Technik-Betriebsratschef Gerhard Berti (links) mit Stftungsratsvorstand Norbert Steger (FPÖ)und Josef Czap, SPÖ (rechts)

© ORF/Roman Zach-Kiesling

Wirtschaft von innen
12/12/2019

ORF-Betriebsratskaiser: Steile Karriere und Spitzengage

In der Belegschaft wird die Kritik an Technik-Betriebsratschef Gerhard Berti - Jahresgage rund 180.000 Euro - immer lauter.

von Andrea Hodoschek

Nach AUA, Telekom und OMV poppt jetzt im ORF heftige Kritik an den Privilegien der freigestellten Betriebsräte auf. Der Unmut, den Mitarbeiter auch in Mails an den KURIER äußern, fokussiert sich auf Gerhard Berti, Betriebsratschef der SPÖ-dominierten Technik, mit knapp 1200 Mitarbeitern die größte Abteilung im ORF.

Der einst als Lichttechniker eingestellte und seit 2008 freigestellte Berti ist in der Verwendungsgruppe (VG) 17 angekommen. Drüber gibt es nur noch Hauptabteilungsleiter.

Berti kann sich über ein Jahresbruttogehalt von insgesamt rund 180.000 Euro freuen. Darin inkludiert ist eine Mehrdienstpauschale. Diese ist grundsätzlich mit 2.200 Euro begrenzt, doch Berti soll 3.500 Euro erhalten – im Monat.

Berti, der für den KURIER nicht erreichbar war, soll auch einen alten Pensionsvertrag über 80 Prozent des Letztbezugs haben. Kollegen erinnern sich, dass er ihnen den Umstieg auf eine (ungünstigere) Pensionskasse empfahl.

Als Funktionär der Gewerkschaft younion (Vorsitzender der Hauptgruppe 8) soll Berti zudem eine monatliche Aufwandsentschädigung von 1000 Euro kassieren. ORF-Insider rechnen vor, dass der Herr Zentralbetriebsrat auf Grund seiner Qualifikation maximal in VG 14 käme. Die Differenz zu VG 17 macht rund 50.000 Euro im Jahr.

Hypothetischer Karriereverlauf

Laut Gesetz dürfen freigestellte Betriebsräte nicht schlechter, aber auch nicht besser gestellt werden als der Rest der Mannschaft. Maßstab ist der hypothetische Karriereverlauf: Welchen Aufstieg hätte der Personalvertreter gemacht, wäre er nicht freigestellt. Das lässt natürlich viel Spielraum zu.

Bei der teilstaatlichen Telekom Austria hat CEO Thomas Arnoldner etlichen freigestellten Betriebsräten vor kurzem die Gehälter empfindlich gekürzt. Die Belegschaftsvertreter seien zu hoch eingestuft gewesen.

Berti hätte, bezogen auf eine Ausschreibung und auf Grund seiner Qualifikation und Erfahrung eine Hauptabteilung leiten können, habe aber darauf verzichtet, um Betriebsrat zu bleiben. Er wurde auf Vorschlag des Technischen Direktors in einer Verwendungsgruppe unterhalb der vorgesehen eingestuft, von Besserstellung könne keine Rede sein, erklärt dazu ORF-Sprecher Martin Biedermann. Tja, womöglich hätte der tüchtige Berti sogar das Zeug zum Generaldirektor gehabt.

Bei der Wahl des ORF-Chefs ist er jedenfalls als einer von fünf Zentralbetriebsräten im Stiftungsrat fix mit dabei. Die Position ist ein Karriere-Turbo. Bertis Vorgänger als Technik-Betriebsratschef, Michael Götzhaber, stimmte 2011 für Alexander Wrabetz. Kurz darauf wurde er zum technischen Direktor mit rund 300.000 Euro Jahres-Salär befördert. Dies war der Anlass für einen neuen Corporate Governance Kodex, der für einen Wechsel vom Stiftungsrat in eine ORF-Führungsposition eine Abkühlphase von zwei Jahren vorschreibt.

2016 stimmte auch Berti für Wrabetz und stieg in die VG 17 auf. Engster Vertrauter der Techniker im Stiftungsrat war übrigens der ehemalige Vorsitzende des Gremiums, der heuer als Casinos-Vorstand fürstlich abfertigte Ex-SPÖ-Politiker Dietmar Hoscher. Wrabetz dagegen dürfte von seinen Technikern nicht so ganz überzeugt sein. Er entzog ihnen jetzt die Investitionsplanung für die Rundfunktechnik und hängte diese seinem Vertrauten Pius Strobl um.