IfW-Präsident Gabriel Felbermayr gab seine Einschätzung ab

IfW-Präsident Gabriel Felbermayr.

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Wirtschaft
04/06/2021

Promi-Ökonom Felbermayr: So tickt der neue WIFO-Chef

Der Globalisierungsexperte wechselt im Oktober von Kiel an das Wirtschaftsforschungsinstitut in Wien

von Michael Bachner

Er ist so etwas wie der Chefökonom aus dem hohen Norden und in Deutschland einer der gefragtesten, weil scharfzüngigsten Kommentatoren für wirtschaftspolitische Themen. Diese Rolle soll Medienliebling Gabriel Felbermayr (44) ab 1. Oktober auch am Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) in Wien wahrnehmen.

Felbermayr folgt als Leiter des WIFO Christoph Badelt (70) nach, der an die Wirtschaftsuniversität zurückkehrt, deren Rektor er 13,5 Jahre lang war. Und Badelt weiß um die Strahlkraft seines jungen Nachfolgers: „Felbermayr war von allen Kandidaten einfach jener, der alle Ausschreibungsbedingungen geradezu ideal erfüllt hat: die Kombination aus wirtschaftswissenschaftlicher Expertise, Leitungserfahrung an einem großen Institut, aber auch die nötige Erfahrung in der Politikberatung und im Umgang mit Medien.“

Wien ist attraktiver

Vor allem Letzteres hat Felbermayr ab 2019 als Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel bewiesen. Er machte mit pointierten Aussagen von sich reden („Ich glaube nicht an die Planwirtschaft“, Corona-Hilfen sind „schäbig“) und aus dem leicht angestaubten IfW wieder ein Vorzeigeinstitut.

In Kiel nimmt man seinen Abschied denn auch mit schwerem Herzen zur Kenntnis. Sein Vertrag wäre bis 2024 gelaufen, aber Felbermayr zieht es auch aus „privaten und familiären Gründen“ nach Wien, wie er sagt.

Das verwundert kaum. Der in Steyr (OÖ) geborene Ökonom hat lange Wanderjahre durch Deutschland hinter sich und sagte schon bei seiner Übersiedelung an die Ostseeküste, dass er privat „immer soviel Zeit wie möglich in Österreich verbringen“ wolle. Sein Wochenendhaus im Steyrtal kann er jetzt wesentlich einfacher erreichen.

So übersiedelt der überzeugte Europäer, der in Florenz promoviert hat, mit einer Französin verheiratet ist und drei Töchter hat, die alle auf die französische Schule gehen, demnächst nach Wien – in die einwohnermäßig fast zehn Mal so große Stadt.

Was aber macht den „ehrgeizigen Antreiber“ (Die Zeit) und „souverän auftretenden Wissenschaftler“ (Handelsblatt) als Ökonom aus? Bekannt wurde Felbermayr ausgerechnet durch Donald Trump und dessen Handelskonflikte mit China und der EU. Plötzlich waren wieder sperrigere Themen wie Globalisierung und Protektionismus gefragt – ein gefundenes Fressen für den eloquenten Außenwirtschaftsexperten.

Felbermayr kann komplizierte Zusammenhänge einfach erklären und argumentiert mitunter aus einer unerwarteten Perspektive.

So zeigte er gegen den Mainstream ein gewisses Verständnis für den Brexit, denn Großbritannien habe schließlich weniger als andere Länder vom Binnenmarkt profitiert.

Ein Neoliberaler?

Oder: Für ihn sind Freihandelsabkommen das Mittel der Wahl. So sagte er auch beim transatlantischen TTIP Wachstum und Arbeitsplatzgewinne voraus, die starke Gegenbewegung zum Pakt nannte er jedoch „hysterisch“. Die Kritiker stempelten ihn kurzerhand zum kaltherzigen Neoliberalen.

Solche Zuschreibungen pariert Felbermayr, der mit 32 der jüngste deutsche Wirtschaftsprofessor (in Stuttgart) war, locker. Heute müsse man Diagnosen und Empfehlungen aus Daten ableiten, nicht aus Grundüberzeugungen, sagte er dem Handelsblatt. Und: „Die Zeit der Dogmen ist vorbei.“

Mit Pragmatismus wagte sich Felbermayr zuletzt auch in Bereiche außerhalb des Feldes eines Globalisierungsexperten vor. So kritisierte er Elemente der Corona-Politik scharf oder bezeichnete die deutsche Klimapolitik als ineffizient und schädlich für die Wirtschaft.

Gerade der Kampf gegen den Klimawandel ist auch am WIFO das ganz große Zukunftsthema. Man kann sich dort auf die Positionen des Neuen schon einstellen. Felbermayr tritt u. a. für strengere internationale Vereinbarungen und für -Zölle auf Importwaren ein und ist gegen Alleingänge mit vermeintlich überzogenen Klimazielen. Sein Standpunkt lautet: „Deutschland kann das Klima nicht allein retten.“

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