Peugeot Citroën fährt bei Opel vor. Der Belegschaft drohen harte Einschnitte.

© REUTERS/INA FASSBENDER

Verkauf an Peugeot Citroën
03/06/2017

Opel fährt in eine unsichere Zukunft

Tausende Jobs könnten abgebaut werden, Zukunft von Werk in Wien ist fraglich.

von Robert Kleedorfer

Nun ist es fix: Der französische Autobauer Peugeot Citroën (PSA) hat sich mit General Motors (GM) auf die Übernahme des Europageschäfts mit den Marken Opel und Vauxhall geeinigt. Der Kaufpreis liegt bei 1,3 Milliarden Euro, teilten GM-Chefin Mary Barra und PSA-Chef Carlos Tavares am Montag in Paris mit. Weitere 900 Millionen Euro erhält GM für das europäische Geschäft der Autobank GM Financial, die Peugeot gemeinsam mit der französischen Bank BNP Paribas übernimmt. Allerdings muss GM Pensionsverpflichtungen von drei Milliarden Euro übernehmen. Unterm Strich ist der Deal für die Amerikaner damit ein Verlustgeschäft.

Das sind die europäischen Töchter allerdings schon seit 1999. So viele Jahre ist es schon her, dass sie keinen Gewinn schrieben. Im Vorjahr lag das Minus operativ bei 241 Millionen Euro, während PSA 1,7 Milliarden Euro Nettogewinn erzielte. Trotz Investitionen in die bestehenden Werke und neue Modelle schien ein nachhaltiger Turnaround nicht in Sicht.

Durch die Übernahme wird der Konzern in Europa Renault überholen und mit 17 Prozent Marktanteil zur Nummer zwei hinter VW. Tavares erwartet von dem Zusammenschluss Kostenvorteile von 1,7 Mrd. Euro im Jahr, vor allem in den Bereichen Einkauf, Fertigung sowie Forschung und Entwicklung.

Mitarbeiter

Kostenvorteile einer Übernahme münden oft auch in Jobabbau. Das wird jetzt ebenso befürchtet. Zwar spricht Opel-Chef Karl-Thomas Neumann von "neuen Wachstumschancen" und auch Tavares verspricht, Opel als eigenständiges Unternehmen zu erhalten. Gleichzeitig betont er aber, dass die Schließung von Werken nicht notwendig sei, wenn diese produktiver würden.

Zwar hat GM nach der Insolvenz und einer deutschen Staatsbürgschaft 2009 eine Reihe von Garantien für Arbeitsplätze und Werke abgegeben. Das Problem: Diese beginnen ab nächstem Jahr bis 2020 sukzessive abzulaufen.

Ohnehin sank seit 2009 die Zahl der Mitarbeiter von 56.000 auf nunmehr 38.000. Das Werk in Bochum wurde 2014 geschlossen. Schon nächstes Jahr also könnte es mit den Kürzungen weitergehen. Laut Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer wackelt in Deutschland jeder dritte Opel-Job.

Wien Aspern

Auch im Opel-Werk Wien Aspern machen sich die 1600 Beschäftigten Sorgen. "Wir müssen abwarten, was in den nächsten Monaten passiert", sagt eine Sprecherin. In Betriebsversammlungen wurden gestern die einzelnen Schichten informiert.

Insgesamt gibt es in sieben europäischen Ländern Opel-Fabriken. Laut Dudenhöffer liegen die deutschen Arbeitskosten bei 52 Euro in der Stunde, Aspern fertigt mit 40 Euro je Arbeitnehmer um knapp ein Drittel günstiger. Allerdings liegen Großbritannien (26 Euro), Spanien (25 Euro), Polen (14 Euro) und Ungarn (10 Euro) noch deutlich darunter.

Dudenhöffer rechnet damit, dass Tavares mit Opel den selben Kurs fahren wird wie mit PSA. Sprich: "Harte Kapazitätsanpassung", mit der Tavares seit seiner Bestellung im Sommer 2013 gut unterwegs ist. Erfolg in Zukunftsmärkten wie China sei hingegen wenig festzustellen. "Mit einer Übernahme von Opel erhöht sich nochmals die schon sehr hohe Abhängigkeit von Europa." Tavares müsse nun flott auch mit Opel Gewinn erzielen, um dann die Investitionen für die überfällige Internationalisierung stemmen zu können.

Auch Markenstratege Michael Brandtner warnt im KURIER-Gespräch: "In der Regel macht ein Mehr-Marken-System nur Sinn, wenn es eine klar abgestufte Markt- und Markenlogik dahinter gibt, wie etwa bei VW oder Renault. Bei PSA fehlt ganz klar eine logische Aufteilung."

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