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Aufreger Paketabgabe: Eine Maßnahme hilft laut Handelsforscher kaum

Die Abgabe von 2 Euro fällt nicht für Abholungen im Geschäft an. Click & Collect betrifft aber nicht einmal 6 Prozent der Online-Bestellungen.
FILE PHOTO: Employee works at Cainiao, Alibaba's logistics unit in Wuxi

Zusammenfassung

  • Die geplante Paketabgabe von 2 Euro pro Lieferung in Österreich lässt sich laut Handelsforschern kaum durch Click & Collect umgehen, da dieser Vertriebsweg nur einen geringen Marktanteil hat.
  • Internationale Plattformen ohne Abholoption dominieren den Markt, und die Mehrheit der Konsumenten bevorzugt die Zustellung nach Hause.
  • Die zusätzlichen Kosten der Paketabgabe werden laut Experten voraussichtlich an die Kunden weitergegeben.

Die geplante Paketabgabe für Online-Händler in Höhe von 2 Euro pro Lieferung in Österreich wird sich laut einer aktuellen Analyse des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) an der Linzer Kepler-Universität kaum durch eine Selbstabholung im Geschäft umgehen lassen. Zwar sieht der Gesetzesentwurf eine Ausnahme für Click & Collect vor, dieser Vertriebsweg verliert jedoch an Bedeutung und machte 2025 nicht einmal 6 Prozent der gesamten heimischen Online-Ausgaben aus.

Amazon & Co: Keine Filialen zur Abholung

Die Handelsexperten begründen das vor allem mit der Dominanz internationaler Anbieter, die keine Filialen zur Abholung betreiben. So kaufen 87 Prozent der österreichischen Online-Shopper bei Amazon ein, 58 Prozent bei Plattformen wie Temu oder Shein. Zudem bevorzugen 59 Prozent der Konsumenten ausdrücklich die Zustellung nach Hause. Der Anteil von Click & Collect an den gesamten Online-Ausgaben sank dementsprechend von 7,0 Prozent im Jahr 2022 auf zuletzt 5,6 Prozent.

Paketabgabe trifft nahezu alle Online-Shopper

Besonders in ländlichen Regionen würden oft gute Alternativen zum Online-Kauf fehlen, betonte IHaM-Institutsvorstand Christoph Teller. Die Paketabgabe von 2 Euro werde, zumindest im aktuell diskutierten Entwurf, nahezu alle Online-Shopper treffen, meint Handelsforscher Ernst Gittenberger. Die zusätzlichen Kosten würden wohl größtenteils an die Kunden weitergegeben werden, meinen die Handelsexperten.

Wer muss die Paketabgabe bezahlen?

Betroffen sind alle Versandhändler und Marktplatzbetreiber mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz. Das sind große Plattformen wie Amazon, Zalando, Shein und Temu ebenso wie shopapotheke, Mediamarkt, XXLLutz oder Otto Versand. Sie müssen die Abgabe zusätzlich zur Mehrwertsteuer abführen. Allein Otto Versand rechnet mit 8 Mio. Euro im Jahr für den „Österreich-Aufschlag“. Über die Plattformhaftung sind mittelbar auch jene Händler betroffen, die z.B. Amazon als Vertriebskanal nutzen. In Österreich sind dies etwa 2.500 überwiegend kleine und mittelgroße Händler.

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