Rechnungshof über ÖBB: Zu wenige Züge, mehr Mängel

Der Rechnungshof hat die Jahre 2019 bis 2024 unter die Lupe genommen und empfiehlt den Bundesbahnen bessere Planung.
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Zusammenfassung

  • Rechnungshof kritisiert, dass trotz Angebots- und Fahrgaststeigerung bei den ÖBB mehr Ausfälle, Verspätungen und Materialmangel auftreten.
  • Die Pünktlichkeit der Züge liegt unter den Zielwerten, besonders im Fernverkehr, wobei Besserung erst bis 2030 erwartet wird.
  • Der Rechnungshof empfiehlt, das Angebot besser an die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Flotte und des Personals anzupassen.

Der Rechnungshof (RH) hat die Angebotsplanung der ÖBB im Personenverkehr geprüft, konkret Angebots-, Flotten und Personalkonzepte. 

Hauptmessage: Es gibt mehr Angebot, mehr Fahrgäste und mehr Züge - aber trotzdem zu wenige Züge und auch mehr Mängel. Die Hauptkritik besagt, dass das geplante Angebot vielfach nur dann bei den Fahrgästen ankam, wenn die Auslastung gering war. 

Der RH empfiehlt bessere Planung. Die Pünktlichkeit erreichte 2024 einen Wert von 93,6 Prozent.

Dieser Anteil pünktlicher Züge nach nah und fern entspricht laut RH einem Tiefstand gegenüber dem Planwert von 95,8 Prozent. Besonders stark waren die Zielabweichungen im Fernverkehr: 2024 sollte die Pünktlichkeit laut Plan 86,2 Prozent betragen, erreicht wurden 78,2 Prozent. Die Gründe dafür waren etwa ein sprunghafter Anstieg unpünktlicher Zugübergaben durch die Nachbarbahnen wie vor allem der kriselnden Deutschen Bundesbahn (DB), Baustellen, überfüllte Züge, Fahrzeugstörungen oder externe Ursachen wie etwa Unwetter.

Besserung im Fernverkehr wohl erst 2030

Trotz Gegensteuerungsmaßnahmen rechnete die ÖBB-Personenverkehr AG im Fernverkehr erst mittelfristig bis 2030 damit, dass sich die Zuverlässigkeit nachhaltig bessert. 

Zur Unpünktlichkeit im Nahverkehr trug hauptsächlich die Wiener S-Bahn-Stammstrecke bei - hauptsächlich wegen Materialmangels. Die Zuverlässigkeit der hiesigen Staatsbahn und Belastbarkeit der Fahrpläne in der Praxis litt auch unter einer eingeschränkten Verfügbarkeit der Züge, so der RH. 2024 fehlten wegen Lieferausfällen und Lieferverzögerungen im Nah- und Regionalverkehr über 80 Neufahrzeuge gegenüber der ursprünglichen Planung aus dem Jahr 2019. Die Angebotskilometer stiegen trotzdem kräftig.

Zunahme von Zugausfällen

Die untersuchte ÖBB-Personenverkehr AG hat die Aufgabe, Verkehrsdienstleistungen auf der Schiene im Auftrag des Bundes und der Länder abzuwickeln. Sie erweiterte im überprüften Zeitraum 2019 bis 2024 das geplante Verkehrsangebot um 19 Prozent von 103,61 Millionen Angebotskilometern auf 123,80 Millionen. Durchschnittlich fuhren über 5.000 Züge an Werktagen. Die Anzahl der Fahrgäste erhöhte sich im selben Zeitraum um zwölf Prozent von 266,6 auf 298,6 Millionen. In zehn Jahren, von 2014 bis 2024, stieg die Zahl der Fahrgäste um 27 Prozent.

Der Rechnungshof bemängelt auch die Zunahme von Zugausfällen. Von 2019 bis 2024 haben sich die Totalausfälle mehr als verfünffacht (plus 446 Prozent) - 2024 fielen 22.183 Züge aus. Personalbedingte Zugausfälle waren im Vergleich zur gesamten Anzahl der Zugfahrten gering: Im Jahr 2023 standen den mehr als 1,8 Millionen Zugfahrten der ÖBB-Personenverkehr AG 1.174 personalbedingte Zugausfälle gegenüber.

Empfehlungen des Rechnungshofs

Angesichts der negativen Auswirkungen von Verspätungen und Zugausfällen auf die Fahrgäste empfiehlt der Rechnungshof den ÖBB, ein Angebot zu planen, das die Leistungsfähigkeit aller an der Leistungserbringung beteiligten Gesellschaften des gesamten Konzerns berücksichtigt. Bis 2024 seien Störungen "mangels geeigneter Simulations- und Planungstools nur näherungsweise in den Planungsprozess eingeflossen". 

Also, so der RH: "Das Angebot soll auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Flotte abgestimmt werden, um die für die vereinbarte Qualität der Leistungserbringung notwendige Verfügbarkeit der Fahrzeuge sicherzustellen."

Dem Infrastrukturministerium, zu dem die ÖBB ressortieren, empfiehlt der RH unter anderem einen raschen Beschluss zum "Zielnetz 2040". Es gehe um die Grundlage für das zukünftig von Eisenbahnverkehrsunternehmen bereitzustellende Personenverkehrsangebot.

Anteil öffentlicher Mittel am Gesamterlös deutlich gestiegen

Die ÖBB bieten lediglich einen Teil ihres Verkehrs eigenwirtschaftlich an. Zu viele Strecken sind nicht ausgeglichen oder gar gewinnbringend betreibbar, der Gesetzgeber verlangt aber den Betrieb. Das ist für die vielen Randregionen Österreichs von essenzieller Bedeutung. Eigenwirtschaftliche Verkehre bot die ÖBB-Personenverkehr AG im Fernverkehr an, insbesondere auf der Westachse die Strecken zwischen Wien und Salzburg bzw. Wien und Passau. Dazu kommen gewissen Angebote im Ausland.

Insgesamt umfasste der eigenwirtschaftliche Verkehr im Jahr 2023 13,64 Mio. Plan-Angebotskilometer. Die Tariferlöse aus dem eigenwirtschaftlichen Fernverkehr der ÖBB betrugen von 2019 bis 2023 knapp 1,35 Mrd. Euro. Davon stammten 246 Mio. Euro aus öffentlichen Mitteln (Verbundtarife, Schüler- und Lehrlingsfreifahrten sowie Abgeltungen aus dem KlimaTicket Österreich). Der Anteil der aus öffentlichen Mitteln stammenden Erlöse am Gesamterlös lag 2019 bei 12 Prozent und erhöhte sich bis 2023 auf 23 Prozent.

Die ÖBB wiesen in ihrer Stellungnahme gegenüber dem RH darauf hin, dass sie den eigenwirtschaftlichen Fernverkehr als strategisch wichtigen Bestandteil ihres Angebots ansehe. Die Strecken auf der Westachse sowie die grenzüberschreitenden Verbindungen seien gezielt weiterentwickelt worden und würden zur Angebotsvielfalt und zur internationalen Vernetzung beitragen.

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