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Bundesfinanzierer
01/12/2017

Staatsschulden: Rückzahlung drei Generationen später

Republik plant Kredite mit 100 Jahren Laufzeit – Österreicher zahlten 2016 pro Kopf 684 Euro Zinsen.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Groß war die Aufregung, als die Ratingagentur S&P Österreich das "Triple A", die Bestnote in Sachen Kreditwürdigkeit, entzog. Das war 2012. Seitdem haben Fitch und Moody’s nachgezogen, nur die kleine kanadische Agentur DBRS hält die Republik noch eines AAA für würdig.

Der Witz ist: Für die Finanzierung der Staatsschulden ist das aktuell irrelevant, bestätigte Markus Stix, Chef der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA), am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Das Zinstief sorgt nämlich dafür, dass Österreich 2016 Schulden so günstig aufnehmen konnte wie nie zuvor.

53 Milliarden gespart

Des Sparers Leid, des Schuldners Freud. Es ist paradox: Österreichs Finanzschulden sind auf fast 208 Milliarden Euro angewachsen, die Republik zahlt aber immer weniger Zinsen. Seit 2009 hat sie sich so 53 Milliarden Euro erspart; verglichen damit, was 1999 bis 2008 an Zinsen üblich war. Die Durchschnittsrendite (quasi Verzinsung der Neuschulden) lag 2016 bei nur 0,30 Prozent (Grafik).

Das absolute Tief war am 10. August erreicht. Wegen der Brexit-Turbulenzen suchten viele Investoren Zuflucht bei sicheren Wertpapieren. Gut für Österreichs Anleihen: Die Renditen auf zehnjährige Papiere fielen untertags sogar bis auf 0,04 Prozent.

Ende des Jahres ging es dafür flott bergauf. Der höhere Ölpreis, steigende Zinsen und Inflation in den USA (der "Trump-Effekt") und die angekündigte Drosselung der EZB-Anleihenkäufe ließen die Zehn-Jahres-Zinsen auf 0,6 Prozent steigen. Übers Jahr gerechnet betrug Österreichs Zinsaufwand 5,93 Mrd. Euro netto oder 684 Euro pro Kopf.

Heuer plant die ÖBFA, ähnlich wie im Vorjahr, 30 bis 33 Milliarden Euro Schulden aufzunehmen. Damit werden alte Kredite umgeschuldet und das Budgetdefizit finanziert. Zwar fällt heuer der Milliarden-Beitrag für die Einigung mit den HETA-Gläubigern, eine Altlast der Hypo-Kärnten-Pleite, weg. Dafür werden 2017 zwei große Anleihen-Rückzahlungen fällig. Und die ÖBFA nimmt zudem neuerdings die Kredite für die ÖBB Infrastruktur (rund 2 Mrd. Euro pro Jahr) und die Bundesländer (alle außer Tirol und Vorarlberg, rund 3,5 Mrd. Euro) auf.

Gesetzliches Limit

Stolz ist Stix auf eine internationale Premiere. Die Öbfa konnte 2016 erstmals Staatsanleihen mit 70 Jahren Laufzeit (und 1,5 Prozent Zinsen) auflegen. Wären 100 Jahre bereits erlaubt gewesen, hätte man auch das ausgeschöpft, sagte Stix. Diese Gesetzesnovelle wird derzeit begutachtet.

Dann könnte Österreich also Schulden machen, deren Rückzahlung erst in drei Generationen fällig wird. Der Vorteil für den Staat sei die größere Planbarkeit. Stix: "Das tiefe Zinsniveau wird so für lange Zeit eingeloggt."

Aber welcher Investor gibt sich überhaupt mit nur 1,5 Prozent über den völlig unkalkulierbaren Zeitraum von 70 Jahren zufrieden? Der Löwenanteil entfiel auf Pensionsfonds und Versicherer, die langfristige Fixzinsen brauchen, auch Hedgefonds waren dabei. Und, das hat Stix selbst überrascht: Sogar Zentralbanken aus anderen Währungsräumen hätten zugegriffen.

Link (PDF): So präsentiert sich Österreich internationalen Investoren.

Link (PDF): Der Öbfa-Finanzierungsplan für 2017

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