Wirtschaft
11.04.2017

Seit Finanzkrise fast ein Viertel weniger Banken in Österreich

Zahl der Filialen in Österreich sank in der Zeit hingegen nur um 6 Prozent.

Die österreichischen Banken müssen ihre Kosten zurückschrauben. Darauf dringt die Oesterreichische Nationalbank (OeNB). Auch wenn es Entspannung bei faulen Krediten gibt: Im operativen Geschäft hält der Kostendruck noch an. Bei der Filialzahl sieht Notenbankdirektor Andreas Ittner jedenfalls einigen Spielraum.

Zwar ist durch Fusionen und andere "Strukturanpassungen" seit der Finanzkrise 2008 die Zahl der Banken (Kreditinstitute) in Österreich von damals 739 auf 570 - und damit um fast ein Viertel - zurückgegangen. Vor allem bei Raiffeisen hat sich da viel getan.

Bei den Filialen hat sich das bisher aber nicht so niedergeschlagen. Von 2008 bis Ende 2016 gab es da österreichweit nur einen Rückgang um sechs Prozent. In den letzten fünf Jahren gab es aber auch hier eine Beschleunigung. Das "totale Ausbluten" des Filialnetzes beobachtet die Notenbank freilich nicht.

Pro 2.100 Einwohner eine Bankfiliale

Laut Ittner kommen in Österreich 2.100 Einwohner auf eine Bankfiliale, in Deutschland sind es schon 2.400. Die Finnen liegen bei 5.200 und die Niederländer gar bei 9.600 Einwohnern pro Bankstandort.

Auf Bankmitarbeiter umgelegt: In Österreich versorgt ein Bankmitarbeiter im Schnitt 118 Einwohner, in Deutschland sind es 126, in Italien 203, in Finnland rund 250. Über Zielgrößen für Österreich äußert sich die Notenbank nicht. Jedoch sei die Zahl der Beschäftigten in der österreichischen Bankenindustrie ziemlich hoch, so Ittner. Und offenbar gebe es Länder, in denen das Geschäft mit weniger Personal funktioniere.

Fest stehe, dass das Kosten-Ertrags-Verhältnis hierzulande sinken muss, unterstrich Ittner: Mittelfristig müsse eine durchschnittliche Geschäftsbank hier unter 50 Prozent zu liegen kommen. Zur Zeit seien es in Österreich noch 67 Prozent. Da sei noch eine ordentliche Wegstrecke zurückzulegen. Aktuelle Schnitte zum Personal- bzw. Filialabbau wirkten in der Regel erst längerfristig, da Sparmaßnahmen zunächst einmal noch Kosten mit sich brächten.

Ittner gegen "Gratiskultur"

2016 haben die Banken in Österreich ihre Wertberichtigungen stark zurückfahren können. Zeiten niedriger Abschreibungen müssten genutzt werden, um die Effizienz zu steigern und die Profitabilität zu sichern, sagte Ittner am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. Zugleich muss viel Geld in IT/Digitalisierung fließen. Die Geldhäuser hätten sich um die Kosten ebenso wie um ihre Erträge zu kümmern. Eine "Gratiskultur" schaffe nicht mehr Transparenz, ganz im Gegenteil, findet Ittner.