Wirtschaft
30.03.2017

Mehr Rechtssicherheit für Ein-Personen-Firmen

Lösung gesucht, damit es keine Schwierigkeiten mit der Gebietskrankenkasse gibt.

305.000 Ein-Personen-Unternehmen, kurz EPU, gibt es mittlerweile in Österreich. "Sie sind kein Modephänomen und keine Nische", sagt Elisabeth Zehetner, die EPU-Beauftragte in der Wirtschaftskammer. Die EPU seien Treiber eines Strukturwandels, der europaweit zu beobachten sei. Sie seien auch viel aktiver im Export als gedacht. Laut Studie der KMU Forschung Austria sind 27 Prozent im Export tätig. Zwölf Prozent der EPU verdienen sogar mehr als ein Viertel des Umsatz mit Exporten.

Mit der Rechtssicherheit für EPU ist es allerdings so eine Sache. Manchmal sind EPU eine Zeit lang von einem einzigen Kunden abhängig. Drei Prozent hatten in den vergangenen zwölf Monaten nur einen Auftraggeber. Dann kommt es "in Einzelfällen" zu Schwierigkeiten mit der Gebietskrankenkasse, die die Selbstständigkeit des Unternehmers hinterfrage, erzählt Zehetner. Ihre Forderung: "Über einige Wochen oder Monate an nur einen einzigen Kunden gebunden zu sein darf den EPU nicht zum Verhängnis werden."

Lösung rund um Ostern

Diese Forderung geht an die Bundesregierung. Dort ist der Punkt "Rechtssicherheit für Selbstständige und Unselbstständige" in Verhandlung. Rund um Ostern soll es hier eine Lösung geben, wie Staatssekretär Harald Mahrer bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Zehetner sagte.

Keinesfalls wolle die Wirtschaftskammer schwarze Schafe, also Scheinselbstständige unterstützen, erklärte Zehetner. Der Hauptgrund für eine Gründung eines EPU sei laut Studie das Erreichen einer flexiblen Zeiteinteilung.

Erwerbsfreiheit sei ein Menschenrecht, erinnerte Mahrer. Jeder solle selber sagen können, ob er selbstständig sein will oder nicht. Dazu könne es einen Bescheid geben. Wer macht diesen Bescheid? "Entweder die Gebietskrankenkasse oder die SVA", so Zehetner. "Das wäre das neue an dem Modell, dass die Sozialversicherungsanstalt in den Prozess eingebunden ist. Auch eine Vorabprüfung vor der Annahme eines Großauftrages könne es künftig geben, war wir sehr begrüßen." So müssten weder Auftraggeber noch EPU-Auftragnehmer Rückzahlungen fürchten.

Marer streute den vielen EPU Rosen. Sie würden viel mehr Mut zum Risiko zeigen und ihnen gebüre große Wertschätzung. Ohne EPU keine Innovation, so Mahrer. In einer immer vernetzteren Wirtschaft seien die EPU unverzichtbar.

Wer und was ist EPU?

In Österreich gibt es 305.000 Ein-Personen-Unternehmen, das sind 60 Prozent der gewerblichen Wirtschaft und somit der WKÖ-Mitglieder. Laut KMU-Forschung Austria sind EPU insgesamt zufriedener mit ihrer selbstständigen Tätigkeit als Arbeitgeber-Unternehmer.

75 Prozent der EPU werden hauptberuflich geführt, 25 Prozent sind nebenberufliche EPU.

51 Prozent der EPU sind frauengeführt. Zieht man die selbstständigen Personenbetreuerinnen in der Pflege ab, sinkt der Anteil der Frauen-EPU signifikant auf 40 Prozent.

27 Prozent der EPU wurden in den vergangenen drei Jahren gegründet. 38 Prozent sind seit mehr als zehn Jahren selbstständig.

Die Gründungsmotive: 76 Prozent wollen eine flexiblere Zeiteinteilung erreichen. 73 Prozent wollen sich selbst verwirklichen. 48 Prozent haben eine Marktchance erkannt und gründen deswegen ein EPU.

38 Prozent waren mit ihrem ehemaligen Arbeitsplatz unzufrieden. 29 Prozent sahen keine Aufstiegsmöglichkeiten mehr in ihrer unselbstständigen Arbeit. 23 Prozent kommen aus der Arbeitslosigkeit.