Sanierungsverfahren: Gradwohl kämpft erneut ums Überleben – 40 Jobs in Gefahr
Es ist ein bitteres Déjà-vu für die Belegschaft der Ing. H. Gradwohl GmbH: Gerade einmal vier Jahre nach einem erfolgreich abgeschlossenen Sanierungsverfahren steht das Traditionsunternehmen aus Melk erneut vor dem Abgrund. Über das Vermögen des Druck- und Kunststoffspezialisten wurde ein neuerliches Sanierungsverfahren beantragt. Diesmal stehen bis zu 40 der insgesamt 160 Arbeitsplätze auf der Kippe.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2,6 Millionen Euro Verbindlichkeiten stehen mageren 490.000 Euro liquiden Mitteln gegenüber. Rund 140 Gläubiger warten auf ihr Geld. „Die Situation am Markt und damit auch für Gradwohl ist äußerst angespannt“, bestätigt Insolvenzrechtsexperte und Anwalt David Leisch, der das Unternehmen als Schuldnervertreter durch das Verfahren begleitet.
Vom Hoffnungsträger zum Krisenfall
Dabei hatte nach der ersten Sanierung 2022 alles nach einer Erfolgsgeschichte ausgesehen. Trotz schwieriger Wirtschaftslage entwickelte sich Gradwohl positiv, selbst die verheerenden Folgen der Hochwasserkatastrophe 2024 konnte das Unternehmen bewältigen. Doch dann kam das Jahr 2025 – und mit ihm der perfekte Sturm.
Wichtige Kundengruppen wie der Einrichtungshandel, der Lebensmitteleinzelhandel sowie der Maschinen- und Fahrzeugbau gerieten massiv unter Druck. Mehrere bedeutende Marktteilnehmer fielen komplett weg, andere strichen ihre Investitionen und Werbebudgets radikal zusammen. Die Folge: Die Nachfrage nach Gradwohl-Produkten brach spürbar ein.
Kostenlawine erdrückt die Erholung
Gleichzeitig rollte eine Kostenlawine auf das Unternehmen zu. Kunststoffe, Energie, Kartonagen, Farben – alle wichtigen Vorprodukte verteuerten sich massiv. Hinzu kamen die kräftigen Lohn- und Gehaltserhöhungen der vergangenen Jahre, die das Unternehmen zusätzlich belasteten. Die erhoffte Finanzierungsrunde zur Stabilisierung? Gescheitert.
„Ohne rasche und konsequente Maßnahmen wird eine Fortführung im gegebenen Umfeld schwierig werden“, warnt Leisch. „Daher prüfen wir derzeit sämtliche Einsparungspotenziale, und dazu gehören auch die Personalkosten.“
Produktion läuft
Ein Hoffnungsschimmer: Trotz der prekären Lage laufen die Maschinen in Melk weiter. Alle offenen Kundenaufträge sollen erfüllt werden. Das Ziel des Sanierungsverfahrens ist klar definiert: die Fortführung und wirtschaftliche Stabilisierung des Unternehmens – mit möglichst vielen erhaltenen Arbeitsplätzen.
„Gemeinsam mit dem vom Gericht bestellten Insolvenzverwalter werden wir alles daransetzen, die Sanierung erfolgreich umzusetzen“, verspricht Leisch. Ob das gelingt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Für 40 Mitarbeiter und ihre Familien könnte es dann bereits zu spät sein.
Gradwohl ist damit ein weiteres Beispiel für die schwierige Lage vieler mittelständischer Industriebetriebe in Österreich, die zwischen wegbrechender Nachfrage und explodierenden Kosten zerrieben werden. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie viele weitere Unternehmen folgen werden.
Kommentare