PK ROSENBAUER INTERNATIONAL AG "JAHRESERGEBNISSE 2017": SIEGEL

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Wirtschaft
11/16/2021

Rosenbauer-Chef: "Letztes Jahr war einfacher als dieses"

Dieter Siegel geht mit der Regierung wegen des Zögerns und der geringen Vorausschau in der Corona-Pandemie hart ins Gericht.

von Thomas Pressberger

Dieter Siegel rechnet mit der Politik ab. Für den Vorstandsvorsitzenden des österreichischen Feuerwehrausrüsters Rosenbauer, der am Dienstag die Zahlen für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres vorlegte, ist das derzeitige „vermeintliche Jahr nach der Corona-Krise schwerer als das vergangene Jahr“.

Permanente Störungen

Die Auftragsbücher seien zwar voll und die Wirtschaft springe an, doch sei die Industrie mit permanenten Störungen konfrontiert, die Effizienz nehme ab und die Anstrengung zu. Auf ein Fahrgestell für einen Feuerwehrwagen warte Rosenbauer derzeit bis zu einem Jahr, vor Corona seien es drei Monate gewesen.

Die Regierung habe in Österreich viel zu zögerlich reagiert: „Ich kann nicht verstehen, dass es so wenig Voraussicht gab“, sagt Siegel. Maßnahmen erst ab Infektionszahlen von 10.000 zu ergreifen, sei zu spät. Man hätte früher und strengere Maßnahmen ergreifen müssen und nicht sekundäre Schutzmaßnahmen wie Hände waschen, Masken tragen und Abstand halten vernachlässigen dürfen.

„Es wurde in den vergangenen Monaten zu viel gelockert und zu viel positive Stimmung verbreitet. Das lässt sich nur schwer wieder zurückdrehen“, sagt Siegel. Nun befänden wir uns in einer Situation, in der die Positionen der Impfbefürworter und Impfgegner festgefahren seien.

Die jetzige Situation sei sehr schwierig für Unternehmer. Wenn jemand zum Beispiel drei Kinder habe und jedes in einer anderen Woche in Quarantäne müsse, dann sei nichts mehr planbar. Und zum zu erwartbaren Debakel in der Tourismusbranche meint Siegel: Im November zu versuchen, noch die Wintersaison zu retten, das funktioniere einfach nicht.

Sechs Stunden Gültigkeit

Für den Feuerwehrausrüster läuft es zwar nach drei Quartalen des aktuellen Geschäftsjahres immer noch relativ gut – der Umsatz fiel von 713,9 auf 649,5 Millionen Euro und der Gewinn von 17,3 auf 6,8 Millionen Euro das Wirtschaften fiel den Leondingern aber auch schon einmal leichter.

Das Unternehmen kämpft mit steigenden Preisen und Lieferproblemen. Ein Lieferant habe einmal sogar ein Angebot mit nur sechs Stunden Gültigkeit gestellt, erzählt Siegel. Derzeit würden sich die Lagerbestände erhöhen, jedoch die zu fakturierenden Umsätze zurückgehen – das sei ein weltweites Problem, sagt Siegel.

Als Ausgleich kann sich das Unternehmen über einen höheren Auftragsbestand freuen. Dieser liegt mit 780 Millionen Euro um 120 Millionen über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Für das Gesamtjahr rechnet Siegel mit einem stabilen Umsatz und einer Ebit-Marge von 4,5 bis 4,8 Prozent. Für die kommenden Monate sei es wichtig, im Lager Reserven anzulegen um die schwankende Versorgung auszugleichen.

Stabilität durch höhere Löhne

Bei den abgeschlossenen Metaller-Kollektivvertragsverhandlungen, die mit einem Lohn- und Gehaltsplus von 3,5 Prozent endeten, hätte sich Siegel etwas mehr Augenmaß gewünscht. „Die Unternehmen befinden sich in einer schwierigen Phase, die Erhöhung ist an der Grenze gelegen“, sagt Siegel. Er hätte sich ein Plus von drei Prozent gewünscht.

Allerdings habe der hohe Abschluss auch etwas Gutes: Facharbeite würden dadurch noch teurer, weshalb Unternehmen weniger stark versuchen würden, anderen Unternehmen diese abzuwerben. Und die höhere Kaufkraft könne in turbulenten Zeiten wie der vierten Corona-Welle für Stabilität sorgen.

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