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Bayer/Monsanto
05/20/2016

Sehnsucht nach Leben ohne Chemie

Die Chemie-Industrie steht vor einer großen Fusion, kämpft aber mit schweren Imageproblemen.

von Franz Jandrasits

"Warum keiner Monsanto mag" – so lautet der Titel einer Geschichte in der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Der deutsche Chemieriese Bayer will den amerikanischen Saatgutkonzern Monsanto übernehmen (siehe Bericht rechts), der bei Kritikern als das "Böse" schlechthin gilt. Der US-Konzern ist Weltmarktführer bei in der EU weitgehend und in Österreich ganz verbotenen gentechnisch verändertem Saatgut. Und hat seinerzeit das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat entwickelt, dessen Wiederzulassung in der EU heftig umstritten ist und am Donnerstag neuerlich verschoben wurde. Grüne und Umweltorganisationen machen seit Jahren mobil gegen den Agrarchemie-Riesen.

Die Gesellschaft in den westlichen Industrieländern ist chemiemüde geworden. Dabei seien die Erfolge unbestreitbar, wie Daniel Kapp, PR-Lobbyist für Pflanzenschutzmittel, meint: "Chemie ist in praktisch allen Alltagsgütern enthalten – vom Handy bis zu komplexen Werkstoffen. Unsere Lebenserwartung ist in den letzten 150 Jahren von etwas über 40 auf durchschnittlich über 80 Jahre gestiegen. Viele Krankheiten wurden erfolgreich bekämpft. Das verdanken wir zum Teil auch der Chemie. Dennoch herrschen fast archaische Vorbehalte gegen sie und eine Sehnsucht nach einer vermeintlich heilen Ursprünglichkeit."

Image-Schäden

Das schlechte Image der Branche ist, weiß Hubert Culic, Obmann des Fachverbandes der Chemischen Industrie, zu einem Gutteil auf die Sparte Pflanzenschutzmittel zurückzuführen: "Der Pflanzenschutz macht nur rund zwei Prozent der Produktion der gesamten Branche aus, aber für das Image ist er verheerend." Die Diskussionen, ob etwa Glyphosat Krebs auslöst oder ob Neonicotinoide zum Beizen von Saatgut am Bienensterben schuld sind, würden viele positive Wirkungen von chemischen Produkten überdecken.

Für die gesamte Branche mit einem Produktionswert von 14,8 Milliarden Euro fordert Culik bessere Rahmenbedingungen von der runderneuerten Regierung. Die Politik sei in den vergangenen Jahren bei Bürokratieabbau, Strukturreformen, aber auch bei Bildung und Forschung auf der Stelle getreten. Impulse wie etwa steuerliche Anreize für Investitionen seien ausgeblieben.

Hoffen auf Reformen

Culik: "Von der neuen Regierungsmannschaft unter Bundeskanzler Christian Kern erwarte ich mir einen Reform-Plan mit einem konkreten Zeitplan und messbaren Zielen."

Die Reformen sollen die Investitionen wieder ankurbeln. Denn das Potenzial für die bis zu 70 Prozent vom Export abhängige Chemie-Industrie sei derzeit sehr hoch. Weltweites Bevölkerungswachstum und globale Urbanisierung würden die Nachfrage nach chemischen Produkten enorm steigern.

Ein Konzern, den kaum einer mag

In keiner anderen Branche wird derzeit so viel über Übernahmen nachgedacht. Zuerst wollte Monsanto den Schweizer Konzern Syngenta schlucken, der allerdings nun an den chinesischen Staatskonzern Chemchina gehen wird. Neu ist allerdings, dass die Aktionäre den Übernahme-Plänen skeptisch gegenüberstehen. Der Aktienkurs von Bayer ist am Donnerstag um mehr als acht Prozent gesunken. Bisher haben Übernahmepläne stets zu einem deutlichen Ansteigen der Aktien-Kurse geführt.

Ein wesentlicher Grund dafür ist das schlechte Image von Monsanto. Die Aktionäre befürchten negative Auswirkung auf das Image von Bayer. In Europa gilt der US-Konzern vor allem bei Umwelt- und Verbraucherorganisationen als eine Art Brunnenvergifter, der verzweifelt versucht, dem Rest der Welt gentechnisch veränderte Pflanzen aufzudrängen. Dazu gehört gentechnisch verändertes Getreide, das gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat immun ist. Man kann damit so oft spritzen, wie man will. Die Bauern in den USA verbindet mit Monsanto eine Hassliebe. Die Produkte von Monsanto erhöhen zwar den Ertrag, bringen die Bauern aber auch in eine Abhängigkeit vom Konzern.

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