Das Homeoffice: Oft mehr Home als Office

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Wirtschaft
11/24/2020

Schreibtisch, Sessel, Arbeitszeit: Woran es im Homeoffice hapert

AK-Erhebung zeigt erhebliche Probleme bei der technischen Ausstattung und bei der Entgrenzung der Arbeit. Neues Homeoffice-Gesetz bis Jahresende gefordert.

von Anita Staudacher

Die Arbeiterkammer (AK) drängt auf die Umsetzung eines eigenen Homeoffice-Gesetzes noch in diesem Jahr. Arbeitsministerin Christine Aschbacher stellte einheitliche Regelungen rund um arbeits- und steuerrechtliche Fragen in Abstimmung mit den Sozialpartnern zuletzt frühestens für März 2021 in Aussicht. AK-Präsidentin Renate Anderl ist das zu spät. „Es gibt zwar noch viele offene Fragen, aber das muss schneller gehen“, so Anderl bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

Wie dringend der Handlungsbedarf ist, zeigt sich in einer aktuellen IFES-Erhebung zum Thema Homeoffice, die die AK präsentierte. Demnach arbeiteten zwischen April und Oktober rund 40 Prozent aller Arbeitnehmer/innen in Branchen, wo es möglich ist, von zu Hause aus. Vor der Pandemie waren es gerade einmal 5 Prozent. Jetzt im zweiten Lockdown dürfte der Anteil weiter angestiegen sein.

Laut Erhebung gibt es aber eine Vielzahl an ungelösten Problemen im Homeoffice, allen voran die unzureichende technische Ausstattung, den fehlenden Kostenersatz durch den Arbeitgeber sowie die Entgrenzung der Arbeitszeit und Benachteiligung von Müttern.  

Technische Ausstattung

„Da hapert es in vielen Homeoffices gewaltig“, fasst IFES-Geschäftsführerin Eva Zeglovits die Erhebung zusammen. Viele Heimarbeitsplätze sind mehr Home als Office, haben also nur ein unzureichendes technisches Equipment. Anders als im Firmenbüro müssen die meisten Arbeitnehmer/innen zu Hause auf privates Equipment wie Telefon-Internetverbindung, Monitor, Drucker, Schreibtisch oder Bürosessel zurückgreifen.

So gibt jeder fünfte Befragte an, über keinen geeigneten Schreibtisch zu Hause zu verfügen, sondern z.B. am Küchentisch sitzen zu müssen. 30 Prozent fehlt ein bequemer Bürosessel für längeres Arbeiten. Die schlechte Ausstattung trifft Frauen noch stärker als Männer: „Wenn jemand ein gut ausgestattetes Büro zu Hause hat, dann ist es meistens der Mann“, sagt Zeglovits.

Was ersetzt wird

Was den Kostenersatz anbelangt, so zeigen sich die Arbeitgeber laut Erhebung eher knausrig. Am häufigsten (74 Prozent) wird die Software für Videokonferenzen zur Verfügung gestellt, meist samt nötigem Kopfhörer. 63 Prozent nutzen Firmen-Laptops, etwa die Hälfte Firmen-Handys. So gut wie gar keinen Kostenersatz gibt es für Schreibtische, Bürosessel oder Drucker. Die AK fordert einen „angemessenen Kostenersatz“ für technisches Equipment sowie anteilsmäßig auch der Internet-, Strom- und Heizungskosten.

Krank im Homeoffice

Laut Erhebung sind mehr als die Hälfte Arbeitnehmer/innen bereit, trotz Krankenstand oder Betreuung erkrankter Angehöriger im Homeoffice weiterzuarbeiten. Immerhin 60 Prozent der Befragten geben an, statt einer Pflegefreistellung eher von zu Hause aus zu arbeiten, bei den jungen Frauen sind es sogar zwei Drittel. 56 Prozent würden eher krank zu Hause weiterarbeiten als in den Krankenstand zu gehen. Zeglovits erklärt das u.a. mit der Rücksicht gegenüber Kollegen, die bei Krankenständen oder Freistellungen oft Mehrarbeit hätten. 40 Prozent geben an, auch außerhalb der Arbeitszeit erreichbar zu sein. 

Home office

"Kein rechtsfreier Raum"

AK-Präsidentin Anderl fordert angesichts der Ergebnisse die Arbeitgeber auf, für die nötige Infrastruktur einerseits und eine klare Trennung zwischen Homeoffice und anderen Aufenthalten in den eigenen vier Wänden zu sorgen, vor allem bei Krankenstand oder um Angehörige zu pflegen. „Das Homeoffice ist kein rechtsfreier Raum“, verweist sie auf bestehende Gesetze.  

In vielen Betrieben gebe es zudem Betriebsvereinbarungen, die trotz Corona gelten. Im Zweifel sollten sich betroffene Arbeitnehmer an ihren Betriebsrat wenden. Die AK will demnächst einen eigenen Leitfaden für das "Arbeiten im Homeoffice" veröffentlichen. Ein entsprechender Leitfaden des Arbeitsministeriums sei unzureichend, so Anderl. 

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