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Wirtschaft
12/02/2020

Sportartikelhändler: Reisewarnungen kommen einem Lockdown gleich

Händler in den Wintersportorten rechnen wegen ausbleibender Touristen mit Umsatzeinbruch von 70 Prozent

von Simone Hoepke

Rund 700 Sportartikelhändler gibt es verteilt auf Österreichs Wintersportorte, und wenn der Lockdown bestenfalls am 7. Dezember vorbei ist, ändert das in den Bergen erst einmal gar nichts. „Völlig egal, ob die Skilifte auf oder zu sind, wir werden 70 Prozent unseres Umsatzes verlieren“, sagt Michael Nendwich. Er hat selbst drei Geschäfte in Niederösterreich und ist Sprecher des Sportartikelhandels in der Wirtschaftskammer.

Wenig überraschend spielen die Fachhändler den Großteil des Geschäfts in der Hauptsaison ein. Konkret 70 Prozent des Jahresumsatzes im Zeitraum Dezember bis März. Und dafür, dass der sprichwörtliche Rubel rollt, sorgen zu 70 Prozent die Gäste aus Deutschland, England und den Niederlanden, belegen die Branchenzahlen. Normalerweise. Reisewarnungen und Quarantänevorschriften machen den Geschäftsleuten heuer einen Strich durch die Rechnung.

In einem Boot mit den Wirten

Umsatz
Landesweit wurden im Vorjahr Sportartikel im Wert von rund 2,77 Milliarden Euro umgesetzt (und damit um 1,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor)

Umsatz
Ein Viertel des Gesamtumsatzes entfällt auf große Handelsketten wie Hervis, Decathlon oder Intersport. Der Marktanteil von unabhängigen Spezialisten (zu denen unter anderem Bründl Sports gehört) steigt laut den Branchenzahlen kontinuierlich an – sie holten sich laut Schätzungen des VSSÖ zuletzt rund 15 Prozent des Umsatzkuchens

Ausgaben pro Kopf
Statistisch gesehen geben die Österreicher mit 312 Euro pro Kopf und Jahr so viel für Sportartikel aus, wie sonst kaum eine andere Nation. Das heißt nicht unbedingt, dass sie besonders sportlich unterwegs sind. Der Wert beinhaltet auch jene Einkäufe, die Touristen in Österreich tätigen

Kaum jemand rechnet damit, dass die Saison noch zu retten ist. Das trifft unter anderem all jene im Verleihgeschäft hart. Bleiben die Hotels leer, bleiben auch die Kunden in der Verleihstation aus. Und selbst wenn die Urlaubsindustrie in ein, zwei Monaten wieder auf Touren kommt, können die bis dahin liegen gelassenen Geschäfte nicht mehr aufgeholt werden. So gesehen sitzen die Verleiher mit den Gastronomen in einem Boot. Nendwich fordert deswegen von der Politik die gleichen Unterstützungen, die auch die Gastronomen bekommen.

„In den Lagern unserer Händler und Standorte stehen aktuell rund 350.000 Paar Ski, die nicht verkauft oder verliehen werden können. Das wird einen Dominoeffekt auf die heimische Skiindustrie zur Folge haben und diese ebenfalls ins Wanken bringen“, warnt Branchensprecher Nendwich. Und die ersten Belege dafür sind auch bereits da. So hat der Salzburger Skihersteller Blizzard in Mittersill wegen der Corona-Krise und des damit einhergehenden Rückgangs der Nachfrage die Produktion für etliche Wochen ein- und auf Kurzarbeit umgestellt. Der Absatz der Skier sei vom Vorjahr auf heuer von rund 400.000 auf 300.000 Paar zurückgegangen.

Im Skigeschäft gewinnt der Verleih übrigens weiterhin an Bedeutung. Glaubt man den Angaben des Verbands der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster (VSSÖ), so spielen die Sportfachhändler bereits rund 30 Prozent ihres Umsatzes im Verleih- und Service-Geschäft ein.

Nendwich hofft jetzt, dass es seitens der Europäischen Kommission Hilfen für die kriselnden Sportartikelhändler im Alpenbogen geben wird. Schließlich haben seine Berufskollegen in den Bergen Frankreichs, Deutschlands oder Italiens die gleichen Probleme.

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