Pikant: Weinbau-Betrieb zum zweiten Mal pleite

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Foto: APA Golser Weinbauer legt zweite Pleite hin

Bereits im ersten Insolvenzverfahren schauten Gläubiger durch die Finger. Weinbauer will aber weitermachen.

Zwei Mal innerhalb von acht Jahren in die Insolvenz zu schlittern, das ist auch im Weinbau eher ungewöhnlich. Über das Vermögen des Weinbauern Thomas Hans Lehner, Jahrgang 1985, mit Sitz Druschplatz 1 in Gols, Burgenland, wurde am Mittwoch am Landesgericht Eisenstadt ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Das bestätigen die Gläubigerschutzverbände Creditreform und KSV1870 dem KURIER. Das Unternehmen hat rund 705.700 Euro Schulden. Zur Erntezeit beschäftigt Lehner bis zu neun Mitarbeiter tageweise. Rund 22 Hektar Ackerland gehören zum Weinbaubetrieb. Die 20 Prozent Quote für die Gläubiger soll aus dem Fortbetrieb erwirtschaftet werden.

Aufgrund von zwei Investoren, die einsteigen, stehen die Chancen gut, dass das Sanierungsverfahren bzw. die Entschuldung erfolgreich abgewickelt wird.

„Der Antragsteller betreibt seit 2013 in Gols als pauschalierter nicht protokollierter Landwirt ein Weinbauunternehmen. Zuvor betrieb der Antragsteller ein Lohnunternehmen, welches für Weinbaubetriebe zuarbeitete“, heißt es dazu von Creditreform. „Über das Vermögen dieses Unternehmens wurde 2009 das Konkursverfahren eröffnet, welches keine Quote für die Gläubiger brachte. Die Forderungen dieses Verfahrens fließen in das neue Sanierungsverfahren mit ein.“

Und der Gläubigerschutzverband KSV1870 schreibt dazu: "Über den Schuldner, der seinerzeit ein Lohnunternehmen betrieb, welches für andere Weinbaubetriebe arbeitete, war bereits im Jahr 2009 ein Konkursverfahren eröffnet worden, welches im September 2012 mangels kostendeckenden Vermögens aufgehoben wurde, sodass keine Entschuldung herbeigeführt werden konnte. Die Altlasten aus dieser Insolvenz in Zusammenhang mit Ernteausfällen in den Jahren 2014 und 2015 machten es nunmehr erforderlich, den vorliegenden Antrag auf neuerliche Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen."

Auch Privatkonkurs beantragt

Laut Ediktsdatei des Justizministeriums hat ein Gläubiger im Jahr 2016 einen Insolvenzantrag gegen die Privatperson Lehner beim Bezirksgericht Neusiedl eingebracht. Am 2. September 2016 gab das Gericht bekannt: "Das Schuldenregulierungsverfahren wird mangels Kostendeckung nicht eröffnet. Der Schuldner ist zahlungsunfähig."

Die Geschichte

Thomas Hans Lehner bestellt 14 Hektar gepachtete Weingärten und vertreibt seine Weine über den Großhandel, Abnehmer sind Metro Cash & Carry, Pfanner & Gutmann und Kurt Müller Weinexport. Ab-Hof-Verkauf gibt es keinen. „Bis Ende August 2017 war der Betrieb „prekaritisch im Weinbaubetrieb Johann Münzenrieder in Gols etabliert“, teilt der Weinbauer mit. Das heißt die Nutzung ist bis auf Widerruf durch den Eigentümer gestattet.

Der Umsatz betrug 2015 rund 143.000 Euro, ein Jahr später 191.000 Euro und für das Gesamtjahr 2017 wird mit 300.000 Euro gerechnet. Im ersten Halbjahr lag der Umsatz bei 138.000 Euro.

Der Hintergrund

„Die Insolvenzursachen liegen in witterungsbedingten massiven Ernteausfällen infolge Frost und Hagel bei den Jahrgängen 2014 und 2015, welche das Unternehmen derart belasteten, dass die Produktions- und Vertriebsstruktur an die Steigerung der Produktionsmenge nicht optimal angepasst werden konnte“, heißt es weiter. Lehner musste auch Traubengut am freien Markt zu hohen Preisen zukaufen, um Lieferverbindlichkeiten nachkommen zu können. „Das zusammen mit den bestehenden Altlasten aus der Insolvenz 2009 führten zur Zahlungsunfähigkeit.“

 Die Zukunft

Künftig soll ein Vertriebspartner die kaufmännische und buchhalterische Seite unterstützen. Außerdem sollen die Weine verstärkt auf dem deutschen Markt vertrieben werden. Auch sollen zwei Investoren in die neu gegründete Thomas Lehner GmbH einsteigen. Außerdem wurde ein neuer Standort in Illmitz angemietet.

Schulden und Vermögen

Die Ernte 2017 führte zu einer Menge von 54.233 Liter. Dazu kommen noch ein Fass-Weinlager mit 14.166 Litern und ein Flaschenwein-Lager mit einem Volumen von 12.908 Litern. Die neue Gesellschaft soll das Weinlager ankaufen.

Die Aktiva werden mit 176.450 Euro beziffert und bestehen aus dem Verkaufspreis des gelagerten Weines. Der Durchschnittspreis im Großhandel beträgt fünf Euro pro Liter. Die Weinmenge 2017 wird mit einem Wert in Höhe von 0,75 Euro pro Liter beziffert. Die Passiva werden mit 705.700 Euro ausgewiesen.

(Kurier) Erstellt am
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