Wirtschaft
06.07.2018

Streit um die Soja-Bohne: Der Sieger heißt Brasilien

US-Präsident Trump verändert die Agrarmärkte: US-Sojabauern verdienen weniger, ihre Kollegen in Südamerika mehr

So hatten sich die Soja-Farmer in den USA die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump wohl nicht vorgestellt. Seit China als Vergeltung im Handelsstreit Zölle auf Agrarprodukte angekündigt hat, ist der Sojapreis in den USA deutlich gesunken. Laut Insidern haben chinesische Importeure bereits damit begonnen, Lieferungen aus den USA zu stornieren.

Auch der für seine Trump-freundliche Berichterstattung bekannte Sender Fox-News hat sich des Themas angenommen. US-Farmer beklagen Einkommensverluste von deutlich mehr als 100.000 Dollar. Angesichts der Kursentwicklung wird der Schaden wohl noch etwas mehr werden.

Futtermittel

Sojabohnen werden für die Gewinnung von Pflanzenöl und als Futtermittel vor allem für die Schweinezucht verwendet. Großproduzenten sind Brasilien und die USA. Großimporteure sind China und die EU.

Etwa 60 Prozent des US-Gesamtexports von Sojabohnen wurden im vergangenen Jahr nach China verkauft. Der Wert dieser Menge beläuft sich laut Agrarzeitung auf 14 Milliarden US-Dollar (11,9 Milliarden Euro). Das sind mehr als 10 Prozent aller Ausfuhren der USA nach China.

Die einzige Möglichkeit der US-Sojafarmer, auf die Strafzölle zu reagieren, ist der Umstieg auf andere Feldfrüchte, wie etwa Mais. Das wurde allerdings zu einem deutlich höheren Angebot an Mais und somit ebenfalls zu einem Preisverfall führen.

China wird sich jedoch schwertun, überhaupt kein Soja mehr aus den USA zu importieren. Brasilien wird den zusätzlichen Bedarf allein nicht decken können, profitiert aber bereits jetzt von der Handelspolitik des US-Präsidenten.

Während die Sojapreise an der Börse in Chicago sinken, können die Brasilianer nun wegen der steigenden Nachfrage mehr für ihr Soja verlangen. Die Erntemenge ist in Südamerika in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. China versucht, als Ersatz auch Soja aus der Ukraine zu importieren. Doch dort gibt es heuer keine gute Ernte.

Sündenböcke

Der bekannte US-Ökonom Paul Krugman hat in der New York Times darüber spekuliert, wie Trump auf die massiven Probleme der amerikanischen Farmer reagieren wird. Der „wirtschaftliche Fallout “ des Handelskrieges werde hässlich sein. Trump werde daher laut Krugman Sündenböcke suchen, die er dann für die „große Sojabohnen-Verschwörung“ verantwortlich machen wird.

Andreas Anzenberger