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Wirtschaft
12/05/2019

OPEC steckt in einem großen Ölpreis-Dilemma

Analyse: Die Nachfrage lahmt, das Ölmarktkartell aber ist höchst uneinig über weitere Förderkürzungen.

von Irmgard Kischko

Die Ölminister der 14 Mitgliedstaaten der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) haben am Donnerstag bei ihrem Treffen in Wien keine leichte Aufgabe: Sie müssen sich auf eine Fördermenge einigen, die trotz der nachlassenden Nachfrage den Ölpreis nicht abstürzen lässt. Angesichts der extrem unterschiedlichen Interessen der OPEC-Staaten wird dies zu einer Sisyphusarbeit.

So wollen die Saudis, die mit Abstand größten Ölproduzenten in der OPEC, dass die Förderquote weiter reduziert wird – müssen sie doch darauf achten, dass der laufende Börsegang ihres Ölkonzerns Aramco (siehe unten) nicht von fallenden Ölpreisen begleitet wird. Überraschenderweise sprang der Irak den Saudis zur Seite. Im Vorfeld der Sitzung hatte der Ölminister des Landes, Thamir Ghadhban, verkündet, die OPEC diskutiere eine Förderkürzung.

Preis steigt

Später erklärte auch Russland, es unterstütze die Forderung Saudi-Arabiens nach einer Kürzung um eine halbe Million Fass. Infolge kletterte am Donnerstagnachmittag der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent um ein Prozent auf 63,60 Dollar je Fass (159 Liter).

Doch so simpel ist die Sache nicht. Die Saudis wollen zwar, dass weniger Öl am Markt landet, aber sie selbst wollen ihre Förderung nicht weiter drücken. Dafür haben sie auch einen guten Grund: Saudi-Arabien hat angesichts der sich abschwächenden Weltkonjunktur und der damit geringeren Ölnachfrage schon weniger Öl auf die Märkte gepumpt.

Um rund 500.000 Fass pro Tag dürfte Saudi-Arabien die Produktionsquote, auf die sich das Kartell verständigt hatte, unterschritten haben, schätzt Ölmarktexperte Tamas Pletser von der Erste Group. Warum also sollten die Saudis jetzt weiter auf die Bremse steigen? Jetzt wären eigentlich die anderen OPEC-Staaten dran, ihren Beitrag zur Stabilisierung des Ölpreises über der 60 Dollar-Marke zu leisten.

Zu viel produziert

Doch so manch anderes OPEC-Mitglied will davon nichts wissen. Nigeria etwa hat sich schon zuletzt nicht an die Förderquote gehalten und viel mehr Öl produziert als vereinbart. Auch der Irak, der jetzt von Kürzungen spricht, soll die Quote verletzt haben. Dass der Weltmarkt unter diesen Bedingungen nicht von Öl regelrecht überschwemmt wurde, liegt an der schweren Krise, in der zwei große Förderländer stecken: Libyen und Venezuela können wegen der innenpolitischen Konflikte so gut wie kein Öl produzieren.

Experten wie Pletser gehen nun davon aus, dass sich die OPEC in Wien wohl auf eine Verlängerung der bestehenden Förderquote und nicht auf eine weitere Reduktion verständigen wird. "Das wäre für die Märkte allerdings ein Signal, dass der Ölpreis fällt", meint Pletser. Denn mit der bestehenden Quote sei ein deutliches Überangebot im ersten Halbjahr 2020 absehbar.

Vereinbarung läuft aus

Die OPEC hatte sich im Dezember 2018 auf die aktuelle Quote verständigt, die eine Kürzung der bis dahin geltenden Fördermenge um 1,2 Millionen Fass pro Tag bedeutete. Die Vereinbarung gilt noch bis Ende März 2020. Die OPEC produziert damit rund 30 Millionen Fass pro Tag – die Zahlen variieren je nach Datenquelle ein bisschen.

Unsicher ist noch wie, sich die Nicht-OPEC-Staaten verhalten. Sie hatten die Förderkürzung ursprünglich unterstützt und auch selbst weniger Öl produziert. Zuletzt aber soll auch Russland die Förderpumpen wieder auf Hochtouren laufen gelassen haben. Die Gespräche zwischen der OPEC und Russland sind für Freitag anberaumt.

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