Pressekonferenz des ├ľsterreichischen Seniorenrates

┬ę ├ľsterreichischer Seniorenrat/APA-Fotoservice/Schedl / Ludwig Schedl

Wirtschaft

Senioren fordern neue Berechnung bei Pensionsanpassung

Seniorenvertreter wollen nicht nur alleinige Ausrichtung nach Inflationsrate, sondern auch andere Faktoren miteinbeziehen.

06/30/2021, 12:53 PM

Die Seniorenvertreter fordern, dass bei der Pensionserh├Âhung k├╝nftig eine seniorengerechtere Systematik angewendet wird. Es brauche eine Anpassung des Verbraucherpreisindex an die Bed├╝rfnisse der ├Ąlteren Generation, erkl├Ąrten am Mittwoch die Vertreter des Seniorenrates, Peter Kostelka und Ingrid Korosec. Au├čerdem sollten neben der Preisentwicklung auch weitere Faktoren ber├╝cksichtigt werden. Die Senioren sollten nicht nur als Kostenfaktor gesehen werden, so die Botschaft.

Die derzeit laut dem allgemeinen Sozialversicherungsgesetz g├╝ltige Pensionsanpassungsformel ist alleine von der Inflationsrate abgeleitet, dies sei unbefriedigend, erkl├Ąrte SP├ľ-Pensionistenverband-Pr├Ąsident Kostelka auf einer Pressekonferenz in Wien. Er fordert eine Systematik, die neben der Teuerung auch die allgemeine Lohnentwicklung, das Wirtschaftswachstum und die Produktivit├Ąt ber├╝cksichtigt. Es m├╝sse sichergestellt sein, dass die Kaufkraft der Pensionen gesichert bleibe. Die Systematik solle sich auch an k├╝nftigen Lohnabschl├╝ssen orientieren. "Pensionisten d├╝rfen nicht Zaung├Ąste der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes sein", sagte er.

Studie

Zur Untermauerung der Forderungen pr├Ąsentierte der Seniorenrat eine beim Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO in Auftrag gegebene Studie. Autorin Christine Mayrhuber verwies darauf, dass seit In-Kraft-Treten des aktuellen ASVG-Gesetzes im Jahr 2004 die Vorgabe, wonach der Pensions-Anpassungsfaktor auf der Grundlage der Jahresinflationsrate (August bis Juli) erh├Âht wird, nur in drei Jahren uneingeschr├Ąnkt angewendet wurde. In den anderen Jahren gab es entweder Erh├Âhungen unter dem Richtwert (2011, 2013, 2014) oder dar├╝ber (2020, 2021).

Zwischen 2004 und 2019 lag laut WIFO-Berechnungen die durchschnittliche Pensionsanpassung bei 1,7 Prozent pro Jahr, die Verbraucherpreise aber stiegen im selben Zeitraum im Schnitt um 1,9 Prozent. "Die Realit├Ąt ist: Die Verbraucherpreise sind gestiegen, die Pension wesentlich weniger", sagte dazu Kostelka. "Wir fordern nicht mehr, sondern ein gerechtes System."

Deutliche Unterschiede

Die WIFO-Studie verglich auch die Struktur der Haushaltsausgaben von Pensionisten-Haushalten mit jenen von j├╝ngeren Personen: Hier zeigten sich teils deutliche Unterschiede, die bei der Kaufkraftsicherung der Pensionen unber├╝cksichtigt bleiben. Mehrausgaben haben Pensionisten-Haushalte demnach vor allem im Bereich der Gesundheit (+69 Prozent gegen├╝ber j├╝ngeren Haushalten), andere Waren und Dienstleistungen (+48 Prozent) und Nahrungsmittel und alkoholfreie Getr├Ąnke (+12 Prozent). Der Preisindex m├╝sse das Verhalten der ├Ąlteren Generation besser abbilden, so Kostelka.

Die Studie verweist auch darauf, dass es neben ├ľsterreich nur f├╝nf europ├Ąische L├Ąnder gibt, wo die j├Ąhrliche Pensionsvalorisierung ausschlie├člich auf der Entwicklung der Verbraucherpreise erfolgt. Die Mehrzahl der Modelle ziehe mehreren Indikatoren heran, etwa Mischindizes aus Preisen und L├Âhnen, den BIP-Wachstumsraten oder auch die Beitragsentwicklungen.

Aufwendungen

Die Seniorenvertreter verwiesen auch auf die Bedeutung der Pensionisten f├╝r die Wirtschaft sowie f├╝r die Steuereinnahmen des Staates: Laut WIFO betrugen die Pensionsaufwendungen im Jahr 2015 58,1 Mrd. Euro. Im Gegenzug flossen 11,9 Mrd. Euro als Steuern oder Sozialbeitr├Ąge unmittelbar zur├╝ck an den Staatshaushalt, dar├╝ber hinaus leisteten Pensionshaushalte Umsatz- und Verbrauchssteuern im Ausma├č von 5,1 Mrd. Euro. Diese insgesamt 17 Mrd. Euro w├╝rden genau jenen 17 Mrd. Euro entsprechen, die der Staat dem Pensionssystem als Zuschuss zahlte, sagte ├ľVP-Seniorenbund-Pr├Ąsidentin Korosec. Dar├╝ber hinaus w├╝rden die Senioren ehrenamtliche T├Ątigkeiten leisten, die mit rund 8,6 Mrd. Euro bewertete werden.

"Wenn man es zusammenrechnet, haben die Senioren weit mehr eingebracht, als der Bund bezahlt hat", so die Seniorenvertreterin. "Wir sind nicht der Kostenfaktor, sondern ein ganz wichtiger Wirtschaftsfaktor."

Kostelka wie auch Korosec konstatierten, dass eine System-├änderung nicht von heute auf morgen stattfinden werde. Man habe aber bereits mit Sozialminister Wolfgang M├╝ckstein (Gr├╝ne) Kontakt aufgenommen und sei ├╝bereingekommen, "dass es Gespr├Ąche mit dem Sozialministerium gibt, wir harren ungeduldig diesem Gespr├Ąch", so Kostelka.

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