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Analyse
02/17/2020

Spritpreise bleiben nur noch kurze Zeit unten

Das Coronavirus und der milde Winter sorgen derzeit für einen niedrigen Ölpreis – noch.

von Thomas Pressberger, Wolfgang Unterhuber

Autofahrer können derzeit mit der Preisentwicklung an den heimischen Tankstellen zufrieden sein. Zumindest vorläufig noch. Denn obwohl der Ölpreis sich von seinem Tief von rund 50 US-Dollar pro Barrel Anfang Februar wieder erholt und langsam zu steigen beginnt, bleiben die Preise an den Zapfsäulen niedrig.

„In Österreich sind die Benzin- und Dieselpreise seit Anfang des Jahres ständig gesunken“, sagt ARBÖ-Sprecher Sebastian Obrecht. Derzeit liegt Diesel bei 1,119 und Superbenzin bei 1,167 Euro. Obrecht schätzt, dass das noch zwei bis drei Wochen anhält, spätestens Ende des ersten Quartals, also Ende März, jedoch die Preise wieder nach oben gehen.

Und zwar dann, wenn die Zahl der Neuinfektionen durch das Coronavirus in China zurückgeht und die dortige Wirtschaft wieder Schwung aufnimmt. „Wenn Chinas Industrie wieder voll hochfährt, dann wird es eventuell zu einem leichten Anstieg kommen“, glaubt Obrecht. Dieser könnte bei fünf bis sechs Cent liegen. Der Rohölpreis werde sich mittelfristig wieder bei 60 bis 65 Dollar einpendeln, schätzt der Verkehrsexperte. Für weiterhin niedrige Ölpreise könnte noch ein anderes Phänomen sorgen, meint Obrecht: der milde Winter, durch den der Heizölverbrauch deutlich gesunken ist.

Riesiger Ölverbraucher

Doch warum wirkt sich eine Lungenkrankheit in Asien so stark auf den Ölpreis aus? Das liegt stark daran, dass durch die Produktions-Drosselung China viel weniger Öl verbraucht.

Das Land ist der größte Ölverbraucher der Welt. Zur Orientierung: Die Volksrepublik verbraucht in normalen Zeiten rund 14 Millionen Barrel pro Tag. Das ist so viel wie Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, Südkorea und Japan zusammen.

Die Internationale Energiebehörde (IEA) erwartete zuletzt wegen der Coronavirus-Epidemie für das laufende Quartal überhaupt einen Rückgang der weltweiten Öl-Nachfrage auf dem Niveau der Finanzkrise von 2009.

Doch China ist nicht der einzige Grund, warum der Öl-Preis zuletzt unter Druck kam. Auf dem Weltmarkt gibt es schlicht und einfach ein Überangebot. Es wird mehr gefördert als verbraucht. Denn Russland hat sich Förderkürzungen der Opec bisher nicht angeschlossen. Außerdem steht die Opec nur noch für rund ein Drittel des weltweiten Ölangebots.

Dann wären da noch die USA. Die USA haben durch Fracking Saudi-Arabien als weltgrößten Ölproduzenten überholt. Laut der EIA hat die Ölförderung in den USA im Januar mit rund 13 Millionen Fass pro Tag ein Rekordhoch erreicht.

Zudem wurde Brasilien zuletzt zu einem bedeutenden Ölexporteur. Laut dem staatlichen Ölkonzern Petrobras stieg die Produktion im Vergleich zum Vorjahr um rund 400.000 Barrel auf über drei Millionen Barrel täglich.

Und sollte Libyen tatsächlich zur Ruhe kommen, würde das Land ebenso rasch wieder Öl exportieren.

Die Opec ist jetzt jedenfalls unter Zugzwang. Ein Ölpreis von aktuell rund 57 Dollar – das ist für Saudi-Arabien einfach viel zu wenig. Das Land braucht einen Preis von mindestens 80 Dollar, um seine Staatsausgaben finanzieren zu können.

Die nächste Opec-Konferenz findet am 5. und 6. März in Wien statt. Dann wird sich entscheiden, in welche Richtung es mit dem Ölpreis weitergehen wird.

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