Risikofinanzierung hat es in Österreich weiterhin schwer

Berthold Baurek-Karlic vom Beteiligungsunternehmen Venionaire beklagt Mangel an Geldgebern und Verkauf von Betrieben ins Ausland.
Risikofinanzierung hat es in Österreich weiterhin schwer

Im ersten Quartal 2026 hat der europäische Venture-Capital-Markt eine Kehrtwende erlebt. „Während das Investitionsvolumen auf rund 21,3 Milliarden US-Dollar gestiegen ist, verteilt sich dieser Betrag auf immer weniger Unternehmen“, erklärt Berthold Baurek-Karlic, CEO von Venionaire Capital.

„Investoren suchen nach Planbarkeit und Sicherheit. Junge Unternehmen mit unvorhersehbaren Umsatzentwicklungen – sofern sie überhaupt welche haben – sind aktuell keine attraktive Anlage. Stattdessen bevorzugen Investoren etablierte Unternehmen mit vorhersehbaren Umsätzen und einer stabilen Marktposition. Für diese zahlen sie weiterhin hohe Bewertungen“, so Baurek-Karlic weiter.

Sorge und Nervosität

Zu Beginn des Jahres seien die Investoren optimistisch gewesen. „Wegen der angespannten Lage im Nahen Osten wandelte sich dieser Optimismus in Sorge und Nervosität.“ Auch Venionaire Capital spürt die Folgen des Krieges. Das auf Private Equity (PE) spezialisierte Beratungs- und Beteiligungsunternehmen, das von Baurek-Karlic 2012 in Wien gegründet wurde, stand kurz davor, ein weiteres Büro in Dubai zu eröffnen. Dieser Plan sei nun vorläufig auf Eis gelegt – aber nicht abgesagt, betont Baurek-Karlic im KURIER-Gespräch. Insgesamt sei seine Gruppe mit ca. 250 Partnern in rund 40 Ländern tätig.

Die Lage im Iran ist aus seiner Sicht nicht das einzige aktuelle Problem für Risikofinanzierung durch Venture Capital für Start-ups oder Private Equity für bereits etablierte Unternehmen. „Wenn wie derzeit wenig in Start-ups investiert wird, dann gibt es irgendwann eine Lücke beim Wachstum hin zu größeren Unternehmen.“ Ein in Österreich noch viel größeres Problem sei der Generationenwechsel bei Mittelständern. „Es gibt auch dafür kaum Private Equity.“ Baurek-Karlic bedauert, dass der von der Regierung ab nächstem Jahr geplante Dachfonds dies im aktuellen Konzept nicht berücksichtigen würde. „Rundherum gibt es Staaten, die mutiger sind.“

Leichtfertige Freude

Es gehe auch darum, dass die Betriebe in Österreich gehalten werden. „Wir freuen uns leichtfertig darüber, wenn Unternehmen, die mit Steuergeld gefördert wurden, ins Ausland verkauft werden und dort dann Wertschöpfung geschaffen wird“, sagt Baurek-Karlic. Dies sei aber der falsche Ansatz. Unternehmen müssten im Land gehalten werden, etwa über einen Börsegang. In Österreich gebe es Top-Talente und -Universitäten sowie eine „unglaublich gute Forschung. Aber wir sind schwach auf der Kapitalseite“. Grundsätzlich sei die für den Dachfonds geplante Summe von einer halben Milliarde Euro zu wenig, der Branchenkenner würde sich die zehnfache Summe wünschen – mindestens.

Versicherungen, Pensionsfonds und Banken sollten sich wie etwa in Nordamerika stärker in PE engagieren, die gesetzlichen Möglichkeiten seien vorhanden. Und über einen Dachfonds sei auch das Risiko infolge der „extrem breiten Streuung“ geringer. „Ob Private Equity oder Venture Capital wirklich mehr Risiko als Staatsanleihen haben, darüber kann man diskutieren“, so der Fachmann. Und auch Immobilienwerte seien nicht immer im Steigen begriffen. Am Ende des Tages sollte für Kunden von Pensionskassen auch bezüglich Rendite etwas herausschauen, wirbt Baurek-Karlic für seine Branche.

Venionaire selbst versuche in direkten Gesprächen Finanzpartner von der Branche zu überzeugen und suche Partner, auch außerhalb Österreichs. Um der heimischen Investszene einen Schub zu geben, veranstaltet Venionaire im Juli zum bereits 12. Mal das „World Venture Forum“ in Kitzbühel. 350 Investoren aus 40 Ländern werden erwartet.

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