Staat erspart sich 300 Millionen

Oberndorfer
Foto: KURIER/Christandl ÖBFA-Chefin Martha Oberndorfer ist zuversichtlich, dass Österreich nach erfolgreicher Sanierung des Staatshaushaltes das Triple-A wieder zurückerhält.

Der Bund musste 2011 weniger Zinsen an Investoren zahlen als geplant. Das setzt sich heuer trotz Triple-A-Verlust fort.

Bei der Aufstockung einer zehnjährigen Bundesanleihe am Dienstag musste Österreich den Investoren deutlich weniger Zinsen bieten als noch im Jänner. Gleichzeitig ist der Zinsabstand zu Deutschland stark gesunken. Im KURIER-Gespräch erklärt Martha Oberndorfer, Chefin der Bundesfinanzierungsagentur ÖBFA, die Gründe.

KURIER: Im Dezember des Vorjahres sahen Sie Österreichs Triple-A noch gut abgesichert. Vor Kurzem hat es uns S&P entzogen. Wieso ist Ihre Prognose nicht eingetreten?

Martha Oberndorfer: Österreich wird von vier verschiedenen Agenturen (S&P, Moody’s, Fitch, DBRS Anm.) beurteilt. Die Art und Weise, wie diese entscheiden, ist schwer einschätzbar. Das sieht man auch an Spanien und Italien, deren Beurteilungen vier Stufen auseinander liegen. Im Falle Österreichs nennt S&P drei Gründe: Die Krisenlösungskompetenz europäischer Institutionen wird angezweifelt, das Engagement heimischer Banken in Osteuropa und die Änderung der Budgetsituation.

Warum haben die Anleihenmärkte so gelassen auf die Herabstufung reagiert?

Das hat mit der allgemeinen Marktentwicklung zu tun und dem Faktum, dass der Markt bereits viel im Vorfeld eingepreist hat. Zudem verlassen sich viele Marktteilnehmer nicht mehr ausschließlich auf externe Ratings, sondern machen eigene Analysen. Daher müssen wir möglichst viele Daten bereitstellen, etwa auf unserer Webseite. Problematisch ist aber bei verschiedenen Rating-Ergebnissen, dass sich viele Investoren im Zweifel nach dem schlechtesten richten.

Ist die Abwertung gerechtfertigt?

Ich respektiere die Entscheidung, aber was gerechtfertigt ist und was nicht, ist eine vielschichtige Beurteilung. Österreich steht international gut da. So liegt zum Beispiel die Schuldenquote bei 72 Prozent des BIP, im EU-Durchschnitt sind es 88 Prozent. Auch wenn im Ratingprozess viele Faktoren zählen, haben andere Staaten mit einer höheren Verschuldungsquote teilweise bessere Ratings.

Was muss Österreich tun, um das Triple-A wieder zu erhalten?

Die Herabstufung sollte Motivation sein, dass alles getan wird, damit die Konsolidierung vorangeht. Ich denke schon, dass eine nachhaltige Verbesserung von den Agenturen registriert wird.

Trotz der Finanzkrise in Europa hat es für österreichische Drei-Monats-Papiere Negativzinsen gegeben, sprich die Investoren zahlen sogar etwas, um etwas hier anlegen zu dürfen.

Das ist eine außergewöhnliche Situation, die erstmals im Jänner eingetreten ist. Das unterstreicht das große Vertrauen, das Österreich genießt. Jetzt sind die kurzfristigen Zinsen wieder in der Nähe null.

Wie viel hat sich der Bund im Vorjahr wegen der niedrigen Zinsen erspart?

Veranschlagt waren rund 7,5 Milliarden Euro Zinsen. 7,2 Milliarden Euro sind es geworden. Das hat aber nicht nur mit dem niedrigeren Zinsen zu tun, sondern auch mit dem geringeren Defizit. (Für heuer sind 7,7 Milliarden im Budget veranschlagt, Anm.).

Ist der Einfluss der Ratingagenturen zu groß?

Sie sind eine wichtige Informationsquelle für viele Marktteilnehmer, das wird sich nicht ändern. Man muss sie respektieren, aber sollte sie auch nicht überbewerten. Sie sind heftig kritisiert worden und in Folge ist regulatorisch viel geschehen, etwa was die Kommunikation betrifft. Sie sind schon viel transparenter als vor fünf Jahren und die EU arbeitet an weiteren Richtlinien. Letztendlich wird es aber immer Kritikpunkte an den Analyseverfahren geben.

Sind europäische Ratingagenturen eine Lösung?

Es gibt ja bereits welche, nur arbeiten diese in Nischen. Grundsätzlich ist Konkurrenz gut, die großen drei bilden derzeit ein Oligopol. Das hat nicht nur Nachteile. So muss ein Investor die Informationen der verschiedenen Agenturen laufend verfolgen. Drei Quellen sind bewältigbar, aber bei 20 wird es schwierig. Zudem steigen die Kosten. Eine weitere Agentur aus Europa stellt dahingehend aber sicher kein Problem dar. Es wird aber einige Zeit dauern, bis sie sich das nötige Standing und eine hohe Glaubwürdigkeit erarbeitet.

Anlegerschützer Wilhelm Rasinger hat Staatsanleihen aus Österreich für Privatan- leger wegen der geringen Rendite und des gestiegenen Risikos als uninteressant bezeichnet. Was entgegnen Sie ihm?

Aus meiner Sicht sind sie für jeden Österreicher interessant. Das Ausfallsrisiko ist bei den zwei besten Bonitätsstufen null. Und über die niedrigen Zinsen freuen sich alle Steuerzahler. Zudem halten nicht nur alle Österreicher mit einer Lebensversicherung oder privaten Pensionsvorsorge Staatsanleihen, sondern sie stecken auch in vielen Investmentfonds.

Zur Person: Martha Oberndorfer

Karriere Die 49-jährige Martha Oberndorfer übernahm 2008 die Leitung der ÖBFA. Zuvor war die studierte Betriebswirtin, die auch ein MBA-Studium in Toronto absolvierte, im Vorstand der Bundespensionskasse, Geschäftsführerin einer Finanzierungsberatungs-Gesellschaft, in der Bank Gutmann und in der Kommunalkredit tätig.

ÖBFA Sie wurde 1993 gegründet und steht im Besitz der Republik. Die ÖBFA verwaltet die Schulden des Landes und nimmt neue Schulden durch die Ausgabe von Staatsanleihen auf. Ziel ist die Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit des Landes zu günstigen Konditionen. Für 2012 ist die Aufnahme von 27 bis 30 Mrd. Euro geplant.

 

(kurier) Erstellt am
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