Spritpreise halten Inflation niedrig

Die niedrigen Spritpreise dämpfen derzeit die Inflation.

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
08/18/2021

Ölpreis und Lieferchaos: Höchste Inflation seit 2011

Vor allem Tanken und Fliegen wurde im Juli empfindlich teurer, insgesamt liegt die Inflation bei 2,9 Prozent – aus Expertensicht kein Grund zur Besorgnis.

von Michael Bachner

Noch kein Grund zur Panik, sagen Fachleute, doch die Inflation steigt und steigt und frisst Sparguthaben und die Altersvorsorge auf. Die Höhe der Inflation ist auch ein wesentlicher Parameter für die Lohnverhandlungen im Herbst sowie für die kommende Pensionserhöhung für 2022 (siehe Artikel unten).

Konkret betrug die Teuerung im Juli in Österreich im Vorjahresvergleich bereits 2,9 Prozent. Solche Werte sah man hierzulande das letzte Mal vor zehn Jahren.

Schuld an der Entwicklung sind mehrere Faktoren. Die wesentlichsten sind:

Der Ölpreis steigt und steigt. Die wiedererlangte Einigkeit über die Fördermengen in den Ländern der OPEC+ sowie die weltweite Konjunkturerholung und der damit einhergehende Energiehunger der Industrieländer treiben die Rohölpreise. Zwar ist man nach dem Corona-Knick im Aufholprozess „erst“ wieder bei 70 Dollar je Fass (Nordseesorte Brent) und nicht bei 150 Dollar wie vor der Finanz- und Wirtschaftskrise, doch beim Heizöl, Benzin und Diesel sehen Verbraucher eins zu eins wohin die Reise geht. Preissteigerungen von mehr als 20 Prozent gibt es hier, detto bei Flugtickets.

Das Lieferchaos geht weiter. Der zweite wesentliche Faktor hinter der steigenden Teuerung sind die massiven Lieferverzögerungen aus Asien. Das aktuelle Lieferchaos wird durch die Mega-Staus in den chinesischen Häfen ausgelöst, die laut Experten gravierendere Folgen für die Weltwirtschaft haben als der Stau am Suez-Kanal vor wenigen Monaten. Lieferverzögerungen kosten, dazu kommt eine Verzehnfachung der Containerfrachtkosten. Ein sehr teurer Mix.

Keine Inflationsspirale

Dennoch machen sich Experten wie Josef Baumgartner vom Wirtschaftsforschungsinstitut noch keine allzu große Sorgen. „Ich sehe nicht, dass wir in eine Phase mit einer regelrecht galoppierenden Inflation kommen. Dazu wäre nötig, dass auch die Nachfrage dauerhaft massiv steigt, gleichzeitig die Löhne kräftig anziehen und sich daraus eine negative Lohn-Preis-Spirale entwickelt.“

So erwartet das WIFO laut Juni-Prognose auch nur eine Teuerung über das Gesamtjahr 2021 von 2,2 Prozent und 2,0 Prozent im kommenden Jahr. Was bis dahin freilich anziehen könnte und teils auch schon angekündigt wird, sind die Nahrungsmittelpreise. Baumgartner: „Bei Nahrungsmitteln werden die Preissteigerungen im zweiten Halbjahr und zu Beginn 2022 stärker werden.“ Der Experte leitet das auch von internationalen Entwicklungen ab. Ein viel beachteter Index für agrarische Weltmarktpreise stieg im Jahresabstand um 41 Prozent.

Noch liegen die Preissteigerungen im Mikrowarenkorb, der Nahrungsmittel, aber auch Tageszeitungen oder den Kaffee im Kaffeehaus enthält und den täglichen Einkauf widerspiegelt, im Jahresvergleich aber nur bei 2,1 Prozent (siehe Grafik).

Nahrungsmittel teurer

Aufgrund gestiegener Getreidepreise dürften etwa die Preise für Brot und Gebäck aber bald um rund zehn Prozent anziehen, kündigten die Bäcker vor Kurzem an.

Mitten im Hochsommer auch interessant: Für Restaurants und Hotels musste im Juli durchschnittlich um 3,3 Prozent mehr bezahlt werden. Ausschlaggebend dafür war die teurere Bewirtung (+3,1 %) und teureres Übernachten (+4,3 %).

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