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© APA/dpa/Christophe Gateau / Christophe Gateau

Wirtschaft
09/16/2019

Drohnenangriff: Preisschock sehr bald an Tankstelle spürbar

Nach Angriff in Saudi Arabien: Risikoszenario warnt vor Verdoppelung des Ölpreises. Ölaktien steigen, Autofahrer müssen mit höheren Spritpreisen rechnen.

Der kräftigste Ölpreisanstieg seit 1991 nach den Anschlägen auf Raffinerien in Saudi-Arabien könnte teuer werden. Sowohl für die Autofahrer, als auch für die Wirtschaft insgesamt.

An der Tankstelle werde man den Ölpreisanstieg schon sehr bald zu spüren bekommen, "innerhalb von wenigen Tagen", glaubt Ölexperte Hannes Loacker von Raiffeisen Capital Management (RCM).

Allerdings nicht eins-zu-eins: Weil die Mineralölsteuer in Österreich als Fixbetrag pro Liter Benzin festgesetzt ist, steigen die Treibstoffpreise weniger stark als der Ölpreis. Die Rohölpreise schlügen also nur etwa zur Hälfte auf die Treibstoffpreise durch, so Loacker.

Konjunktur leidet

Der Angriff auf Saudi-Arabien trifft die Wirtschaft aber zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

„Der Drohnenangriff hat den Rohölpreis um sieben Dollar ansteigen lassen“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. „Das erhöht die deutsche Ölrechnung um schätzungsweise fünf Milliarden Euro.“

Das entspreche zwar nicht einmal 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Aber: „Ein Anstieg der Ölpreise um zehn Euro pro Barrel würde die deutsche Wirtschaft vermutlich endgültig aus der Stagnation in eine milde Rezession abrutschen lassen“, sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding.

Das hätte unmittelbare Auswirkungen auf Österreich: Deutschland ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner.

Durch den Anschlag sind schlagartig ungefähr 5 Prozent der globalen Ölproduktion ausgefallen.

Wenn es sich lediglich um einen kurzfristigen Effekt von einigen Tagen handele, werde dies keine spürbaren Auswirkungen auf die Konjunktur haben, sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. Andere Öl produzierende Länder könnten ihre Produktion erhöhen und den Ölmarkt stabilisieren.

"Nicht dramatisieren"

Der Vorfall sei zwar einzigartig, dennoch bestehe "kein Grund zu übertriebener Dramatisierung", findet auch Raiffeisen-Experte Valentin Hofstätter. Der Grund: Allein Saudi-Arabien habe Exportlager von fast 200 Mio. Fass und könne die Ausfälle mehr als einen Monat lang kompensieren.

Dazu hätten die USA strategische Reserven von mehr als 600 Mio. Fass, deren Freigabe die US-Regierung bereits angekündigt hatte, falls es nötig sein sollte. Obendrein sei der Ölmarkt ohnehin oberversorgt gewesen und die Öllager übervoll. Raiffeisen Research hebt seine Ölpreisprognose (64 US-Dollar für Ende 2019) deshalb trotz der jüngsten Ereignisse nicht an.

Die Gefahr für die Konjunktur kommt eher daher, dass Anleger und Investoren nun einen weiteren Risikofaktor einpreisen müssten. Die Gefahr einer Eskalation des Konfliktes der USA mit dem Iran sei das größte Risiko für weitere Ölpreisanstiege, so Hofstätter.

Wenn die USA einen Krieg gegen den Iran beginnen sollten, würde das die Lage dramatisch verändern. „Das würde die gesamte Golfregion destabilisieren“, sagte Commerzbank-Chefökonom Krämer. „Immerhin gehen 30 Prozent der seewärtigen Ölexporte durch die Straße von Hormus.“ In diesem Risikoszenario wäre eine Verdoppelung des Ölpreises nicht ausgeschlossen.

Von der US-Regierung und DigitalGlobe bereitgestellte Fotos zeigen die von den Drohnen verursachten Schäden an der saudischen Ölanlage Abkaik.

Von der US-Regierung und DigitalGlobe bereitgestellte Fotos zeigen die Schäden an Saudi Aramcos Khurais-Ölfeld.

Von der US-Regierung und DigitalGlobe bereitgestellte Fotos zeigen die von den Drohnen verursachten Schäden an der saudischen Ölanlage Abkaik.

Ein Bild des Khurais-Ölfeldes vor den Drohnen-Attacken.

Börsenchart der ANB Bank in Riyadh. Die saudischen Aktienmärkte reagierten natürlich auf den Vorfall, allerdings vergleichsweise moderat.

Auch aus dem All zu sehen: Ein Satellitenbild von Planet Labs Inc.zeigt die Rauchschwaden der Ölverarbeitungsanlage Abkaik.

Rauchschwaden von der brennenden Anlage in Abkaik

Der Screenshot eines am 14. September per Social Media verbreiteten Videos zeigt das Feuer in Bukaik.

Ein NASA-Satellitenbild zeigt die Rauchschwaden nach den Anschlägen.Die Halbinsel ist Katar, die Insel zeigt Bahrain.

Die Brände in Abkaik, aus einem per Social Media verbreiteten Video.

Belastung für Konjunktur

„Die geopolitischen Unsicherheiten könnten die Stimmung der Unternehmen und Konsumenten belasten, in Deutschland und weltweit“, warnte auch Rees. „Neben dem Handelskonflikt und dem Brexit ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor dazu gekommen.“

Auch Schmieding sieht gute Chancen dafür, dass sich der Ölmarkt wieder beruhigt. „Allein am Öl wird es wohl nicht liegen, ob es zur Rezession kommt“, sagte er deshalb.

 

„Dann würde sich die deutsche Ölrechnung um einen Betrag erhöhen, der 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspräche“, sagte der Experte. „Das wäre ein riesiges Problem für die deutsche Wirtschaft, zumal ein Krieg mit dem Iran die allgemeine Unsicherheit massiv erhöhen würde.“

Reaktion der USA entscheidet

Ob der Ölpreis für die deutsche Wirtschaft zum Problem werde oder nicht, hänge daher davon ab, wie die Amerikaner auf den Drohnenangriff reagieren.Der Iran wies Vorwürfe aus den USA zurück, für die Angriffe auf saudiarabische Ölanlagen verantwortlich zu sein. „Diese Anschuldigungen werden als inakzeptabel und völlig unbegründet verurteilt“, sagte ein Außenamtssprecher.

Am Sonntag hatte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter erklärt, der Iran stecke hinter dem Angriff auf die größte Ölverarbeitungsanlage der Welt.

Auch Österreich betroffen

Der massive Ölpreisanstieg nach den Angriffen auf die größte Ölanlage Saudi-Arabiens hat auch am heimischen Aktienmarkt Spuren hinterlassen. Die beiden österreichischen Ölaktien OMV und Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment (SBO) zogen am Montagvormittag deutlich an und hievten den Leitindex ATX in einem schwachen europäischen Börsenumfeld in die Gewinnzone.