© Deutsch Gerhard

Wirtschaft
11/18/2020

Palmers-Chef Tino Wieser: "Das ist ein Vollfiasko"

Palmers-Chef Tino Wieser über 200 geschlossene Geschäfte, einen Onlineshop und Staatshilfen, die nichts retten können.

von Simone Hoepke

200 Geschäfte allein in Österreich, derzeit allesamt geschlossen. So könnte man die aktuelle Situation von Tino Wieser und seiner Textilhandelskette Palmers kurz zusammenfassen. Und man merkt dem Unternehmer – der Palmers gemeinsam mit seinen beiden Brüdern und Matvei Hutman vor gut fünf Jahren übernommen hat – an, dass er um Fassung ringt, wenn er vom Status quo berichtet.

Die Hilfen, die sein Unternehmen jetzt für die Zeit des Lockdowns ansuchen kann, seien nämlich „nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein“. Wieser zündet sich eine Zigarette an und sagt: „Die Politiker stellen sich jetzt hin und tun so, als würden sie Geschenke verteilen, für die ich als Unternehmer dankbar sein muss. Unglaublich. Es geht hier schließlich um die Verteilung von Steuergeld“, so der Unternehmer und Chef von knapp 600 Mitarbeitern (Vollzeitäquivalente).

Überhaupt könne er die Entscheidungen der Politik nicht nachvollziehen. „Man kann nicht zuerst sagen, ‚koste es, was es wolle‘ und dann eine Deckelung der Hilfen bei 800.000 Euro verkünden. Mit diesem Betrag bin ich bei 15 Prozent jenes Umsatzes, den ich normalerweise gemacht hätte. Das ist ein Vollfiasko.“

Apropos wirtschaftlich.

Palmers hat einen langen Weg aus der Krise hinter sich. Im Jahr 2019/20 (per Ende Jänner) erzielte die Wäschefirma zwar auf EBITDA-Basis ein positives Ergebnis von 2,9 Millionen Euro, unter dem Strich aber einen Nettoverlust von 2 Millionen Euro. Der erste Lockdown hat den Textilhändler 12 Millionen Umsatz gekostet, seit August ging es wirtschaftliche wieder bergauf. „Wir hatten jedes Monat eine Umsatzplus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und hätten so den Lockdown vom Frühjahr ausgleichen können“, sagt Wieser.

Doch mit der zweiten Zwangsschließung bis 6. Dezember könne er sich das aufzeichnen. „Wir werden noch einmal sechs Millionen verlieren.“ Der Onlineshop – dessen Umsätze sich seit Ausbruch der Pandemie vervierfacht haben – sei auch keine Rettung. Wieser: „200 geschlossene Geschäfte, das kann man nicht kompensieren.“

Neueröffnungen am 7. 12.

An seinem Expansionsplan will er trotzdem festhalten. Am 7. Dezember, wenn die Geschäfte wieder öffnen dürfen, sperrt er drei neue Filialen auf: In Zell am See, in der Salzburger Getreidegasse und im Grazer Murpark. „Palmers ist überall dort, wo es eine Kirche und eine Raiffeisen-Bank gibt“, so seine Devise. Also in jedem größeren Dorf.

Zur österreichischen Textilhandelskette Palmers gehören international knapp 300 Standorte, davon rund zwei Drittel in Österreich (wovon rund 80 Geschäfte von Franchisepartnern geführt werden).

Die Tage vor dem Lockdown seien „verrückt“ gewesen, sagt Wieser. „Am Samstag und Montag hatten unsere Franchisepartner den 2,5-fachen Umsatz, in unseren Filialen hatten wir ein Plus von 140 Prozent.“ Seine nüchterne Prognose für die kommenden Wochen: „Jetzt werden alle bei ausländischen Plattformen kaufen.“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.