Schwere Vorwürfe gegen René Benko: "Natürlich fühlen wir uns betrogen"

Zuletzt wurde der Investor Riccardo Arduini als Zeuge von der Soko Signa einvernommen, der über René Benko wenig Schmeichelhaftes aussagte.
PROZESS GEGEN SIGNA-GRÜNDER RENE BENKO UND MITANGEKLAGTE: BENKO

René Benko und seiner Signa-Gruppe stand das Wasser schon bis zum Hals. Anfang 2023 musste er gegenüber seinen Investoren einräumen, dass die Signa Holding finanzielle Probleme hat.

„René Benko sagte, dass die Probleme der Signa durch Banken, steigende Zinssätze und vor allem durch Verluste verursacht worden waren“, schilderte der italienisch-brasilianische Investor Riccardo Arduini den Ermittlern der Soko Signa in einer Einvernahme die damalige Situation. „Zu diesem Zeitpunkt befürchteten wir, dass wir Geld verlieren könnten, dachten aber noch nicht, dass die ganze Sache komplett den Bach runter gehen würde.“

„Themen sehr gut verkauft“

Im Mai 2023 wollte Benko seine Kerninvestoren zu einer Kapitalerhöhung in Höhe von 350 Millionen Euro überreden, „um die Signa wieder auf Kurs zu bringen, und versprach im Gegenzug, die ausständigen Dividendenausschüttungen an die Gesellschafter durchzuführen“. René Benko habe den Gesellschaftern „solche Themen immer sehr gut verkauft“. „Diese Seite von René Benko konnte die Gesellschafter, uns eingeschlossen, immer wieder davon überzeugen, frisches Geld zu geben“, sagte Arduini.

300 Millionen Euro

Seine Familie und ihre Ameria Invest AG, die seit 2012 in der Signa investiert war, hatte Benko aber im Mai 2023 klargemacht, dass sie da nicht mitzieht.

„Wir würden kein frisches Geld zur Verfügung stellen, bevor die ausstehenden Darlehen, gemeint sind 250 Millionen an der Signa Holding und 50 Millionen Euro an der Signa Prime Assets, nicht zurückgezahlt sind“, sagte der Investor aus. „Nachdem von der Ameria Invest kein frisches Geld zu erwarten war, sollten die bestehenden Forderungen in Eigenkapital umgewandelt werden.“

Benkos Nervosität

Im Juli 2023 hat Benko in der Villa Eden Gardone am Gardasee ein Investorentreffen abgehalten. „Dort war René Benkos Nervosität bereits bemerkbar, es waren viele Personen anwesend und stellten viele kritische Fragen“, erinnerte sich der Investor. „Benko führte damals aus, dass finanzielle Mittel auch durch den Verkauf von Immobilien generiert werden sollten. Dass die Insolvenz offenbar unmittelbar bevorstand und vielleicht alternativlos war, wurde mir aus diesen Ausführungen aber nicht klar.“ Ungefähr zur selben Zeit soll Benko dann Arduini gebeten haben, das im Jahr 2022 gewährte, 250 Millionen Euro schwere Darlehen zu verlängern. Er könne es nicht fristgerecht zurückzahlen.

 Wiederholt hingehalten

„Ich habe darauf vertraut, dass wir die Rückzahlung des Darlehens zu einem späteren Zeitpunkt erhalten würden“, sagte er weiters. „Benko informierte uns, dass diese Darlehen vor allem zur Unterstützung des Elbtower-Projekts (in Hamburg) der Signa Prime Selection benötigt wurde. Er sagte mir auch, dass das Darlehen innerhalb von ca. einem Monat zurückgezahlt werden würde.“ Nachsatz: „Benko hat uns aber wiederholt hingehalten und nach Verlängerung des Darlehens gefragt.“ Mit der dritten Verlängerung wurde eine Stundung bis 31. Mai 2024 vereinbart. Die Signa Holding ging dann Ende 2023 pleite.

Wahrscheinlich angelogen

„Natürlich fühlen wir uns betrogen. Wir haben René Benko schließlich bis zum Schluss vertraut, dass er das Darlehen zurückzahlt, und im Vertrauen darauf mehrfach einer Verlängerung zugestimmt“, sagte Arduini. „Rückblickend betrachtet war das ein großer Fehler. Er hat mich wahrscheinlich von Beginn an angelogen, da ich annehme, dass er weit mehr wusste, als er mir über die angespannte finanzielle Situation gesagt hat.“

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