Start-up-Finanzierung: Österreich rutscht hinter Ukraine zurück

EY-Europa-Barometer: Investitionen in Start-ups stabilisieren sich wieder, aber Kapitalgeber sind deutlich wählerischer.
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Europäische Start-ups haben im Vorjahr fast 62 Mrd. Euro an Risikokapital eingesammelt. Das ist zwar deutlich weniger als in den Rekordjahren 2021 (88 Mrd.) und 2022 (75 Mrd.), bedeutet laut European Start-up-Barometer der Beratungsgesellschaft EY aber eine Stabilisierung. Der Markt pendle sich nach dem Abschwung wieder „auf einem hohen Niveau“ ein, heißt es in dem Bericht, allerdings unter neuen Spielregeln. 

Investorinnen und Investoren agieren deutlich selektiver, prüfen intensiver und die Prozesse dauern länger. Kapital fließt zunehmend in weniger, dafür größere Finanzierungsrunden. So ist die Anzahl der Deals gegenüber 2024 um 16 Prozent auf 7.738 gesunken – bereits das zweite Rückgangsjahr in Folge.

Mehr Substanz gefragt

„Investoren bündeln ihr Kapital, fokussieren sich stärker auf substanzielle Geschäftsmodelle und bevorzugen Unternehmen, die robuste Fundamentaldaten und klare Skalierungsperspektiven vorweisen können“, analysiert Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich.

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Florian Haas, Start-up-Experte EY

Großbritannien mit Abstand wichtigster Start-up-Standort

Europas wichtigster Start-up-Standort bleibt mit Abstand Großbritannien vor Deutschland und Frankreich. Trotz Rückgängen vereint der britische Markt mit rund 19 Mrd. Euro Volumen (-9 %) und insgesamt 2.338 Finanzierungsrunden (-21 %) mehr Investitionen und Volumen auf sich als Deutschland und Frankreich zusammen. Laut EY profitiert der Standort von einer ausgeprägten Dichte an internationalen Investoren, einem starken Universitäts- und Forschungsumfeld, konsequenten Scale-up-Programmen und einer seit Jahren etablierten Rolle als europäisches FinTech-, DeepTech- und KI-Zentrum.

Inhaltlich dominierten im Vorjahr vor allem drei Themen: Künstliche Intelligenz (KI), DefenceTech (Verteidigungsindustrie) sowie ClimateTech (Klima- und Energie).  

Österreich auf Platz 20 abgerutscht

Österreich verzeichnete 2025 ein schwaches Jahr und rutschte mit einem Investitionsvolumen von 253 Mio. Euro (-56 Prozent) von Platz 15 auf Platz 20 zurück – noch hinter die Ukraine und Lettland. Deals in zweistelliger Millionenhöhe sind selten. „Österreich hat ein aktives Gründungsumfeld, aber die Kapitaltiefe bleibt weiterhin deutlich zu gering“, analysiert Haas.  Die Zahl der Deals sei solide, aber die Runden selbst viel zu klein, um international mithalten zu können. „Für echte Skalierung braucht es mehr Wachstumskapital, insbesondere in späteren Phasen. Es ist kein Mangel an Ideen, sondern ein Mangel an Kapitalgröße, der die internationale Wettbewerbsfähigkeit begrenzt.“

Die größten heimischen Runden des Jahres – Refurbed mit rund 50 Mio. Euro sowie Enspired und Emmi AI mit jeweils rund 15 Mio. Euro – liegen um ein Vielfaches unter den europäischen Topdeals und verdeutlichen laut Haas die strukturelle Lücke. 

Guter Start ins Jahr 2026

Allerdings floss heuer in den ersten beiden Monaten bereits 200 Mio. Euro an Venture Capital, womit sich Österreich im Ranking wieder ein Stück nach vorne bringen konnte.

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