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Wirtschaft
12/05/2019

Österreich fällt bei sozialer Gerechtigkeit zurück

Ungleichheiten im Bildungssystem drücken im weltweiten Vergleich Österreichs Gesamtrang. Armutsrisiko bleibt hoch.

Seit Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise vor rund zehn Jahren hatte sich auch die soziale Gerechtigkeit im Durchschnitt der EU- und OECD-Staaten verschlechtert. Mit Einsetzen der wirtschaftlichen Erholung zeigt sich seit 2014 ein leichter, aber kontinuierlicher Aufwärtstrend, wie der aktuelle "Social Justice Index" der deutschen Bertelsmann Stiftung zeigt. Österreich allerdings fällt in diesem Ranking langsam zurück.

Die Untersuchung bewertet als Indikatoren sozialer Gerechtigkeit Anstrengungen der insgesamt 41 Staaten im Hinblick auf Armutsvermeidung, Zugang zum Arbeitsmarkt, gerechte Bildungschancen, Generationengerechtigkeit, Gesundheit sowie Maßnahmen gegen Diskriminierung. Österreich belegt mit Rang 17 im Gesamtranking und Platz 12 im internen EU-Vergleich noch einen Platz im oberen Mittelfeld, verliert damit aber im zweiten Jahr in Folge einen Platz und wurde diesmal von Polen überholt.

In vielen Staaten ist trotz des Aufschwungs die Armut nicht zurückgegangen, in 25 der untersuchten Staaten der Europäischen Union und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stagniert laut Studie das Armutsrisiko oder ist sogar gestiegen. Hier steht Österreich vergleichsweise gut da, das Armutsrisiko in der Gesamtbevölkerung liegt bei 8,8 Prozent (Rang 15). Auffällig ist allerdings die unterschiedliche Entwicklung für Kinder und ältere Menschen.

Kinder gefährdet

Waren Kinder und Jugendliche 2008 - vor Beginn der Wirtschaftskrise - mit 9,6 Prozent noch seltener von Armut bedroht als die über 65-Jährigen (10,5 Prozent), zeigt sich jetzt ein umgekehrtes Bild: Aktuell liegt das Armutsrisiko der unter 18-Jährigen bei 11,3 Prozent und damit um 3,3 Prozentpunkte höher als in der älteren Bevölkerung (8 Prozent). Diese Kluft zwischen Jung und Alt ist allerdings kein spezifisch österreichisches Phänomen: In 27 Staaten trifft Heranwachsende häufiger ein Armutsrisiko als Ältere.

Weiter positiv entwickelt sich der heimische Arbeitsmarkt, die Beschäftigungsrate konnte auf 73 Prozent erhöht und die Arbeitslosigkeit auf 4,9 Prozent reduziert werden (Rang 17). Nachholbedarf besteht hingegen bei der Integration älterer Menschen in den Arbeitsmarkt: Die Beschäftigungsquote der über 55-Jährigen konnte zwar auf 54 Prozent gesteigert werden, lässt aber im internationalen Vergleich zu wünschen übrig (Rang 29).

Schlechte Aussichten haben zudem Menschen mit Migrationshintergrund, sie sind mehr als doppelt so häufig von Arbeitslosigkeit betroffen wie die einheimische Bevölkerung (Rang 39).

Deutliche Schwächen zeigen sich laut "Social Justice Index 2019" vor allem im heimischen Bildungssystem. Im Hinblick auf die Gewährung gleicher Bildungschancen belegt Österreich nur den 36. Rang unter den 41 untersuchten Ländern. Grund dafür ist laut der Studie etwa, dass der Lernerfolg besonders stark vom sozio-ökonomischen Hintergrund der Kinder und Jugendlichen abhängt und Bildungschancen für Frauen und Männer extrem ungleich verteilt seien.

Zu wenig Uni-Absolventen

Und ein weiterer Faktor wird betont: "Gemessen an der wirtschaftlichen Lage Österreichs sollte das Land eine deutlich höhere Zahl an Universitätsabsolventen haben. Die Ursache dieses Mankos wird von Forschungsinstitutionen und Experten (...) in der frühen Trennung der Kinder in verschiedene Unterrichtszweige bereits nach der vierten Schulstufe gesehen."

Am weitesten vorne im Ranking liegt Österreich beim Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung (Rang 12), unter anderem wegen der hohen Anzahl praktischer Ärzte und der geringen Kindersterblichkeit. Bemerkt wird aber ebenso, dass sich auch der finanzielle Aufwand der Haushalte für Gesundheit signifikant erhöht hat.

Spitzenreiter im "Social Justice"-Ranking sind traditionell die nordischen Länder, angeführt von Island, Norwegen, Dänemark, Finnland und Schweden. Die USA gehören mit Platz 36 zu den Schlusslichtern, am schlechtesten schneiden Bulgarien, Rumänien, die Türkei und Mexiko ab.

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