlich eingezogen.

Die Folge: Österreichs Stromhändler müssen Strommengen ersteigern, was zu deutlichen Preisanstiegen führt. Die ursprünglich erwarteten Aufschläge von zwei bis drei Euro je Megawattstunde Strom sind in den vergangenen Wochen deutlich überschritten worden. Bis zu zehn Euro je Megawattstunde müssen die Stromimporteure mehr zahlen.

Sondereffekte

Die Verbraucher in Österreich, die schon mit 1. Oktober eine Strompreisanhebung schlucken mussten, dürfen sich auf weitere Teuerungen einstellen. Der deutsche Strommarktexperte Christoph Maurer vom Beratungsunternehmen Consentec beruhigt allerdings. „Es gibt einige Sondereffekte, die die überraschend hohen Strompreise in Österreich derzeit verursachen.“

Der erste Effekt liegt in Österreich selbst. Wegen des trockenen Sommers sind die Wasserstände der Flüsse nämlich stark gesunken. Die Stromerzeugung in den Wasserkraftwerken ist daher geringer. Die Versorger müssen mehr importieren.

AKW-Abschaltungen

Der zweite Effekt liegt – überraschenderweise – in Belgien. Das Land musste aus Sicherheitsgründen den Großteil seiner Kernkraftwerke abschalten und hängt daher in höherem Ausmaß von Stromeinfuhren aus Deutschland ab. Österreich muss jetzt mit Belgien um den deutschen Strom buhlen. Das treibt den Preis ebenfalls nach oben.

Der dritte Effekt sei ein „Lerneffekt der Stromhändler“, meint Maurer. Sie müssten sich erst an die künstlich eingezogene Grenze gewöhnen. Die neuen Preise müssten sich erst einspielen. Das könne allerdings dauern. Maurer glaubt aber, dass langfristig nicht mehr als zwei bis drei Euro je Megawattstunde Preisunterschied zwischen Österreich und Deutschland bestehen würden.

Der Experte hält die Preisbildung, die sich nach der Teil-Grenzschließung zu Deutschland einstellt, im „Sinne der Wohlfahrt aller beteiligten Staaten“ für das Beste. In diesem System sei der volkswirtschaftliche Nutzen maximiert. Denn die „zur Verfügung stehenden Netzkapazitäten würden innerhalb der technischen Grenzen bestmöglich genutzt“. Warum an der deutsch-österreichischen Grenze gut 5000 MW nicht genutzt werden, ließ er offen.