Sozialversiche­rung für Selbstständige soll flexibler werden

dapdDas Logo der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft (SVA) haengt am Donnerstag (19.07.12) in Wien am Hauptgebaeude.Foto: Hans Punz/dapd
Foto: AP Hans Punz

SVA-Studie: Ein-Personen-Unternehmen haben eigene Bedürfnisse, spezielles Maßnahmenpaket geplant

Der Kebab-Standler, der Großunternehmer, die Personenbetreuerin, die Handschuh-Verkäuferin oder der Web-Designer: Bunte Vielfalt in einer Sozialversicherung. Schon 571.624 Menschen sind in der gewerblichen Sozialversicherung (SVA) kranken- und unfallversichert, knapp 440.000 pensionsversichert. Sie alle haben Anspruch auf Leistungen, die in anderen Ländern keineswegs selbstverständlich sind, geht aus einer Vergleichsstudie des Instituts für angewandte Versorgungsforschung (inav) im Auftrag der SVA hervor.

Betreffend sozialer Absicherung der Selbstständigen schneidet Österreich von sechs untersuchten Ländern am besten ab, gefolgt von Dänemark und Deutschland. Schlusslicht sind die Niederlande, wo Selbstständige nicht in der Arbeitslosen- und Unfallversicherung inkludiert sind (siehe Grafik unten).

Pflicht statt Wahl

"In Österreich werden die Selbstständigen erst gar nicht vor die Wahl gestellt, was sie wollen, sondern zu ihrem Glück gezwungen", bringt es Studienautor Nick Bertram auf den Punkt. Anders formuliert: Durch die Pflichtversicherung fällt zwar niemand aus dem System, aber es werden auch alle gleich behandelt. Dies sei angesichts der sich wandelnden Arbeitswelt nicht mehr zeitgemäß. "Klassischen Selbstständigen wie den Handwerkern steht eine immer größer werdende Gruppe an neuen Selbstständigen, beispielsweise aus den Bereichen Software, Medien und Kunst gegenüber, die als finanziell schlechter aufgestellt gelten", heißt es in der Studie. Hier müsse bei den Leistungen nachjustiert werden.

"Wir sind gut und breit aufgestellt, haben aber Hausaufgaben zu machen", bestätigt der stellvertretende SVA-Obmann Alexander Herzog dem KURIER und kündigt Reformen an.

Maßnahmenpaket

Konkret soll "individueller und flexibler" auf die speziellen Bedürfnisse der Ein-Personen-Unternehmen (EPU) eingegangen werden und für sie ein eigenes Maßnahmepaket geschnürt werden. "Ich kann nicht mehr mit Standardprodukten alle über einen Kamm scheren. Für das Gießkannenprinzip sind die Selbstständigen viel zu heterogen", meint Herzog.

Alexander Herzog, SVA Foto: kurier/Juerg Christandl Alexander Herzog, stv. SVA-Obmann

Als Beispiel nennt er flexiblere Möglichkeiten der Beitragseinhebung bzw. -stundung, differenzierte Beratung oder mehr Wahlfreiheit. Bei der Arztwahl bietet die SVA mit gut 7000 Vertragspartnern schon jetzt die größte Auswahl aller Krankenkassen. Eine Auszahlung des Krankengeldes schon ab dem ersten statt wie bisher ab dem 43. Tag der Krankheit werde gerade verhandelt, so Herzog. Die Finanzierung ist noch ungewiss.

Beitragshöhe

Wohl nicht ganz zufällig aus der Studie ganz ausgeklammert wurde das Thema Beitragshöhe. Ist die soziale Absicherung für die Selbstständigen jetzt teurer als in Deutschland oder Frankreich? "Ein Vergleich hätte den Rahmen gesprengt", so der Studienautor. Bei fehlender Versicherungspflicht würden viele EPU aber dazu neigen, sich nicht freiwillig zu versichern. Mit einem Verwaltungsaufwand von 3,7 Prozent an den Gesundheitsausgaben liegen Österreichs Krankenversicherungen mit nach Dänemark mit 2,1 Prozent an zweiter Stelle. Die SVA kommt auf 2,2 Prozent, sie hat aber den Betrieb einiger Reha-Zentren ausgelagert.

Hintergrund für die Studie ist auch die aktuelle Debatte über eine effizientere Sozialversicherung und die mögliche Fusion diverser Träger. "Die Studie sagt klar, dass es ein eigenes System für Selbstständige geben soll", betont Herzog und fühlt sich auch als "Interessensvertreter der EPU".

Grafik, Illustration: Ortega, iStock… Foto: /Grafik stv. SVA-Obmann Alexander Herzog

(kurier) Erstellt am
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