Wirtschaft
28.10.2018

Q Logistics: Wenn der Lkw Verluste bringt

Die ÖBB wollte ihr defizitäres Speditionsgeschäft mit einem privaten Partner sanieren. Das ist gründlich misslungen.

Für die ÖBB sollte es ein Neubeginn sein, für die Logistik-Gruppe Quehenberger ein vielversprechender Versuch mit einem Staatsunternehmen. Entsprechend hoch waren beim Start von Q Logistics vor zwei Jahren die Erwartungen. Eine neue Dynamik, das Beste aus zwei Welten vereint. Einerseits der Großkonzern ÖBB, andererseits ein erfolgreiches mittelständisches Unternehmen, flexibel, schnell und mit flachen Hierarchien.

Heute ist Ernüchterung eingekehrt. Das Gemeinschaftsunternehmen, Österreichs größte Spedition, fährt hohe Verluste ein, die Eigentümer haben die Notbremse gezogen.

Vergangene Woche war Krisensitzung. Anwesend: ÖBB-Chef Andreas Matthä (SPÖ), Noch-Finanzvorstand Josef Halbmayr (ÖVP) und Quehenberger-Boss Christian Fürstaller. Rund 26 Millionen Euro Verlust im Vorjahr (der KURIER berichtete ), heuer weiter im Minus, allerdings nicht mehr so hoch. Die Eigentümer haben für 2018 Kapital nachgeschossen, insgesamt 7,4 Millionen Euro. Aufgeteilt nach ihren Anteilen, 60 Prozent hält die ÖBB.

Eine Sanierung wird angesichts der Komplexität des Unternehmens äußerst schwierig. „Wir transportieren pro Tag 12.000 Sendungen von und zu 8500 Kunden“, schildert Halbmayr.

Im sogenannten Stückgut-Verkehr (50 bis 250 Kilo, von Papierrollen über Ersatzteile bis zu Lebensmitteln) fuhr die Bahn schon vorher beinahe jedes Jahr Verluste ein. Einmal mehr als acht Millionen (2014), im Jahr darauf 3,7 Millionen. Das Geschäft zählte zu den größten Defizitbringern der Frachtsparte Rail Cargo Austria.

Die Bahn hoffte, mithilfe eines privaten Partners endlich aus den Miesen zu kommen. Der damalige ÖBB-Chef Christian Kern garantierte dem Quehenberger-Team größtmögliche Flexibilität vonseiten der Staatsbahn. Nur war Kern zwei Wochen nach Unterzeichnung des Vertrags weg in Richtung SPÖ.

Der Großteil der jährlich 3,7 Millionen Sendungen wird nicht mit der Bahn, sondern mit Lkw transportiert. Das extrem zeitabhängige Geschäft bis vor die Haustüre bringt mehr als 260 Millionen Euro Umsatz und wäre über die Schiene gar nicht zu bewältigen. Rund 900 Lkw sind für Q Logistics täglich im Einsatz. Auf der Straße herrschen allerdings andere Gesetze als in einem Staatsbetrieb. Das Match gegen die Konkurrenten, von denen viele mit Dumping-Löhnen fahren, ist kostenmäßig nie zu gewinnen. Von den 1200 Q-Logistics-Mitarbeitern sind 340 Bahn-Beamte. Dafür ist man bei den Preisen am günstigsten.

Intern prallten zwei völlig gegensätzliche Kulturen aufeinander. „Wir haben die unterschiedlichen Unternehmenskulturen, die Aufbauorganisationen und die Geschwindigkeiten massiv unterschätzt“, sagt Fürstaller.

Als ob das nicht schon genug Probleme wären, funktionierte auch noch die IT nicht. Jede Sendung muss mehrmals gescannt werden, ÖBB und Quehenberger haben zwar eine ähnliche IT, doch die Komplexität bei der Übernahme der Daten in beide Systeme dürfte man unterschätzt haben. „Das war wie eine Operation am offenen Herzen“, erinnern sich Beteiligte. Man brauchte zusätzliche Mitarbeiter und noch mehr Fahrzeuge.

Ein Staatsunternehmen, das mit Millionen-Verlusten in einen von privaten Konkurrenten umkämpften Markt hineinfährt, das macht sich wirtschaftspolitisch gar nicht gut. Abgesehen davon, dass die Verluste zu Lasten der Steuerzahler gehen.

„Wir setzen alle Hebel in Bewegung, um das Geschäft zu sanieren. Alle operativen Kennzahlen zeigen in die richtige Richtung“, hofft Halbmayr, Aufsichtsratsvorsitzender von Q Logistics. Die IT ist nun im Griff, die Zahl der 25 Standorte wird reduziert und vorsichtig werden Preiserhöhungen ausgetestet. Ein Verkauf des Unternehmens ist kaum möglich, der Marktführer ist für die Konkurrenz vermutlich zu groß. Und was macht die Bahn dann mit ihren Mitarbeitern?

Fragt sich, wie lange Quehenberger noch an Bord bleibt. „Wir wollen auf alle Fälle Partner bleiben“, mehr will Fürstaller nicht verraten. Eine Option wäre, dass Quehenberger als Miteigentümer aussteigt, doch als Partner weiter kooperiert.