Sonja Zimmermann

© Kurier / Franz Gruber

Wirtschaft
07/21/2020

Berndorf-Aufsichtsratschefin: "Zweiter Lockdown wäre eine Katastrophe"

Die neue Aufsichtsratsvorsitzende der Berndorf AG über die Corona-Krise und die Nachfolge im Familienunternehmen.

von Anita Kiefer, Wolfgang Unterhuber

KURIER: Sie sind seit 1. März Aufsichtsratschefin der Berndorf AG. Da brach hierzulande gerade Corona aus.

Sonja Zimmermann: Das war ein seltsames Gefühl. Aber die Situation war dann rasch so, dass man eigentlich keine Zeit hatte, darüber groß nachzudenken.

Wie managen Sie und ihre Vorstände den Konzern jetzt?

Es ist ein  Fahren auf Sicht. Die Umstände ändern sich im Wochentakt. Noch dazu, wenn man wie wir weltweit aktiv ist.

Blicken wir nach  China, wo Ihr Konzern ja auch tätig ist. Stimmt es, dass die Wirtschaft dort wieder voll läuft?

Drei unserer Tochterfirmen haben dort einen Produktionsstandort. Und es scheint wieder gut zu laufen. Auch in der Automobilbranche. Viele Chinesen kaufen jetzt ein Auto, weil die Menschen wegen Corona die öffentlichen Verkehrsmittel meiden.

Die Industriellenvereinigung sagt, dass die Krise zeitverzögert auch den Investitionsgüterbereich voll treffen wird.

Das dicke Ende kommt da erst. Was jetzt die Gastronomen und Touristiker erleben, steht auch der Industrie bevor. Wenn die Kaufkraft sinkt, wird weniger verkauft und schlussendlich wird weniger produziert werden.

Bisher wird bei Berndorf aber noch voll produziert?

Ja. Die Laufzeit der Aufträge beträgt oft – etwa im Anlagenbau – drei Monate bis zu ein Jahr. Wir sind gut ins neue Jahr gestartet. Unsere Auftragsbücher waren voll.

Wie sieht es jetzt mit neuen Aufträgen aus?

Wir sind in sehr unterschiedlichen Branchen tätig. 98 Prozent unserer Produkte gehen ins Ausland. Einige Bereiche spüren fast keine Einbrüche, andere schon. In Summe kann ich aber sagen: Wir werden diese Krise gut meistern.

Also wird es auch in der Zukunft wieder gut laufen?

Natürlich. Aber ich gehe davon aus, dass es noch länger schwierig bleibt. Auch nächstes Jahr.

Ein zweiter Lockdown...

...wäre eine Katastrophe. Das könnte sich keine Volkswirtschaft mehr leisten. Außer man will sich zu Tode schrumpfen. Ich hoffe jedenfalls, man hat hier gelernt und bekommt das Problem mit regionalen Gegenmaßnahmen in den Griff.

War der Lockdown überhaupt notwendig?

Das kann man wohl erst in ein, zwei Jahren beurteilen. Ich habe den Lockdown zuerst für unnötig gehalten. Jetzt denke ich, dass er in der ersten Zeit notwendig war, um Schlimmes zu verhindern. Auch, wenn ich mich frage, ob der schwedische Weg nicht eine Alternative gewesen wäre. Was ich jetzt nicht verstehe, ist die Relation. Jährlich sterben drei Millionen Kinder unter fünf Jahren an Hunger. Von denen spricht niemand. Durch die Folgen der Lockdowns werden in der Dritten Welt übrigens sehr viel mehr Menschen an Hunger sterben als jetzt.

Wird es in der Berndorf-Gruppe Kündigungen geben?

Im Automotive-Bereich gab es schon im Vorjahr Einsparungen. Und angesichts der größten Wirtschaftskrise seit 90 Jahren kann ich weitere Einsparungen nicht ausschließen.

Wie lange wird es dauern, bis Berndorf wieder auf Vorkrisenniveau ist?  Nach derzeitigem Stand werden wir erst 2022 wieder dort sein, wo wir vor Corona waren. Das betrifft nicht nur uns, sondern die Wirtschaft insgesamt. 

Was sagen Sie zu den Themen Erbschaftssteuer und Vermögensteuer?

Soweit ich informiert bin, war bei der Erbschaftssteuer der Verwaltungsaufwand ähnlich hoch wie die Einnahmen und man hat sie deshalb auslaufen lassen. Ich denke, jetzt geht es um Steuersenkungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, damit die Menschen mehr konsumieren und die Unternehmer mehr investieren können.

Themenwechsel: War es schwierig, hinter einer Führungsfigur wie Ihrem Vater als Aufsichtsratschefin nachzufolgen? 

Wahrscheinlich hat es die Krise leichter gemacht. Dadurch war keine Zeit, über so etwas nachzudenken.

Ist Ihr Vater Ihr Ratgeber?

Ja, selbstverständlich! Darauf lege ich auch Wert.

Was würden Sie Firmeneigentümern raten, wie sie ihre Kinder für die Nachfolge im Unternehmen begeistern?

Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen: Mein Vater ist ein brennender Macher und Unternehmer. Diese Begeisterung ist auf mich übergesprungen. Verbunden damit, dass die Nachfolge kein Zwang war, sondern eine Einladung. Und jetzt lässt er mich konsequent arbeiten und mischt sich nicht ungefragt ein.

Wie kann denn der Frauenanteil in der Industrie gesteigert werden? Sind Sie für eine Quotenregelung?

Nein. Aber für Frauenförderung.

Und wie kann eine Frauenförderung ohne Quotenregelung aussehen?

Wir haben auf Initiative einer Kollegin aus dem Bereich Bäderbau seit eineinhalb Jahren ein gruppeninternes Frauennetzwerk. Die Frauen in Führungspositionen kannten sich davor teilweise gar nicht. Jetzt tauschen sie sich zu verschiedenen Themen aus und stärken sich gegenseitig. In der Berndorf-Gruppe haben wir 18 Prozent Frauen, über alle Ebenen hinweg – also sehr wenige. Wir haben jetzt eingefordert, dass in den Beiratssitzungen der Frauenanteil offengelegt wird – einfach, um das sichtbar zu machen. 

Weltkonzern. Mit Berndorf assoziieren die Österreicher meistens die gleichnamige Besteckfirma. Dabei ist die Berndorf AG ein globaler Hightech-Konzern mit den Bereichen Werkzeugbau, Wärmebehandlung, Band & Bandanlagen, Pressbleche, Bäderbau, Verfahrenstechnik und Mechatronics. In vielen dieser Bereiche ist man an der Weltspitze. 
Die Berndorf AG vereint unter ihrem Dach 60 einzelne Unternehmen, die in Summe 2.200 Mitarbeiter in 20 Staaten beschäftigen (Umsatz: 660 Millionen Euro). 1988 erwarb Norbert Zimmermann mit anderen Managern das damals verstaatlichte Unternehmen. Vorstandschef ist „Austronaut“ Franz Viehböck. 1995 erwarb Zimmermann auch den heute börsennotierten Technikkonzern für die Ölindustrie Schoeller-Bleckmann Oilfield, wo er  Kernaktionär ist. Bei Berndorf übergab  Zimmermann den Aufsichtsratsvorsitz heuer an seine Tochter Sonja. Die gebürtige Wienerin Sonja Zimmermann absolvierte an der Uni Wien die Übersetzer- und Dolmetscherausbildung   mit Fächerkombination Handelswissenschaften. Danach stieg sie in das Familienunternehmen ein. 
Ach ja: Die Besteckfirma Berndorf gibt es noch immer. Ein kleines Unternehmen, das aber längst aus der Berndorf AG herausgelöst wurde. Die Eigentümer sind aber dieselben: die Familie Zimmermann und ihre Partner.

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