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wirtschaft von innen
04/17/2020

Staatshilfe: Viel Kritik an Taktik des AUA-Managements

Vorstand liefert zu wenig Fakten. Laudamotion will zwei Drittel der AUA-Hilfe

von Andrea Hodoschek

Die Art und Weise, wie die Lufthansa-Tochter AUA an Staatshilfe gelangen will, wirkt nicht gerade professionell. Mittlerweile dürften die Verhandlungspartner ebenso wie Regierungskreise ziemlich verärgert sein.

„Man ist sehr irritiert über die bisherige Performance der Geschäftsführung der AUA“, hört man aus der Runde der involvierten Berater. Bis jetzt habe die AUA nur medial gedroht und mache Druck auf die Mitarbeiter, habe aber keine brauchbaren Unterlagen geliefert.

Das erste Gespräch fand am 7. April statt, eine zweite Runde folgte am Donnerstag. Dort soll das Management lediglich fünf Power-Point-Folien präsentiert haben, „die eher für einen Marketingauftritt geeignet wären“, heißt es in Verhandlerkreisen.

Antrag fehlt

Bis jetzt könne die AUA weder den Finanzbedarf einschätzen und argumentieren, geschweige denn die Rückzahlungen darstellen. In den Raum gestellt sind äußerst vage „bis zu 800 Millionen Euro“. Ebenso wenig konkretisiere das Management die mittel- bis langfristige Zukunft der AUA. Selbst der Antrag für den Start des Verfahrens wurde noch nicht eingebracht.

Die AUA hat keine richtige Hausbank und stellt erst jetzt ein Bankenkonsortium auf. Die Kredite werden von den Banken vergeben, die Covid-19-Finanzierungsagentur des Bundes (Cofag) garantiert für die Darlehen. Sollten die Daten endlich vorliegen, könne die Überbrückungshilfe rasch gewährt werden, wird der AUA signalisiert.

„Österreichische Ryanair“

Ebenfalls nicht gut kommt der scharfe Kurs gegen die knapp 7.000 Mitarbeiter an. Ursprünglich hatte der Vorstand angekündigt, bis zu 800 Arbeitsplätze abzubauen. Jetzt ist wiederum von der Kündigung des Kollektivvertrages, Streichung der Urlaubs- und Weihnachtszahlungen und drastischen Gehaltseinbußen die Rede. „Unterm Strich soll aus unserer Austrian eine österreichische Ryanair gemacht werden. Corona dient hier als passender Vorwand, um eine beispiellose Gehaltsspirale nach unten in Gang zu setzen“, alarmierte der Bord-Betriebsrat die Belegschaft.

The spread of the coronavirus disease (COVID-19) in Munich

Lufthansa-Chef soll gefordert

Neben der kurzfristigen Überbrückungshilfe geht es auch um die langfristige Absicherung der Airline. Das werde jedoch nicht mit dem AUA-Management verhandelt, sondern eine Ebene höher mit dem Lufthansa-Vorstand. Konzern-Chef Carsten Spohr solle, wird argumentiert, „seine Verantwortung für die AUA wahrnehmen“.

Die Lufthansa will auch in Deutschland, der Schweiz und in Brüssel Staatshilfe für ihre Airlines. Europas größter Luftfahrtkonzern ist derzeit hervorragend kapitalisiert. Die Liquidität erhöhte sich seit Jahresbeginn von 3,4 auf 4,3 Milliarden Euro. 800 Millionen Euro an Kreditlinien sind derzeit offen. Das Ebit (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) lag Ende 2019 bei 1,86 Milliarden.

Erzrivale Laudamotion ist zwar nach wie vor grundsätzlich gegen Staatshilfe. „Doch sollte die AUA Hilfe erhalten, wollen wir Unterstützung Hilfe in der Höhe von zwei Drittel der AUA-Mittel“, sagt Laudamotion-Geschäftsführer Andreas Gruber. Das entspreche dem Größenverhältnis der beiden Airlines. Laudamotion habe 2020 bereits zehn Millionen Passagiere geplant. Derzeit führe man Gespräche und habe den offiziellen Antrag noch nicht gestellt. Jedes Unternehmen werde gleich behandelt, heißt es im Umfeld der Cofag.

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