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Wirtschaft
10/31/2019

Schicksalstag 31.10.: Was Martin Luther und Harry Potter verbindet

Vom Ursprung des protestantischen Arbeitsethos’ bis zu einem Mord in einer Fantasywelt: der 31. Oktober ist reich an Ereignissen.

von Christine Klafl, Wolfgang Unterhuber, Simone Hoepke, Andrea Hodoschek

Das Halloween-Fest am 31.10. kommt ursprünglich von den Kelten, wurde Jahrhunderte später von   irischen Einwanderern in die USA exportiert und schwappte als großer Gruselevent zurück nach Europa. Auch nach Österreich.

Handelsobmann Peter Buchmüller rechnet mit einem österreichweiten Handelsumsatz von bis zu 48 Millionen Euro. Das Geld fließt vor allem in den Lebensmittelhandel, in Drogeriemärkte, den Papier-, Mode- und Buchhandel, sagt der Händler, der selbst Adeg-Kaufmann in Salzburg ist. „Je jünger die Leute, desto höher steht Halloween im Kurs. In Haushalten mit Kindern wird der Anlass am ehesten gefeiert und in Relation am meisten dafür ausgegeben.“

Aus Händlersicht fließen die Umsätze aber mit jenen von Allerheiligen zusammen. Traditionell floriert zu den Feiertagen das Geschäft mit Kerzen, Schnittblumen und Accessoires.

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will ist bei den Umsatzerwartungen übrigens weniger optimistisch. Er rechnet mit rund 30 Millionen Euro aus dem Halloweengeschäft. Die Österreicher würden sich vor allem für Mottopartys eindecken, daher würden nur wenige Händler profitieren.

Ganz oben auf der Einkaufsliste stehen demnach Dekorationsartikel, Kostüme, Süßigkeiten, Kürbisse und Make-up. Will: „Vor allem Familien mit Kindern sowie Konsumenten unter 30 Jahren investieren zum Gruselfest besonders gerne.“ Über-60-Jährige können mit dem eher wenig anfangen.

Am 31. Oktober 1981 wurden James und Lily Potter im britischen Godric’s Hollow von Lord Voldemort alias Tom Vorlost Riddle ermordet. Ein Schlüsselereignis. Denn Potters Sohn Harry überlebt und wird später Lord Voldemort besiegen. Harry Potter ist die Hauptfigur der gleichnamigen Fantasy-Romanreihe der englischen Schriftstellerin Joanne K. Rowling. Die siebenteilige Romanreihe löste einen weltweiten Hype aus. Laut britischen Medienberichten wurden von 1997 bis 2018 rund eine halbe Milliarde Exemplare verkauft. Dazu kommen Hörbücher, Spiele und nicht zuletzt die Verfilmungen unter dem Dach des Warner Bros.-Film- und TV-Konzerns.

Mit einem gesamten globalen Einspielergebnis von knapp sieben Milliarden Euro zählen die Harry-Potter-Produktionen zu den erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten. Zauberhaft muten auch die Einnahmen für J.K. Rowling an. Englische Medien schätzen ihr Vermögen aus den Buchverkäufen und den Vermarktungsrechten für die Harry-Potter-Figur auf rund 700 bis 800 Millionen Euro.

Luther und die Arbeitsmoral

Martin Luther hat am Abend vor Allerheiligen 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg 95 Thesen angeschlagen. Damit leitete er die Reformation der Kirche ein. „Arbeit als Beruf und Berufung ist für Luther Gottesdienst am Mitmenschen – und sei es die Arbeit einer Magd im Kuhstall. Kern des protestantischen Arbeitsethos’ ist die Spannung zwischen Freiheit und Verantwortung, was wir tun, sollen wir gerne tun und für alle, auch für Gott“, erklärt Superintendent Matthias Geist, Leiter der Evangelischen Diözese Wien.

Protestantische Arbeitsethik suche nicht Erfolg um seiner selbst willen. „Persönlich sehe ich auch in den Karrieren der evangelischen Christinnen und Christen, dass das protestantische Arbeitsethos gelingt. Es darf aber nicht überstrapaziert werden, sonst wird es zugunsten der Wirtschaft ad absurdum geführt“, meint der Chef der Wiener LutheranerInnen.

Weltspartag: Kleine Gaben und BeratungHyperinflation, bei der sich die Preise innerhalb weniger Tage verdoppelten. 1922/23 war das Vertrauen in Geld oder gar Sparen schwer erschüttert. Mit einer Währungsreform konnte der Preisgalopp gestoppt werden. Und das Vertrauen ins Sparen?

Beim ersten internationalen Sparkassenkongress in Mailand vor mittlerweile 95 Jahren wurde beschlossen, einen Weltspartag ins Leben zu rufen. Ende Oktober 1925 wurde der erste Weltspartag in Österreich gefeiert. So richtig zur Tradition wurde er dann in den 1950er-Jahren.

Als ehemalige Mitarbeiterin der damaligen Zentralsparkasse und deren Nachfolgebanken (heute Bank Austria) hat Renate Steinkellner ab 1977 die Weltspartags-Geschenke ihres Arbeitgebers aufbewahrt und Präsente zusammengetragen, die bis zum Jahr 1957 zurückreichen. Zünder in Sparbuchhüllen, Aschenbecher – solche Gaben würden Banken schon lange nicht mehr wagen, sagt Steinkellner. An den rund 400 Exponaten ist abzulesen, wie sich Industriedesign (bei Geschenken für Erwachsene) und die Vorlieben von Kindern im Lauf der Jahrzehnte verändert haben. Die Sammlung Steinkellner ist im Sparefroh Haus im Bezirksmuseum Alsergrund (Währinger Straße 43) untergebracht.

Die nächsten Möglichkeiten zur Besichtigung: 10. und 17.11. um 10.30 bis 12 Uhr und am 6. und 13.11. um 15.30 bis 17 Uhr. Zum heutigen Weltspartag erwarten die heimischen Banken bis zu 1,5 Millionen Besucher. Auf sie warten Geschenke und Anlagetipps.

Letzter Arbeitstag

Am 31. Oktober hat Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank seinen letzten Arbeitstag. Tags darauf übernimmt dann Christine Lagarde die Amtsgeschäfte als Präsidentin der EZB.

Die Finanz- und die darauf folgende Wirtschaftskrise war zwar schon vorbei, als der gebürtige Römer Mario Draghi am 1. November 2011 sein Amt als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) antrat. Ruhig ging es in der Eurozone danach trotzdem nicht zu. 2012 schien die Griechenland-Krise derart explosiv, dass die Eurozone zu zerbrechen drohte. Von der Einführung eines Nord- und eines Süd-Euros war schon die Rede. Die Angst vor einem Euro-Austritt hoch verschuldeter Länder ging um – bis Draghi im Juli 2012 die Wunderformel fand. Die EZB werde im Rahmen ihres Mandates alles tun, um den Euro zu retten, sagte er damals. „Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“ Es war auch genug, die Eurokrise ebbte ab – was ihm den Spitznamen „Super-Mario“ einbrachte. Es gab aber auch reichlich Kritik an Draghi.

Er habe abweichende Positionen in der Geldpolitik oft einfach weggewischt. Immer lautere Kritik gab es auch an der Minuszins-Politik. Auch wenn heute sein letzter Arbeitstag ist, wird er noch lange präsent sein. Auf den Euro-Banknoten, die weltweit im Umlauf sind, prangt noch länger seine Unterschrift. Solange, bis neue Serien mit der Unterschrift seiner Nachfolgerin Christine Lagarde herauskommen.

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