Güterverkehr bleibt größtes Sorgenkind bei den ÖBB

Ein Güterzug mit Containern steht auf einem Gleis.
Vor allem Streckensperrungen in Deutschland belasten das Geschäft. Ticketpreise steigen, aber unterhalb der allgemeinen Inflationsrate.

„Augen zu und durch“, sagt Bahn-Chef Andreas Matthä zur schwierigen Situation der Deutschen Bahn und den durch sie ausgelösten Streckensperrungen im Grenzgebiet zu Österreich. Viel mehr bleibt ihm momentan auch nicht übrig. In den kommenden eineinhalb Jahren dürfte sich die Situation jedenfalls kaum entspannen.

Denn ab Februar ist es die für den Güterverkehr in die deutschen Industriegebiete so wichtige Strecke von Passau Richtung Regensburg bzw. Nürnberg, die wegen einer Sanierung für ein Jahr gesperrt wird und daher kostspielig umfahren werden muss.

Danach trifft es für ein weiteres halbes Jahr die vor allem im Personenverkehr bedeutsame Strecke von Freilassing bei Salzburg nach Rosenheim bzw. München, die gesperrt wird, um die marode deutsche Bahninfrastruktur endlich auf Vordermann zu bringen.

Beide Sperren auf den wichtigsten Strecken in Richtung des österreichischen Haupthandelspartners belasten die ÖBB mit einem höheren zweistelligen Millionenbetrag für den teils langwierigen Umfahrungsverkehr, schilderte Matthä am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. „Kein Kunde zahlt Ihnen das.“

Konkurrent Straße

Wobei vor allem der Güterverkehr unter den Sperren leidet und nach den schwierigen Jahren für die heimische Industrie noch nicht aus den roten Zahlen herausfahren konnte. Dazu komme der Umstand, dass trotz des allgemeinen Bekenntnisses zum Klimaschutz immer mehr Güteraufkommen auf die Straße verlagert werde. Wobei der Mitbewerber nicht der heimische Frächter oder Spediteur sei, betont der Bahn-Chef, sondern der lang laufende Sattelschlepper, der quer durch Europa fahre. Matthä weiß: „Es geht allen Güterbahnen in Europa schlecht.“

Greife jedoch das bei der Rail Cargo laufende Restrukturierungsprogramm „Phönix“, dann könnte sich 2027 wieder ein kleines positives Ergebnis im Güterverkehr ausgehen, gibt sich der Bahn-Boss optimistisch.

Viel Geduld nötig

Bis jedoch die deutsche Bahninfrastruktur saniert sei, werde es gut und gern zehn Jahre dauern. Daran ändere auch die gute Gesprächsbasis zur neuen Chefin der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, die ursprünglich von den ÖBB kommt, nichts.

Im wesentlich besser laufenden Personenverkehr werde man die Ticketpreise auch in Zukunft nicht über der allgemeinen Teuerungsrate anheben. Trotz der jährlichen Erhöhungen seien die Ticketpreise der ÖBB nie die „Treiber der Inflation“ gewesen. „Das hat gute Tradition, es so zu tun“, sagt Matthä.

Sehr zufrieden ist der ÖBB-Chef mit der Inanspruchnahme der kürzlich eröffneten Koralm-Strecke samt dem dazugehörigen Tunnel. Matthä spricht von durchschnittlich rund 7.000 Fahrgästen pro Tag und einer Aufwertung der Strecke, etwa durch Firmenansiedlungen. Knapp unter sechs Milliarden Euro habe die Koralm gekostet.

Volkswirtschaftlich gesehen – also insgesamt, von den Arbeitsplatz- bis zu touristischen Effekten – sei das Projekt ein Riesengewinn. „Betriebswirtschaftlich rechnet sich das nie“, so Matthä.

Positiv hervorzuheben sei, dass die Politik zu den im Bahnausbau nötigen langfristigen Investitionen stehe. So könnten die Bundesbahnen für die Infrastruktur pro Jahr mehr als drei Milliarden Euro investieren.

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