Oldtimer-Chefs: „Mobilitätswende ist eine Chance für Raststationen“
Der Reiseverkehr lässt die Umsätze von Oldtimer jedes Jahr in die Höhe fahren. Auch heuer blickt das Schweizer Geschäftsführer-Ehepaar Stefanie und Rico Hofmann optimistisch auf die stärkste Urlaubssaison des Jahres.
KURIER: Die Sommerferien stehen vor der Tür. Was bedeutet die Reise-Hochsaison für Sie?
Stefanie Hofmann: Für uns sind die Ferien die stärkste Zeit im Jahr. Da haben wir viele Ferialpraktikanten und machen mehr Umsatz als normalerweise. Wir haben insgesamt auch einen erhöhten Organisationsbedarf, sind aber schon sehr erfahren nach 30 Jahren an der Autobahn.
Ein großes Ärgernis im Reiseverkehr ist der Stau. Spielt Ihnen der in die Karten, weil die Urlauber lieber zum Essen stehen bleiben, anstatt im Stau zu stehen?
Rico Hofmann: Das kann passieren. Oder Leute sagen, ’Jetzt haben wir schon zweieinhalb Stunden verloren. Schauen wir lieber, dass wir schnell ins Ziel kommen und lassen die Raststation links liegen’. Wenn man aber hungrige Kinder im Auto hat, dann ist vielleicht eher das Bedürfnis da, eine erholsame Pause zu verbringen.
Das Auto ist für die Fahrt in den Urlaub das beliebteste Verkehrsmittel der Österreicher. Der Anteil sinkt aber. Bemerken Sie einen Wandel?
Stefanie Hofmann: Man bemerkt einen Wandel, aber es sind immer noch genug Autos unterwegs. Durch Navis sind die Fahrer viel bewusster unterwegs und können wählen, wo sie hinfahren und wo sie Pause machen.
Zum ausführlichen "Business Gespräch" mit Stefanie und Rico Hofmann
Wie unterscheiden sich Raststätten-Restaurants von der klassischen Gastronomie?
Rico Hofmann: Es ist ein deutlicher Unterschied, insbesondere in der Organisation. Unsere Raststationen sind sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr geöffnet. Es gibt keinen Ruhetag. Wir haben auch selten Gäste, die vorher anrufen und reservieren. Das macht die Personalplanung entsprechend schwierig.
Viele heimische Gastronomen leiden unter dem Fachkräftemangel, hohen Kosten und Konsumzurückhaltung. Sind Sie davon ebenfalls betroffen?
Stefanie Hofmann: Den Fachkräftemangel spüren wir auf jeden Fall. Es ist im Vergleich zu früher eine Herausforderung, gute Arbeitskräfte zu finden. Aber ich glaube, der Personalmangel hat sich zuletzt wieder ein bisschen entschärft. Wir haben auch sehr viel Arbeit in die Teamarbeit gesteckt und einen guten Ruf. So finden wir auch Arbeitskräfte.
Raststationen haben oft den Ruf, dass sie teuer sind. Finden Sie diesen Vorwurf gerechtfertigt?
Rico Hofmann: Nein, zumindest für unsere Standorte nicht. Natürlich ist die Situation wie vorher geschildert wegen der schlechteren Planbarkeit etwas anders. Aber wir versuchen, in unseren Betrieben ein gutes Preis-Leistungsverhältnis zu bieten, weil wir wissen, dass der Gast heutzutage bewusster entscheidet. Das heißt nicht unbedingt, dass er geizig ist, aber er entscheidet bewusster und möchte wissen, was er für das Geld bekommt.
Wie hat sich der Wettbewerb an den Autobahnen in den letzten Jahren entwickelt?
Stefanie Hofmann: Es gibt andere Raststätten, mit denen wir konkurrieren. Da haben wir eine relativ hohe Dichte in Österreich. Daneben gibt es Fastfood-Anbieter und Restaurants abseits der Autobahn. Wegen Navis ist es heute viel leichter, sich zu entscheiden, nicht an der Autobahn stehen zu bleiben.
Das Ehepaar Hofmann im Gespräch mit Marlene Liebhart.
Stefanie Hofmann ist die Tochter des Oldtimer-Gründers Anton Kothmiller. Sie absolvierte ein Wirtschaftsstudium an der WU Wien und ein Studium in Internationalen Angelegenheiten in St. Gallen (Schweiz). Auch ihr Ehemann Rico Hofmann studierte Internationale Beziehungen. Nach dem Tod von Stefanie Hofmanns Vater im Vorjahr übernahm sie gemeinsam mit ihrem Ehemann die Geschäftsführung im Unternehmen.
Kommen wir zum Thema Treibstoff. Woher kommt der Preisunterschied zwischen Autobahn-Tankstellen und Tankstellen abseits der Autobahn?
Rico Hofmann: Also wir betreiben eine Tankstelle am Autohof in Oed abseits der Autobahn. Ich muss ganz ehrlich sagen, diese Preisunterschiede bei Mitbewerbern in diesem Ausmaß sind nicht zu erklären. Und das ist auch der Grund, warum wir mit diesem Autohof ein Angebot schaffen wollten, wo man Treibstoff beziehen kann zu einem Preis, den man von abseits der Autobahn kennt.
Wie wichtig ist das Tankstellengeschäft für ihren Umsatz?
Rico Hofmann: Es ist ein ganz anderes Business als der Gastronomieumsatz. Da leben wir von der Menge. Die Margen sind klein, aber es ist ein wichtiger Baustein innerhalb der Unternehmensgruppe.
Sprechen wir über die Mobilitätswende: Die Zahl der Elektroautos steigt. Wie verändert das Ihr Geschäft?
Stefanie Hofmann: Wenn die Kunden länger tanken, haben sie mehr Zeit, um sich eventuell einen Kaffee zu holen bei uns oder auch etwas zu essen. Also ich denke, es ist eine Chance. In Oed investieren wir auch gerade in E-Ladeinfrastruktur. Da schaffen wir zehn Ladepunkte für Pkw und vier für Lkw. Das wird in Zukunft sicher ein immer wichtigerer Punkt sein, um am Markt bestehen zu können.
Was haben Sie sonst noch vor mit dem Unternehmen?
Stefanie Hofmann: Wir wollen die Tradition erhalten und die DNA von Oldtimer nicht verändern, aber vielleicht in die nächste Generation bringen. Das bedeutet, Arbeitsabläufe effizienter gestalten, vielleicht manche Prozesse im Hintergrund durch KI unterstützen. Was wir nicht verändern wollen, ist der persönliche Service am Gast.
Die Geschichte von Oldtimer geht auf das Jahr 1995 zurück, als nach sechsmonatiger Bauzeit die erste Raststation des Unternehmens auf der Pack in Betrieb genommen wurde. Mit der Zeit eröffneten zwei weitere Standorte an der Südautobahn A2: 1997 in Zöbern (Bezirk Neunkirchen) und 1998 in Guntramsdorf (Bezirk Mödling). 2006 folgte eine Filiale an der A1/Westautobahn in Oed bei Amstetten.
Im vergangenen Jahr übernahm das Ehepaar Stefanie und Rico Hofmann das Unternehmen nach dem Tod des Gründers Anton Kothmiller. Sie beschäftigen an all ihren Standorten je nach Saison zwischen 180 (im Winter und 250 Beschäftigte (im Sommer).
Neben den Raststätten-Restaurants gehört am Autohof in Oed auch eine Tankstelle zum Betrieb. Zusätzlich ist das Ehepaar Franchisenehmer bei der Fast-Food-Kette Burger King und betreibt eine Filiale in Oed. Wie viel Umsatz das Unternehmen macht, will das Ehepaar Hofmann nicht mitteilen. Man würde aktuell trotz großen Traditionsbewusstseins in Photovoltaik-Anlagen, E-Ladestationen, Erlebnisbereiche für Familien und digitale Kommunikation investieren.
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