Wirtschaft 05.12.2011

Später Regen rettet Getreideernte

Die Erntemenge in Österreich ist überraschend hoch - sie liegt um 13 Prozent über dem Vorjahr. Auch die Qualität ist zufriedenstellend.

Groß waren die Sorgen in einigen Teilen Österreichs angesichts der Trockenheit im Frühjahr. Doch der feuchte Sommer hat die heimische Ernte gerettet: "Der Regen im Mai und Juni war rechtzeitig", freut sich Günther Griesmayr, Chef der Agrarmarkt-Austria-Markt-Abteilung.

85 Prozent der Getreideernte seien bereits eingebracht, das Ergebnis: "Der Ertrag hat alle überrascht, die Erntemenge liegt um 13 Prozent über dem Vorjahr." Insgesamt rechnet die AMA für heuer mit rund drei Millionen Tonnen Getreide und 5,3 Millionen Tonnen inklusive Mais. Das liege deutlich über den Durchschnittswerten der Vorjahre.

Zufriedenstellende Qualität

"Das war ein Jahr zwischen Hoffen und Bangen", gesteht AMA-Präsident Franz Stephan Hautzinger. Er ist selbst Getreidebauer und meint: "Auch die Qualitäten sind nicht so schlecht." Rund 15 Prozent der Ernte könne man als Premium-Weizen vermarkten, der vor allem nach Italien zur Pasta-Erzeugung geliefert werde. 40 Prozent sei Mahlweizen für die heimische Mühlenindustrie. Die ersten Notierungen für diese Güteklasse würden in Wien bei rund 200 Euro liegen, so Hautzinger, das sei etwas geringer als der Durchschnitt vergangener Jahre.

Die Aufhebung des Verbots von Getreideexporten in Russland sowie eine erwartete überdurchschnittliche Weltgetreide-Ernte haben die Rekordpreise an den internationalen Börsen in den vergangenen Monaten wieder auf normale Niveaus zurückgestutzt: "Für die Weltgetreidebilanz erwarten wir mit 1,817 Milliarden Tonnen einen Rekord-Wert", prognostiziert AMA-Agrarexperte Christian Gessl. Allerdings werde auch der weltweite Verbrauch mit 1,829 Milliarden Tonnen einen Rekord erreichen, die Getreidevorräte weiter angeknabbert.

Mehr Importe

Generell werde der Getreideverbrauch in den nächsten Jahren weltweit steigen. Das gilt besonders für Österreich: Das Land wird durch die zunehmende industrielle Verarbeitung (Produktion von Stärke oder Zitronensäure) zum Nettoimporteur. Schon jetzt werden jährlich 400.000 Tonnen Mais importiert - Tendenz steigend.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011