Wirtschaft 05.12.2011

Pächter kaufen ihre Schrebergärten

Die Bundesimmobiliengesellschaft verkauft 860 Kleingärten im Wiener Prater an ihre Pächter. Das Interesse ist groß.

Liebevoll gestaltete Gärten, kleine Teiche und - Gartenzwerge: Einige dieser Schrebergärten können ab sofort gekauft werden. Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) trennt sich von ihren 2100 Kleingarten-Parzellen (600.000 Fläche). 185 Kleingärten wurden bereits an ihre früheren Pächter verkauft und 10,5 Millionen Euro damit lukriert.

Aktuell stehen die 860 Kleingärten (230.000 Quadratmeter) im Prater (Wasserwiese) zum Verkauf. Allerdings gibt es eine Hürde zu überwinden: Verkauft wird nur, wenn mindestens 30 Prozent der Pächter sich für den Kauf entscheiden. Seit Mittwoch steht fest: "Wir verkaufen", bestätigt BIG-Sprecher Ernst Eichinger, "mehr als ein Drittel der Pächter haben sich für den Kauf entschieden." BIG-Vorstand Hans-Peter Weiss konkretisiert: "2012 wird mit dem Verkauf gestartet."

Die durchschnittlich 270 Quadratmeter großen Parzellen sind derzeit verpachtet. Der Pachtzins ist in der Regel moderat und beträgt zwischen 500 und 800 Euro im Jahr.

Kaufpreis

Der nun von der BIG angebotene Kaufpreis beträgt 200 Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche. "Ein unabhängiger Sachverständiger hat die Preise als Verkehrswerte ermittelt", betont Eichinger. Ein 200 Quadratmeter großer Kleingarten kostet also 40.000 Euro. Wer sich bereit erklärt, seine Parzelle zehn Jahre ab Kauf nicht weiter zu verkaufen, erwirbt um 20 Prozent billiger.

Zum Kauf berechtigt sind alle 860 Pächter, nicht nur jene, die bereits jetzt Kaufinteresse bekundet haben. Eichinger: "Unser Ziel ist es, alle Kleingärten zu verkaufen." Die Motivation zum Kauf des eigenen Schrebergartens ist meist nicht monetär begründet, sondern eher emotional. Eigentum ist Eigentum, man kann verkaufen oder vererben. Viele Kleingartenhäuser können ganzjährig bewohnt werden. Immer mehr Pächter nutzen die maximal bebaubare Fläche (50 m²) geschickt aus.

Die Bundesimmobiliengesellschaft trennt sich nicht nur von Kleingärten. Es geht um eine Portfoliobereinigung. 2800 Gebäude, davon 320 Schulen, 21 staatliche Universitäten und viele Amtsgebäude (Gerichte, Gefängnisse, Finanzämter, Polizeistationen) besitzt und betreut die BIG. Alles andere, wie Grenzstationen (z. B. jene in Thörl Maglern in Kärnten), Wohnungen, unbebaute Liegenschaften und Flugfelder, soll abgestoßen werden. Insgesamt hat die BIG im Zuge der seit 2001 laufenden Portfoliobereinigung bereits mehr als 650 Mio. Euro erlöst.

Neu

Kleingärten werden meist innerhalb der Familie weitergegeben. Daher ist viel Geduld nötig, um an einen Schrebergarten zu gelangen. Da der Wunsch nach Wohnen im Grünen in Wien groß ist, hat die Stadt soeben 24 Kleingärten samt Häusern in der Fritz-Kandl-Gasse in Floridsdorf gebaut.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011